Titelträume mit Alena Schröder

Shownotes

In der zweiten Folge unseres literarischen Berlin-Talks spricht tipBerlin-Literaturredakteur Erik Heier mit der Bestsellerautorin Alena Schröder, die kürzlich mit dem Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel” den finalen Band ihrer ein Jahrhundert und vier Generationen überspannenden Romantrilogie vorgelegt hat. Die Trilogie folgt der Familie Borowski, in der ein während des Zweiten Weltkriegs verschollenes, mutmaßlich wertvolles Gemälde eine wichtige Rolle spielt.

Mit ihrem ersten Roman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid” hatte Alena Schröder einen Überraschungserfolg gelandet, der sie, wie alle Bücher der Trilogie, in die SPIEGEL-Bestsellerliste katapultierte. Ihr neues Buch stieg sogar direkt auf Platz eins ein.

In der tipBerlin-Literaturkapelle liest Alena Schröder Passagen aus „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel” und spricht mit Erik Heier über Bezüge besonders im Debütroman zu ihrer eigenen Familie, die Kunst besonderer Buchtitel, Schreibrituale, wechselvolle Mutter-Tochter-Beziehungen in ihren Büchern, Männercharaktere und Lieblingsnebenfiguren – und über die Literaturstadt Berlin.

Die Literaturkapelle ist eine neue Lesereihe, die einmal im Monat in der Kapelle99 in Friedrichshain stattfindet. Tickets für die nächste Literaturkapelle am 27. Mai 2026 mit Kristof Magnusson gibt’s hier: https://www.tip-berlin.de/event/tipberlin-literaturkapelle-mit-kristof-magnusson/

Du willst immer wissen, was in Berlin los ist? Programm, Kultur, Stadtleben und vieles mehr gibt’s täglich auf www.tip-berlin.de, auf Instagram (@tipberlin) und TikTok (@tip_berlin).

Eine Produktion der Tip Berlin in Kooperation mit Studio36. Cover Art: Jonas Schulte

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich glaube, dass es eine ganze Menge Frauen wie Hannah in Berlin gibt und ich bin auch ein bisschen wie Hannah an meinen schlechten Tagen.

00:00:32: Herzlich willkommen zu Tipp Berlin mit der Turkapelle.

00:00:35: die April-Ausgabe!

00:00:37: Wir beginnen mit der ersten Rubrik aller Anfang.

00:00:39: das ist der erste Satz des Buches und ich glaube in unserem Fall sind's zwei Erste Sätze.

00:00:43: Die

00:00:44: soll ich jetzt vorlesen, ne?

00:00:46: Also der allererste Satz des Buches ist ein Satz aus dem Prolog.

00:00:52: Und er geht so ...

00:01:03: Wir machen den zweiten ersten Laich hinterher und erklären, warum wir das machen.

00:01:07: Genau!

00:01:07: Der zweite erste Satz ist der Erste Satze aus Kapitel eins der glaube ich ein bisschen mehr ins Buch einführt.

00:01:14: Deswegen eignet er sich besser, haben wir die Rubriken ein bisschen gestreckt würde ich sagen.

00:01:21: Marlen verbrachte ihren vierzehnten Geburtstag in einer Schublade.

00:01:29: Welchen findest du besser Erik?

00:01:30: Den zweiten.

00:01:31: Sehr schön!

00:01:32: Der zweite öffnet mir.

00:01:33: Bevor wir über das Buch sehen wie kommt zu dem ersten Satz zustande geht damit das Buch für dich los entsteht ja vielleicht auch erst am Ende.

00:01:42: Der ist tatsächlich ganz am Anfang der erste Satz.

00:01:45: Also ich fange vorne an und höre hinten auf, ich schreibe total chronologisch und ja... Ich versuche natürlich einen ersten Satz zu finden, der dafür sorgt dass wenn man den ließt eventuell noch einen zweiten lesen will und dann noch alle anderen auch.

00:01:59: also ich mache mir schon Gedanken über den ersten Satze.

00:02:02: Wir können vielleicht darüber reden wie das Buch heißt über das wir heute reden.

00:02:06: Ja!

00:02:06: Das Buch heißt mein ganzes Leben Öl auf Leinwand ohne Titel

00:02:10: Und es ist der Abschluss einer Trilogie, einer Familiengeschichte in der ein Bild eine Rolle spielt die einen Jahrhundert umfasst.

00:02:18: Ja das stimmt.

00:02:19: aber falls ihr jetzt die ersten beiden nicht gelesen habt das ist überhaupt nicht schlimm.

00:02:22: man kann dieses Buch auch lesen ohne die anderen beiden zu kennen.

00:02:25: Man kann sie sogar im beliebiger Reihenfolge lesen und man kann auch keins lesen.

00:02:30: Aber genau also man ist hier nicht falsch heute Abend wenn man die anderen Beiden nicht kennt.

00:02:36: Ich kann das sehr empfehlen und sehr bestätigen.

00:02:38: Welcher Satz ist es denn wichtiger, der erste oder der letzte?

00:02:41: Der Letzte fühlt sich natürlich immer besser an als der Erste weil dann ist es geschafft.

00:02:44: aber ich finde schon der erster Satz.

00:02:46: Ich meine nicht umsonst kennt man viele berühmte erste Sätze aus der Literaturgeschichte und relativ wenig berühmt die letzte Sätze von der Literaturgeschichte.

00:02:54: Deine Trilogie begann im Jahr einundzwanzig mit dem Buch Junge Frau am Kennester stehend Abendlicht Blaues Kleid.

00:03:03: Das war ein unglaublich schöner letzter Satz muss ich sagen.

00:03:05: Da kann man den vorlesen oder...

00:03:07: Klar, ich kann ihn nicht auswendig.

00:03:08: Wenn du ihn da hast, gerne!

00:03:10: Wie unglaublich schön das alles ist.

00:03:13: Das ist ein Topletzersatz.

00:03:14: Stimmt

00:03:15: richtig gut.

00:03:17: Ich finde der erste Satz ist wahnsinnig wichtig um ins Buch reinzukommen, um so'n bisschen so einen Entree zu haben.

00:03:23: aber der letzte Satz hat Ende entscheidet wie du emotional aus einem Buch rausgehst

00:03:29: Das stimmt.

00:03:30: Und der letzte Satz im allerersten Buch fällt ja am Flughafen Tegel, beziehungsweise beim Abflug noch vom alten Flughafenthegel und beim Blick auf Berlin aus dem Flugzeug.

00:03:40: Da passt es natürlich, weil ich meine nichts ist schöner als der Blick auf Berliner.

00:03:44: Der Flughaven Tege!

00:03:45: Ich habe ihn sehr geliebt.

00:03:48: Lass uns das Buch reingehen mit der ersten Lesestelle, dass wir einen Eindruck kriegen.

00:03:52: Wir beginnen in der Tat... mit dem Anfang, vom Karolentinsatz aber?

00:03:56: Genau.

00:03:56: Wir beginnen mit dem Anfang also nicht mit dem Prolog sondern mit dem ersten Kapitel.

00:04:02: und wir sind in Güstro in Mecklenburg-Vorpammern und zwar im Jahr nineteenhundertvierundvierzig.

00:04:08: Und in diesem ersten Buch der Trilogie geht es tatsächlich sehr um ein verschollenes Kunstvermögen und insbesondere um ein Bild das am Ende dieses Ersten Buches auch verschwunden bleibt und möglicherweise wird jetzt in diesem Moment gefunden Spoiler.

00:04:27: Marlene verbrachte ihren vierzehnten Geburtstag in einer Schublade, ganz sicher war sie sich nicht ob heute tatsächlich der zweite Mai war.

00:04:35: Sie bemühte sich die letzten Tage abzuzählen wie oft sie geschlafen hatte oder es zumindest versucht hatte in einer Kuhle an einen Baumstamm gelehnt auf den feuchten moos bewachsenen Brettern eines Jägerhochsitzes unter einer Bootsplane in einem verfallenden Schuppen.

00:04:51: War es ein Mittwoch gewesen, als ihre Mutter den Verstand verloren hatte?

00:04:55: War das jetzt genau eine Woche her, dass sie weggelaufen war?

00:04:58: und wie lange lag sie hier nun schon im Dunkeln?

00:05:00: Eine Stunde?

00:05:01: Einen Tag?

00:05:03: Sie spürte ihre Beine nicht mehr.

00:05:04: Mit den Händen konnte sie ertasten, da sie noch da waren angewinkelt die Knie an die Umhänge Tasche vor ihrem Bauch gepresst.

00:05:12: aber sie waren irgendwann eingeschlafen und jetzt hatte sie kein Gefühl in ihnen und bewegen durfte sie sich auch nicht.

00:05:20: Es war anstrengend, eine so lange Zeit vollkommen regungslos zu bleiben und kein Geräusch zu machen.

00:05:27: Sie zählte zu ihren Atemzügen um sich zu beruhigen bis zwei beim Einatmen bis fünf beim Ausatmen wie beim Schwimmen.

00:05:35: kurz ein lang aus Onkel Harald hatte es ihr beigebracht noch bevor sie ihn eingezogen hatten.

00:05:41: die Mutter fand das unnötig.

00:05:43: ein Mädchen muss nicht schwimmen.

00:05:44: wenn sie erst schwimmen können kriegt man sie gar nicht mehr aus dem Wasser.

00:05:47: sie krieg noch Schwimm heute zwischen den Fingern überhaupt diese Finger die sie nie ruhig halten konnte, die immer etwas zu tun brauchten.

00:05:54: Sogar jetzt versteckt in einer alten Holzkommode im Obergeschoss eines verlassenen Hauses unter dem zerborstenen Dachstuhl durch den die Morgensonne fiel.

00:06:03: Marlenzfinger betasteten den Schubladenboden, suchten nach Widerstand, nach Unebenheiten und Beschäftigung.

00:06:10: Ihr Fingernagel fand schließlich Halt.

00:06:13: Etwas Festes das durch ein bisschen Fingermageldruck lose wurde absplitterte sich auflöste Und da war noch mehr ein ganzes Nest von splitternder bröselnder Materie, unmöglich jetzt davon abzulassen.

00:06:25: Denn je mehr Malins Fingernagel am Schubladenboden herumpulen konnte, desto weniger konnte ihr Kopf die Bilder heraufbeschwören, die zu den Geräuschen aus dem Erdgeschoss

00:06:35: passten.".

00:06:36: Dabei hatte der Morgen so hoffnungsvoll begonnen... Das Haus.

00:06:40: mitten im Wald war Marlene im Morgengrauen wie ein Trugbild vorgekommen, geformt aus Hunger und Müdigkeit nach den Tagen und Nächten in denen sie sich allein durchgeschlagen hatte – immer grob Richtung Westen.

00:06:52: Vielleicht würde sie hier irgendwas zu Essen finden oder zumindest für eine Weile Unterschlupf.

00:06:56: das Haus schien bis auf das Dach intakt zu sein und wirkte verlassen.

00:07:00: Die Eingangstür war nicht verschlossen Und als sie in den modrig riechenden Flurt trat und darauf wartete dass ich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnten musste sie einen Schrei unterdrücken.

00:07:10: Direkt hinter der Tür, mit dem Rücken an der Wand stand jemand und startte Malen finster an – eine Frau mit einem Beil in der Hand.

00:07:20: «Gut dann sind wir eben zwei», sagte die Frau nach einer Weile und ließ das Beil sinken.

00:07:24: Es klang missmutig aber nicht feindselig.

00:07:27: «Steht da nicht rumkommen und hilf mir wenigstens.».

00:07:29: Die Frau war groß und hager, mit langen dunklen Haaren und dunklen Augen.

00:07:34: wie eine Saatkrehe dachte Malen unwillkürlich.

00:07:37: Es beruhigte sie, wenn sie in Fremden sofort eine Ähnlichkeit mit einem Tier erkennen konnte.

00:07:42: Es machte sie gleich weniger bedrohlich und die Krähenfrau hatte offenbar nicht vor ihr etwas zu tun.

00:07:48: Sie schien genau wie sie auf der Suche nach etwas Ess oder anderweitig Verwertbarem zu sein.

00:07:54: Den Förster hat es erwischt, sagte die Frau als müsste Marlene wissen von wem sie sprach.

00:07:58: Der kommt nicht wieder aber wir müssen uns trotzdem beeilen.

00:08:02: Malen ging hinter der Frau her durch ein verstaubtes Wohnzimmer in eine Küche, die schon länger nicht mehr benutzt worden war.

00:08:09: Neben dem Herd war eine Vorratskammer und Malen spürte wie sich ihr Magen zusammenkrampfte bei der Vorstellung dort etwas Essbares zu finden.

00:08:17: aber die Kammer war leer.

00:08:18: Die Frau fluchte leise.

00:08:20: dann inspizierte sie den Boden der Kammer nahm ihr kleines Beil steckte die scharfe Seite in einen Spalt und stemnte einer der Holzstilen nach oben.

00:08:29: Na bitte, sagte sie, griff in das Loch und holte sechs rostige Fischkonserven zum Vorschein.

00:08:34: Eine für dich, fünf für

00:08:36: mich.".

00:08:37: Sie saßen im Schneidersitz auf dem verdreckten Küchenboden, glaubten mit den Fingern die öligen Fischstücke aus den Büchsen und lauschten auf das Donnern der Artillerie.

00:08:46: Geh lieber nach Hause!

00:08:47: Dauert nicht mehr lang, sagte die Krähenfrau zu Marlene Und Marleen zuckte mit den Schultern.

00:08:52: Bist du nicht von hier?

00:08:54: Aus dem Min.

00:08:55: Biste von da gelaufen ganz allein?

00:08:58: Ja Waren sie da schon?

00:09:00: Wer?

00:09:01: Na, die Russen.

00:09:02: Malen zogte wieder mit den Schultern.

00:09:04: Die Russen waren noch nicht in demien gewesen als sie sich losgerissen hatte und weg gerannt war.

00:09:09: Aber im Kopf ihrer mutter da waren die russen längst einmarschiert Und hatten sie verrückt gemacht so verrückt dass sie lieber sterben und ihre beiden kinder mitnehmen wollte.

00:09:18: Felssteine in den rucksack und in die pene aber malen hatte ihre schwimmhäute zwischen den fingern.

00:09:23: das starb es sich nicht so leicht.

00:09:26: Sie trank gerade den letzten Schluck Öl aus der Büchse und die Krähenfrau packte die übrigen Konserven in einen Beutel, als sie Motorengeräusche hörten.

00:09:33: Das Knirschen von Reifen auf dem steinigen Vorplatz vor dem Haus dann mehrere Männer stimmen.

00:09:39: Die Kränenfrau erstarrte, ließ den Beutelsinken, schnappte ihr Beil und zog Marlen hinter sich her – raus aus der Küche, die knarzende Treppe hoch auf der Suche nach einem Versteck!

00:09:50: Oben waren zwei Räume mit je einem nackten Bettgestell noch mehr Staub und einem alten Sessel Und in einem der Zimmer, direkt unter dem zerborstenen Dach eine große alte Holzkommode mit zwei Schubladen.

00:10:02: Die Krähenfrau zog die untere Schublade auf – los rein da und keinen Mux!

00:10:07: Und wenn sie dich finden, werd ich

00:10:09: nicht.".

00:10:10: Seitdem lag Marlene in der Schublada.

00:10:12: Sie atmete und pulte gegen das Gelächter und die dumpfen Schläge an, die aus dem Erdgeschoss zu ihr drangen nachdem die Stimme der Frau verstummt war, die zuerst noch mit den Männern in einer fremden Sprache geredet hatte.

00:10:23: Eine Weile hörte sie nur noch die Männer und schließlich wieder das Geräusch eines Motors, das Knirschen von Reifen.

00:10:29: Und dann war es ganz unkastill!

00:10:32: Marlene schob einige Finger durch den Spalt, durch den das Licht rang und versuchte die Schublade von innen aufzuschieben.

00:10:37: Erst bewegte sich gar nichts, dann vergrößerte sich der Spalt ein wenig.

00:10:41: Schließlich hatte sie die Schublade soweit aufgeschoben dass sie den Kopf heben und sich im Zimmer umsehen konnte.

00:10:47: Marlene zwängte sich aus der Kommode und blinzelte in die Frühlingssonne, die durch den Dachstuhl fiel.

00:10:52: Ihre Beine kribbelten als das Blut zurück lief – sie befühlte ihre Arme, die leere Umhängetasche vor ihrem Bauch, in der sie in den letzten Tagen Bären gesammelt hatte, ihren Voranspannung- und Erleichterungen dröhnen im Kopf.

00:11:04: Alles noch da!

00:11:05: Und als sie einen Blick zurück in die Schublade warf, konnte sie endlich sehen woran sie in Stunden zuvor herumgepoolt hatte.

00:11:12: Die Einlage aus alten Zeitungen war aufgerissen und darunter war ein kleines Bild zum Vorschein gekommen.

00:11:18: Marlene zog die franzige Leinwand heraus, kaum größer als ins Schulheft – sie hatte an einer Stelle mit dem Fingernagel die Farbschicht zerkratzt.

00:11:26: Man erkannte noch eine Frau in einem blauen Kleid, die am Fenster einer Wohnstube stand.

00:11:32: Da, wo ihr Kopf gewesen sein musste waren allerdings kaum noch Konturen als hätte eine Granate dem armen Mädchen den Kopf weggesprengt während es am Fenster stehend auf etwas wartete.

00:11:42: Auf Frieden?

00:11:43: Eine Antwort?

00:11:44: Bessere Zeiten!

00:11:45: Eine Freundin.

00:11:47: Tut mir leid dachte Marlene Ich mach's wieder gut ich reparier dich.

00:11:52: Sie steckte die kleine Leinwand in ihre Umhängetasche Atmete noch einmal kurz ein und sehr lange aus.

00:11:58: sie war fast am Ufer.

00:12:00: Dann stieg sie die Treppe hinunter ins Erdgeschoss, um nach der Krähenfrau zu sehen.

00:12:06: Manelia sagt ich repariere dich!

00:12:08: Ich hatte den Eindruck beim Lesen dieses Buchs auch in anderen Büchern das sehr oft etwas repariert werden muss.

00:12:13: Sei es Beziehung sei es ein Bild manchmal geht's gut, manchmal geht es nicht gut.

00:12:18: war das so eine Intention auch diese Reparierarbeiten sichtbar zu machen?

00:12:25: Ach jetzt gar nicht so sehr in Bezug auf das Bild, aber... Ich meine

00:12:28: ja Beziehungsbeziehung.

00:12:30: Ja klar es geht im Grunde in diesem Buch sowie in den anderen auch sehr viel um die Suche nach Familie und zu Gehörigkeit und die Abwesenheit von Familie und Zugehörigkeit und insofern stimmt es schon.

00:12:44: Es muss eine ganze Menge repariert werden oder man muss sich damit abfinden dass bestimmte Dinge vielleicht nicht repariert.

00:12:51: Lass

00:12:52: uns mal kurz bei dem Verhältnis zwischen Marlene und Wilma bleiben.

00:12:56: Wilma ist Frau eines Malers, der an der Ausfront ist zu dem Zeitpunkt oder nicht zurückgekehrt ist.

00:13:02: Marlene ist eine Weise.

00:13:04: Was gehen die beiden für eine Art von... Ist es eine Familienbeziehung?

00:13:08: Kann man das so sagen?

00:13:09: Ja ich würde schon sagen Das ist eine komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen im Grunde.

00:13:13: Also Die Krähenfrau jetzt in diesem Kapitel heißt Wilmar Engels Und die nimmt die kleine Marlene bei sich auf.

00:13:20: Und ja, die werden wie so eine Art Mutter-Tochter gespannt.

00:13:25: Wilmer ist auch Malerin und hat aber für eine Malerin etwas komplizierte Diagnose.

00:13:30: Sie erblindet nämlich langsam.

00:13:33: Auch deswegen bildet sie die kleine Marlene zu ihrer Assistentin aus, die dann immer mehr für sie mitmalen muss damit sie ihre Stellung als Staatskünstlerin, die sie nach und nach wird nicht verliert.

00:13:48: Ich hab das

00:13:48: Wort Ghostmalerin gelernt.

00:13:49: Ja,

00:13:49: genau als Ghostmalerin sozusagen und das verändert deren Verhältnis natürlich über die Zeit enorm.

00:13:57: also es geht ganz viel so um gegenseitige Abhängigkeiten und auch die Art und Weise wie man füreinander sorgt und Verantwortung übernimmt und ob man die dann eventuell wieder los werden kann oder eben nicht.

00:14:12: Konstruktionsprinzip deiner Romane ist, dass es zwei Zeitebenen gibt.

00:14:16: Ein paar mehr, aber zwei Hauptzeitebenenden.

00:14:18: Das eine ist die Jetztzeit.

00:14:19: auf die können wir später zu sprechen wenn wir über die Hauptfigur Hannah reden.

00:14:23: Harbarowski eigentlich die Hauptfigur von allen drei Romanen isst und in diesem Buch sind's die Nachkriegsjahre, Miestro aus Mestro-Fünftürzig bis Eilendsechzig und das sind DWR Jahre.

00:14:36: Wäre das nicht so... ... zu heute die Polter Beschreibung, wenn man sagen würde ist auch ein DDR-Roman.

00:14:42: Oh nee!

00:14:43: Also würde ich nicht sagen...

00:14:45: Ich dachte mir das?

00:14:46: Ja.

00:14:47: Ich bin ja nun eine richtige Wessi Braut und ich würde mich nicht anmaßen einen DDR Roman zu schreiben.

00:14:52: aber es ist eine komplizierte Familiengeschichte in der es auch um Kunst geht und um sozusagen die Produktionsbedingungen von Kunst.

00:15:03: Und das spielt tatsächlich in der Nachkriegszeit in Ostdeutschland und dann eben in der jungen DDR, aber es endet schon sehr bewusst mit dem Jahr oneinzehntzig und im Mauerbau.

00:15:12: Weil ich sozusagen auch nicht den Tanzbereich von Autoren die diese Zeit aus eigenem Erleben besser kennen als ich es hier recherchieren könnte irgendwie ins Gehege kommen wollte.

00:15:29: Wie bist du auf dieses Konstruktion gekommen?

00:15:32: Diese Zwei-Ebene-Konstruktion, diese zwei Zeitebenen.

00:15:34: Also die gibt es ja schon im ersten Buch und auch im zweiten und im Ersten Buch war ich ja noch total naiv.

00:15:39: Es war mein erster Roman und ich dachte auch das wäre doch lustig so zwei Zeitebenden.

00:15:43: Das wäre doch interessant und die wechseln sich immer ab Und habe so angefangen und dann auf der Hälfte gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist.

00:15:51: Dass es am Ende auch hinhaut, dass quasi die nicht in der einen Zeit schon Sachen passiert sind, die in der anderen Zeit aber noch keiner weiß

00:15:59: usw.,

00:15:59: also es ist dann irgendwie komplizierter in der Konstruktion als ich mir das so vorgestellt hatte und hab dann ein bisschen Glück gehabt, dass es tatsächlich irgendwie aufgegangen ist.

00:16:08: Und irgendwie hat es mich auch beim Schreiben amüsiert und unterhalten, dass ich halt immer zwischen so zwei Welten- und auch zwei Tonalitäten immer hin und her wechseln kann.

00:16:18: Dann bin ich dabei geblieben!

00:16:19: Aber wenn ich jetzt einen neuen Roman schreibe der nichts mehr mit dieser Familie zu tun hat dann werde ich das glaube ich auch mal anders machen.

00:16:26: Dreizeit eben vielleicht?

00:16:28: Mal gucken...

00:16:30: Du bist geboren im südhessischen Bad Schwalbach Was wie ich gerade gelernt habe die Goldschläger statt ist.

00:16:38: Wusstest du das?

00:16:38: Nee, ich wusste nur, dass es auch die Geburtsstadt von Jörg Fauser ist.

00:16:42: Ah, Jörr Fausern war aber Tippredakteur!

00:16:44: Genau und dass die Schwäbchenmilch daherkommt... ...aber ansonsten, nee, das wussten wir nicht.

00:16:48: Was sind

00:16:48: Goldschläge?!

00:16:49: Ja,

00:16:49: hoff' ich dich fragen zu können.

00:16:51: Ich kenne nur Baseballschläger, aber das ist glaube ich was anderes.

00:16:55: Du bist seit deinerneunzig in Berlin, was zwischendurch in Hamburg hast Journalismus gelernt?

00:17:00: an der Harnien-Annen-Schule,... ...hast für die Brigitte gearbeitet, was Chromisten für Nido, für die SZ.... Und hast du Sachbücher und auch Kindergartenmütter Bücher geschrieben?

00:17:09: Ja.

00:17:11: Deine Bücher haben immer großartige Titel, also eines von diesen Kindergärtn-Mütterbüchern... Das ist ein typisch deutsches Wort oder vier... Aufvätern,

00:17:19: also Eltern.

00:17:21: Aufväter, älter genau ja!

00:17:22: Heißt jedenfalls große Ersche auf kleinen Stühlen.

00:17:26: eine Kindergartenmutter packt aus.

00:17:29: Die großen Ersche sind natürlich die Eltern in der Elterninitiativ Kita, einige werden wissen wovon ich spreche die sich halt relativ häufig zusammensetzen müssen auf diesen kleinen Kitasstürchen um die Geschicke der Kita zu besprechen.

00:17:41: und das ist natürlich super Stoff für ja für so ein heiteres sogenanntes erzählendes Sachbuch.

00:17:47: Also ich finde da eine Titel der Grandios des Erste Buch der Trilogie heißt.

00:17:51: Ich hab's vorhin schon gesagt, ich sag's noch mal.

00:17:52: Weißt du was schön runtergeht?

00:17:54: Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht blaues Kleid.

00:17:57: Was im Buch eine Bildbeschreibung ist für ein Bild, das fehlt... ...was verscheuern ist.

00:18:04: Denkst du dieses Titel selber aus?

00:18:05: Ja natürlich!

00:18:08: Also bitte!

00:18:10: Also ich habe meinen Kolumnenband reingeschaut wo du deiner gesammeltem Kolumnin zusammengefasst hast und da hast du mal Chatchity befragt wie du es buchten denn solltest.

00:18:19: schräg ist bei raus?

00:18:20: Ja, das stimmt.

00:18:20: Deswegen frage ich für sowas und überhaupt gar nichts.

00:18:23: Ich habe tatsächlich einen Kolumnenband veröffentlicht Und ich fand es schwer weil ich jetzt auch das Gefühl habe ich hab ein bisschen den Ruf zu verlieren was Titel betrifft.

00:18:32: also ich wollte einen schönen Titel haben Und mir ist aber nicht so richtig ein guter Eingefallen.

00:18:38: Wenn man dann Leute fragt, die mit unserem Geschäft nichts zu tun haben... ...die sagen alle hier, Frette mit Chatchi Bitti!

00:18:43: Fretta mit Chachie Bitti?

00:18:45: Und dann dachte ich ja ok, dann frage ich ihn mit Chachi Bitti und habe dann Chachii Bitti gefragt.

00:18:50: Sagen wir mal hier Titel, Kolumnenbahn, sechsenvierzierige Autorin geht um Beziehung, Freundschaft, Familie, Sex, Alltagsbeobachtungen.

00:19:02: Dann hat Chachia Bitti ausgespuckt Zwischen Windeln und Leidenschaft Ansichten einer reifen Feder.

00:19:14: Und so heißt das Buch nicht, weil ich habe dann gedacht okay ja so wie ich mir schon gedacht hab, Chatchi Pity kann es halt nicht Ich muss das selber machen beziehungsweise ich muss im Zweifel halt auch selber falsch machen.

00:19:25: und deswegen heißt das buch jetzt alles muss man selbst falsch machen was ein echt putter Titel ist für mich.

00:19:31: Darauf wird Chachy Pity nie gekommen?

00:19:32: Nee, auf keinen Fall

00:19:33: Absolut nicht.

00:19:35: In der Geschichte des ersten Romans, die ich kurz zurückgehe... Ich wollte noch eine Frage.

00:19:40: Wenn du den Roman so relativ sperrig nennst, junge Frau am Fenster aus,

00:19:44: usw.,

00:19:45: hat er in der Verlag geschrien.

00:19:46: vor Freude?

00:19:47: Weil ich stell mir vor jemand kommt ein Buch laden!

00:19:49: Ich hätt dann das Buch von Wann sind wir?

00:19:50: Ich hab es mir aufgeschrieben weil kann man das nicht merken.

00:19:52: also ich habe überhaupt nicht damit gerechnet dass sie mir den durchgehen lassen den Titel.

00:19:58: Das war eigentlich mein Arbeitstitel und ganz sicher, dass ich mir einen anderen Titel, einen gefälligeren Titel würde ausdenken müssen.

00:20:04: Aber die fanden den gut im Verlag also vor allem die Verlegerin bitte?

00:20:12: Ja danke und ich glaube in Buchhandel ist es dann ja so das die Leute kommen und sagen Ich will dieses Buch mit diesem langen Titeln irgendwas mit junge Frau oder irgendetwas mit blaues Kleid und die meisten Buchhändlerinnen wissen dann schon was gemeint ist.

00:20:25: Jetzt komme ich auf die Halskettenfrage zurück.

00:20:26: Halskettenspielen beim Entstehen dieses Buch ist eine Rolle und auch später.

00:20:32: Also, ich habe gelesen dass... ...eine Kette, die du trugst sozusagen so ein bisschen mit der... ...den Impuls gab das Buch überhaupt zu schreiben.

00:20:40: Ja

00:20:41: genau ja.

00:20:41: also für das allererste Buch tatsächlich Ich hatte, ich hab' so ne silberne flitterige Heizkette Und die habe ich angehabt als ich mich mit meiner Literaturagentin Barbara Wenner unterhalten habe über was ganz anderes Und die hat mich darauf angesprochen, was das für eine tolle Kette.

00:20:56: Und dann habe ich ihr gesagt ja, die hab' ich von meiner Urgroßmutter geerbt und ganz tolle Frau, die also in den zwanziger Jahren hier in Berlin als Journalistin gearbeitet hat aber ihr Kind zurücklassen musste beim Vater in Mecklenburg und dann den Sohn von jüdischen Kunsthändlern geheiratet hat.

00:21:12: und jetzt gibt's diese Kunstrestitutionsgeschichte... ...und dann hat sie gesagt ne ist so super schreibt doch mal auf und so!

00:21:17: Und so ist dieser Roman entstanden, aber tatsächlich habe ich die Geschichte dann halt viel erzählt, also auch in Interviews zum Beispiel mit der Kette von meiner Okos-Mutter und wie das also der Startschuss für diesen tollen Roman war.

00:21:29: Und meine Mutter hat dann irgendwann gesagt, es ist totaler Quatsch was du da erzählst mit der Kette.

00:21:35: Es ist irgendein Modeschmuck niemals, ist das von deiner Okosmutter?

00:21:40: Und dann bekam deine Mutter verbot bei den Lesungen aufzutauchen

00:21:43: oder...?

00:21:44: Nein nein nein!

00:21:45: Ach so... Das ist die Welt der Literatur.

00:21:49: ob's jetzt stimmt oder nicht?

00:21:50: Who

00:21:51: cares?!

00:21:51: Du hast jetzt langsamererweise mit einem zwei Sätzen gleich den Büroman beschrieben, der tatsächlich auf deiner Familiengeschichte beruht.

00:22:02: Ist das ein Gefühl?

00:22:03: ich habe diesen Stoff?

00:22:04: Ich kann ihn irgendwann rausholen, wenn ich ihn raushole aber auch so aufbereiten dass er gut ist.

00:22:09: oder war es eher eine spontane Entscheidung als die Kette, die gar nicht die Kete war?

00:22:14: Ja also ich...

00:22:16: Die Kettenreaktion!

00:22:17: Damals ist eigentlich journalistisch lösen.

00:22:19: Ich wollte eine irgendeine Art Dokumentation oder so was daraus machen aus dieser Familiengeschichte und habe dann gemerkt, dass mir die Quellen fehlen.

00:22:27: Also ich hab außer den Erzählungen meiner Mutter und ein paar Familienanektoten und ein Paar Akten aus einem Kunstrestitutionsverfahren habe ich zu wenig Quellen um das sauber, journalistisch sauber dokumentieren oder erzählen zu können Und insofern war der Roman eigentlich die Notlösung, also die beste Notlösung, die mir je eingefallen ist.

00:22:48: Aber eine Notlörung nichtsdestotrotz, weil ich mir quasi selber die Erlaubnis geben musste mit Dinge ausdenken zu dürfen und das dürfen wir normalerweise nicht im Journalismus.

00:22:57: So ist es gekommen!

00:22:58: Dann lassen Sie mal ganz kurz über den heimlichen Hauptdarsteller oder einen der heimlichem Hauptdarstellers Buches reden, der nicht auftaucht, weil er gesucht wird – das Bild nämlich?

00:23:05: Ja.

00:23:07: Im Buch ist es vermutlich ein Vermehr?

00:23:10: Ja, vermutlich... Mutmaßlich, ja.

00:23:13: Was war's denn in echt?

00:23:15: Das weiß ich nicht, keine Ahnung.

00:23:17: Also

00:23:17: ist immer noch weg bzw hier taucht es wieder auf.

00:23:20: also wir haben gerade gehört Marlene Katz da an der Leinwand rum wo man eine junge Frau in einem Fenster stehen sieht und sie hat das Bild beschädigt und sie versucht das Bild dann zu reparieren und erinnert sich vielleicht an diese tragische Geschichte aus dieser mit diesem Jesus fresco irgendwo in Spanien Und diese ältere Dame aus der Kirchengemeinde, die versucht hat dieses Jesusfreske irgendwie zu reparieren und dann immer weiter verschlimmbässt hat.

00:23:47: So ähnlich wird das hier auch.

00:23:49: und ja also dieses Bild taucht auf und taucht dann auf eine Art auch wieder nicht auf.

00:23:58: Das ist aber gar nicht so entscheidend glaube ich ob es in seiner ursprünglichen möglicherweise mehrhaften Form überhaupt jemals wieder auftaucht.

00:24:06: Aber es wird ja durch die Schichten Marlene nach und nach immer wieder aufträgt zu einer Art gemaltter Biografie von Marlene selbst, dass ich ein sehr schönes Bild finde.

00:24:15: Genau ja also sie verschlimmbessert und irgendwann übermalt sie einfach und legt immer weitere Schichten drüber und das ist tatsächlich... Also dieses Buch hat eigentlich mit meiner Familiengeschichte wirklich gar nichts mehr zu tun bis auf die Art und Weise wie Marlene malt wenn sie für sich malt und nicht für ihre Ziehmutter nämlich mit sehr viel Ölfarbe und mit sehr vielen Schichten, die übereinander gelegt werden.

00:24:37: Und wieder runter geschliffen und gekratzt werden und dann noch mal eine Schicht drüber so dass so ne ganz pastose, reliefartige Oberfläche entsteht.

00:24:47: Ich habe einen Onkel der leider vor anderthalb Jahren gestorben ist.

00:24:50: Wolfgang Schröder hat es so gemalt allerdings sehr großformatisch und ich hab da auch wenn meine Eltern das nicht mitgekriegt haben auch immer wahnsinnig gerne ein bisschen an den Ruhm geknibbelt.

00:25:01: an dieser Ölfarbe durfte ich natürlich nicht.

00:25:05: Und so bin ich auf diese erste Szene gekommen!

00:25:07: Die zweite Kette, auf die ich noch hinaus will, trägt den Schriftzug Hoppler und sie geht zurück auf...

00:25:14: Unser aller Freund Dennis Schäck her!

00:25:17: Genau.

00:25:18: Also Dennis Schäck hat über mein erstes Buch, das auf der Bestsellerliste stand in der Woche, in der er die Billetristik besprochen hat in seiner berühmten Sendung Druckfrisch.

00:25:27: Müssen wir erklären wie er das macht oder wisst es mittlerweile alle?

00:25:30: Also er bespricht diese und ein paar Schickter tut er auf so einen Rollband in eine Retourenkiste quasi, also er kloppt sie in die Tonne.

00:25:40: Aber er klopt sich nicht wirklich in den Tonnen sondern kommt dann in die Retouernkiste.

00:25:43: Und der andere legt da auf dem Stapel.

00:25:45: und mein Buch hat er freundlicherweise auf den Stapeln gelegt und hat gesagt Hoppla Alena Schröder ist eine echte Entdeckung.

00:25:53: Das habe mich natürlich gefreut, das ist jetzt nicht so dass ich es mir nicht gefreute hätte aber dieses Hoppla Man kriegt ja von solchen Leuten Anerkennung nie ohne so eine Spur Herablassungen.

00:26:02: Und in diesem Hopla steckt natürlich schon ein bisschen Mensch, das Mädchen... Das dreinvierzigjährige Mädchen ist sehr interessant was die so macht, Hopla.

00:26:13: und dann habe ich mir eine Hopla-Kette gemacht um das so ein bisschen zu reclaimen quasi und damit ist jetzt wieder gut.

00:26:19: also Ich bin Dennis Schäck nicht graben sondern im Gegenteil hat es mir schon glaube ich Erfolg beschert auch, insofern ich kann mich nicht beklagen.

00:26:30: Das zweite Buch hieß bei euch ist immer so unheimlich still und ist auch ein besteller geworden.

00:26:35: das neue buch ist von null auf eins gegangen

00:26:46: War dann aber auch sehr schnell wieder runter von der Liste, hat nicht lange gehalten.

00:26:50: Aber es war einmal ganz oben.

00:26:53: Auf die gute Fall!

00:26:53: Was habt ihr dazu gesagt?

00:26:54: Wissen wir das?

00:26:55: Gar nichts.

00:26:56: Nichts jetzt so gesagt weil in der Woche bzw.

00:26:58: in den zwei... Es war dann drauf und in den Top Ten dann wieder runter und dann noch mal drauf.

00:27:02: Und in diesen Wochen hatte er nicht die Belletristik sondern Die Sachbuchliste besprochen unter anderem eben Eliko von Kürti und Sophie Passmann.

00:27:11: Einige haben's vielleicht mitbekommen

00:27:13: Ich hab's vergessen.

00:27:16: Fühlst du dich mit dem genre Unterhaltungsliteratur zurecht bezeichnet?

00:27:22: Ja,

00:27:22: total.

00:27:23: Weil ich finde was deine Romane zeigen die sind deswegen nicht oberflächlich.

00:27:26: Du verhandelst ja auf wirklich schwere Themen mit leichter Hand aber trotzdem Themen die auch ganz schön in die Warengrube schlagen.

00:27:34: also von Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration den Holocaust und Raubkunst haben wir schon genannt.

00:27:40: Anpassung und Aufbegehren auch eine DDR intergenerationale Traumatter Weibliche Selbstbestimmung und auch schwierige Mutter, Tochter Verhältnisse.

00:27:48: Denkst du manchmal okay wie viel mutig meine Leserschaft zu oder hast du gar keinen gegenüber beim Schreiben?

00:27:54: Ach ich habe schon so eine ungefähre Vorstellung wer meine Leser schafft ist und ich glaube dass die gerne dass sie sich freuen, wenn Sie gut unterhalten werden.

00:28:02: Insofern habe ich wirklich überhaupt gar kein Problem mit dieser Bezeichnung Unterhaltungs-Literatur.

00:28:07: Ich würde das auch selber immer so bezeichnen oder es gibt diese ganzen Unterkategorien irgendwie gehobene Unterhaltungen ab Market Entertainment whatever.

00:28:16: und ich finde, wenn man also meinen Bestreben ist, ist es tatsächlich, dass die Leute unterhalten werde, dass sie nicht unterfordert werden aber der Zugang leicht ist.

00:28:30: Das macht mir, das lese ich selber am liebsten und es macht also... Ich kann noch nichts anderes mehr.

00:28:35: Das leitet da über zu meiner nächsten kleinen Rubrik die heißt Sätze bitte!

00:28:39: Wir werden irgendwann ein Trader zu basteln aber haben wir doch nicht Schreibrituale.

00:28:44: Hast du Schreib-Rituale?

00:28:45: Festes Schreibzeiten Schreib Orte, wo du überhin gehst.

00:28:48: Ich habe jetzt wieder ein neues Büro, über das ich mich sehr freue.

00:28:50: Es ist besser wenn ich nicht zu Hause arbeite... ...ich fahre ab und zu mit Kolleginnen und Kollegen die auch schreiben in so kleine Retreats,... ...wo wir dann alle zusammen um Tisch sitzen und gemeinsam die Musen quasi anlocken.

00:29:04: Und ich brauche immer was zu fummeln.

00:29:05: also ich hab auf meinem Schreibtisch immer irgendein Fummel-Gadget weil ich meine Finger nicht gut still halten kann und das hilft mir beim Nachdenken.

00:29:14: Und meine aktuelle Fummelobsession ist kinetischer Sand, ich weiß nicht

00:29:20: ob... Oh mein Gott was ist das?

00:29:22: Menschen mit Kita-Kindern kennen das auch!

00:29:24: Das ist so Sand der aber nicht krümelt sondern der ist im Grunde der fließt so und bleibt er klebt nicht.

00:29:31: Das ist herrlich.

00:29:31: ...

00:29:34: in einer Woche das Büro aussaugen oder... Ne

00:29:36: eben nicht, weil der krimmelt nicht.

00:29:39: Sondern er bleibt sozusagen in sich irgendwie fest aber es trotzdem sandig ist total irre.

00:29:45: Kann ich sehr empfehlen, kauft euch kinetischen Sand!

00:29:48: Echt war dass du oft Notizblöcke kaufst?

00:29:50: Aber keine Notizen wachst?

00:29:51: Ja ich mache wirklich nie Notizen.

00:29:53: Ich bin gerade auf Lesereise und ich krieg wirklich von jeder netten Buchhandlung immer als Geschenk dann immer ein Notizblock geschenkt was total nett ist, aber ich mache tatsächlich nie Notizen.

00:30:03: Ich wäre aber eigentlich gerne eine Autorin die immer so Kladden anlegt von ihren Büchern und dann ganz wieder so reinschreibt und Sachen einklebt und so... Aber mach' ich irgendwie nicht.

00:30:12: Also wenn jemand über Geschenke für Alena nachdenkt, Betriebsblöcke nicht unbedingt?

00:30:15: Ich

00:30:15: hab reichlich ja!

00:30:16: Ich freu mich immer, aber wirklich...

00:30:19: Wenn ich's richtig gelesen habe in deinen Kolumnen gehört Zimmerpflanzenpflege auch nicht zu deinem Abbleckungsverfahren?

00:30:24: Nee Nee, überhaupt nicht.

00:30:26: Was ist das?

00:30:27: Ging das vom grünen Daumen schwarzer Zeigefinger?

00:30:29: Ja

00:30:29: so ungefähr.

00:30:30: Ich bin echt der wandelnde Pflanzentod eigentlich.

00:30:32: also ich bin eher für Schnittblumen.

00:30:38: Der Schicksal ist besiegelt!

00:30:39: Also da hat es dann nicht meine Schuld.

00:30:42: Auch Schnittblockspieler-Rolle im Roman.

00:30:45: Ja,

00:30:45: das stimmt.

00:30:47: Ist das jetzt die perfekte Überleitung für die nächste Lesestelle?

00:30:49: oder willst du noch?

00:30:50: Nee,

00:30:51: wäre es gewesen.

00:30:52: Aber ich versuche mein Plan der schon wieder völlig zum Fenster rausgeflogen ist eine Maße nachzuhalten.

00:30:58: Ist es sinnvoll in der Trilogie beim Schreiben des letzten Bandes nochmal die Beine davor zu lesen oder macht das Lektorat so was?

00:31:04: Ob ich die nochmal gelesen habe?

00:31:06: Ich hab an bestimmten Stellen natürlich schon nochmal geguckt Wie alt war Rüdiger genau?

00:31:16: Welches Auto hatte der noch mal, wie hieß sein Freund in den USA?

00:31:19: Solche Sachen habe ich schon nochmal nachgeguckt.

00:31:21: Also ich lese speziell die anderen Titel rein und ansonsten sind sie mir sehr präsent.

00:31:25: Ich hab sie jetzt nicht von A nach B durchgelesen.

00:31:28: Das ist ein Mittel gegen Schreiberkarten.

00:31:32: Pause machen und ins Museum gehen oder eine Ausstellung

00:31:35: oder das

00:31:36: Kino.

00:31:36: Das schlechteste Mittel?

00:31:37: Das schlechtste Mittel, keine Pause machen und verzweifeln.

00:31:40: Und vorm leeren Blatt sitzen... ...und sich selber hassen und Schuldgefühle haben.

00:31:45: und ja.

00:31:46: Reden wir ein bisschen über Berlin, über die Literatur-Szene.

00:31:49: Ich habe es in der Rubrie genannt Literaturbubble Gum.

00:31:54: Geht man untereinander auf Lesungen der Kollegen und Kollegen?

00:31:59: Ja doch!

00:32:00: Doch ab und zu ... sollte man ja eigentlich.

00:32:04: Oh Gott, jetzt fragt mich nicht auf welche Lesung ich zuletzt war.

00:32:08: Fällt mir gar nicht ein!

00:32:09: Aber doch es gibt ja eine ganze Menge.

00:32:12: Und so Lesungen, Sommerfeste, LCB?

00:32:14: Jetzt kommt ja wieder die Zeit wo man so schön am Wannsee die Zeit vergehen kann...

00:32:17: Ja weil ich auch schon mal, das ist jetzt eilbar wenn ich das so sage, wenn ich hier oben sitze und mit dir rede Ich bin eigentlich ziemlich schüchtern.

00:32:24: Und ich bin nicht so gut auf so Branchen-Events.

00:32:27: Also ich hab dann immer das Gefühl, ich müsste da mehr ... mingeln und Leute kennenlernen und so.

00:32:31: Und ich bin dann eigentlich immer ein bisschen verzagt, also es ist jetzt nicht so, dass mich total hinzieht zum RCB-Sommerfest, obwohl ich weiß das toll ist.

00:32:40: Aber das ist wirklich mein Defizit und hat nichts mit all den anderen zu tun.

00:32:44: Wie ist denn die Berliner Literatenszene so untereinander?

00:32:47: Ist sie gut miteinander?

00:32:49: Also die, die ich kenne finde ich alle toll.

00:32:53: Ich habe einen sehr lieben Kollegen mit dem ich auch regelmäßig zusammensitze und schreibe zum Beispiel... ...und ansonsten ist sie glaube ich ziemlich fragmentiert.

00:33:00: also ich glaube es gibt so mehrere Bubbles,... ...die sich auch nicht immer unbedingt so gegenseitig kreuzen.

00:33:06: Dafür ist die Stadt glaube ich zu groß und die Bedürfnisse sind so unterschiedlich.

00:33:11: Ein anderer schöner Titel aus deinem Envoir ist der das Podcast, die du mit Retter machst?

00:33:17: Ja!

00:33:18: Der ist sexy und bodenständig.

00:33:20: Ja, genau!

00:33:21: Wo kommt dieser wunderbare Titel her?

00:33:23: Er ist

00:33:24: nicht von Chatshipiti, ne?

00:33:25: Nee.

00:33:25: Auf keinen Fall!

00:33:26: Wie keiner meiner Titel.

00:33:28: Der stand aus einem Drehbuch... Also das Kindergarten-Huch große Ärsche auf kleinen Stühlen sollte eigentlich mal verfilmt werden und dazu gab es ein Drehbuch von Malte Weldingen.

00:33:40: Hat der nicht auch mal für einen Tipp geschrieben?

00:33:42: Ich meine aber es war

00:33:43: vor mir eine Sorge.

00:33:43: Egal jedenfalls er hat ein Drebuch dazugeschrieben und der hat darin eine Kita-Erzieherin die da vorkam charakterisiert ... ausschließlich mit, sie ist sexy und bodenständig.

00:33:56: Und das fand ich erst mal total schrecklich ehrlich gesagt... ...und dann aber auch wieder brillant weil es so knapp und präzise man hat die sofort vor Augen... ...sexy und bodendständig.

00:34:04: eine Kita erzieher in die sexy und bodenständige ist.

00:34:06: Man weiß sofort wie die aussieht, man weiß sofort was ein Sport die macht, man weiss sofort was für ein Joghurt die isst.

00:34:12: Also irgendwie in seiner Knappheit sehr präziße und wie gesagt irgendwie toll aber auch grauenhaft Und deswegen heißt der Podcast so.

00:34:22: Also meine erste Gedanke war ja, als ich das gelesen habe, sexy und bodenständig wäre es weh?

00:34:26: Ja,

00:34:27: das fragen natürlich viele.

00:34:28: aber wir sind beide beides oder nichts davon.

00:34:34: Es ist ein Entlastungspodcast für AutorInnen.

00:34:37: Was ist ein Erlassungspodcast?

00:34:39: Ich glaube dass... also deswegen ist lustig, dass du eine Literatur Szene fragst.

00:34:43: Ich glaube, dass der Job per se sehr einsam ist und dass viele Leute sehr vereinzelt da sitzen und an ihren Sachen arbeiten und sich mit den Menschen beschäftigen, die sie sich selber ausdenken.

00:34:54: Und Till und mir hat es irgendwie sehr gut getan ab und zu drüber zu sprechen was wir so machen.

00:35:00: also für uns beide war's entlastend miteinander zu quatschen über das was wir gerade schreiben oder was grade nicht so gut läuft oder wie wir uns fühlen dabei oder wie macht man das eigentlich mit Dialogen usw.

00:35:11: Dann dachten wir vielleicht ist ja auch für andere interessant unentlastend.

00:35:16: die Rückmeldung zeigen, dass sich doch viele davon entlastet fühlen.

00:35:20: Dass auch andere Leute, die sogar einigermaßen etabliert sind in diesem Betrieb an vielen Dingen scheitern oder damit hadern und sich immer nicht so sicher sind.

00:35:32: Und manche schlafen einfach gerne dazu, weil sie finden das wir schöne Stimmen haben.

00:35:36: Mittlerweile gibt es die ersten Stammhörerinnen, die selbst Romane schreiben.

00:35:41: Hörte ich Lilli Teukin?

00:35:43: Ja, stimmt.

00:35:43: Lidytolkin!

00:35:44: Mit

00:35:44: beiden Händen den Himmel stützen?

00:35:46: Ich glaube ich

00:35:46: gar nicht so alt.

00:35:48: Nee, es ist glaube ich jetzt im Januar auch rausgekommen.

00:35:50: Ein richtig toller Westberlin-Roman.

00:35:53: Zill hat lange Westberliner gelebt und lebt jetzt in Hamburg.

00:35:55: Du warst mal in Hamburg bis jetzt in Berlin.

00:35:58: Wie geht's denn der literarische Achse bei den Hamburgs so?

00:36:02: Ach, ich glaube ganz gut.

00:36:03: Ich glaube zum Beispiel in Hamburg ist die Literatur-Szene ein bisschen kompakter.

00:36:07: Die haben auch extrem gute Literaturförderung muss man sagen.

00:36:10: also da wird extrem viel für die Autoren vor Ort möglich gemacht an Stipendien und Möglichkeiten sich zu finanzieren usw.

00:36:20: Und sich zu organisieren.

00:36:22: Also ich glaube die Achse ist gar nicht so schlecht.

00:36:24: Mitwillig hast du auch mal vor einer Weile schon bei der Süddeutschen beim SZ Marazin eine Kolumne gemacht.

00:36:30: Wiederschöner Titel, nackte Zahlen hieß?

00:36:32: Ja der ist nicht von mir der Titel aber auch trotzdem schön.

00:36:35: Und es ist eine Sex-Kolumne.

00:36:37: kann man das so sagen?

00:36:38: Es war eine Sexkolumne aber in der es gar nicht so viel um Sex ging an sich sondern eher so um quasi Zahlen beziehungsweise so Umfrageergebnisse.

00:36:50: also keine Ahnung, dreiundachtzig Prozent der deutschen Träume von Sex im Fahrstuhl oder sowas gibt ja alle möglichen Umfragen zum Thema Sexualität und daraus haben wir dann irgendwie quasi eine lustige Glosse oder so gemacht im Wechsel.

00:37:02: Und das ist natürlich super, weil jetzt kann ich immer überhaupt nicht hatte mal ne Sex-Golumne.

00:37:06: Ja mir ist mal ein Text in die Hände gefallen.

00:37:08: da geht es um potenzielle Dating Trends wie Linderring, Scholzing, Öztemiering?

00:37:13: Ja

00:37:14: langes Zehr

00:37:15: ja!

00:37:15: Also ich dachte so wie schmutzig kann das Sex-Klunde sein aber...

00:37:19: Ja richtig dreckig!

00:37:20: Richtig dreckiger.

00:37:22: Dann lass uns mal eine zweite Stelle aus dem Buch hören und wir gehen jetzt in die Jetzzeit des Jahres.

00:37:29: Das ist das erste Buch, wo das jetzte Jahr auch benannt ist.

00:37:33: Hier hast du über den Kapitel Überschriften das Jahr reingeschrieben.

00:37:39: Ich will die mit einem bei anderen beiden Büchern nicht, aber es kann jetzt... Doch!

00:37:42: Aber doch habe ich glaube ich?

00:37:43: Da hab' ich

00:37:43: ignoriert.

00:37:43: Aber macht ja nix.

00:37:45: Das macht den Leuten die Orientierung leichter.

00:37:47: also wir sind in Berlin im Jahr zwanzig dreiundzwanzig und jetzt geht's um Hanna Borowski und unter anderem auch im Schnittblumen.

00:37:55: Jedes Jahr an Silvester schrieb Hanna sich eine Liste mit Vorsätzen und weil sie weder rauchte noch besonders viel Trank keine sportlichen Ziele hatte und ihren Körper mochte Landeten auf dieser Liste immer dieselben beiden Dinge, Blutspenden gehen und Nein sagen lernen.

00:38:11: Das mit dem Blutspendem hatte sie für dieses Jahr schon erledigt.

00:38:15: Hatte sich gefreut als die Krankenschwester ihre Wähnen und ihre seltene und deshalb begehrte Blutgruppe lobte, hatte das Snackpaket weggesnackt und den Kugelschreiber mitgenommen und sich wertvoll und erhaben gefühlt.

00:38:27: Aber beim Nein-Sagen verkackte sie weiterhin.

00:38:30: Da war sie auch in diesem Jahr noch keinen Schritt weitergekommen und deshalb wuchtete nun Justus, der Neffe ihrer Kollegin Ulrike fünf Umzugskisten und eine brettarte Futonmatratze in ihre Wohnung.

00:38:42: Nur für den Übergang.

00:38:43: Hannah ist es so schwer was zu finden und sein Semester fängt an – er weiß einfach nicht wohin!

00:38:48: Ulrike hatte Hannah so flehend angeschaut und über den Schreibtisch hinweg nach ihrer Hand gegriffen Und wenn Ulrike die liebe, liebe Ulrike einen so ansah dann war man machtlos.

00:38:58: Sie hatte diesen weitwunden, verwaschenen Blick einer Frau, die es immer allen recht machen wollte und dafür nichts als Undank erntete.

00:39:06: Die immer Kuchen für alle im Büro backte und sich als einzige von Herzen auf die Weihnachtsfeier freute – immer ein bisschen so nah am Wasser gebaut, immer einen Hauch zu beflissen!

00:39:15: Und bevor Hannah eingefallen war, dass Ulrike in ihrem kleinen Häuschen im Lichterfelde sicher ein Gästezimmer hatte, indem ihr Neffe Justus vermutlich auch hätte unterkommen können.

00:39:25: Hatte sie eher gut in Ordnung aber echt nur für den Übergang gesagt.

00:39:29: Du hast so keine Hafermilch da?

00:39:31: Meine Freundin kommt gleich noch vorbei!

00:39:33: Justus hatte nach der Schlepperei geduscht und stand nun barfuß- und in Boxershorts, in Hannas Küche.

00:39:39: Die Haare zu einem kleinen Männerdutt geknotet und Staate enttäuscht im Hanskühlschrank.

00:39:44: Er fühlte sich offenbar schon sehr Zuhause.

00:39:47: Ne es alle aber ich wollte eh noch einkaufen, hörte Hanna sich sagen Und am liebsten hätte sie sich auf dem Weg zum Supermarkt permanent geohrfeigt.

00:39:55: Was war das denn jetzt?

00:39:57: Was glaubte dieser Justus wie dass hier laufen würde Dass er im Hotel gelandet war?

00:40:02: Eigentlich hätte Hannah gleich stutzig werden müssen, als er sich ein paar Tage zuvor das Zimmer angesehen hatte.

00:40:07: In einem T-Shirt mit der Aufschrift This Is What A Feminist Looks Like.

00:40:13: Wer zog sowas an?

00:40:14: Wer musste per Kleidungsstück kundtun, dass er Frauen für gleichwertige Wesen hielt?

00:40:18: Von einer Freundin war auch nie die Rede gewesen und dass sie jetzt tatsächlich zum Supermarkt taperte, um dem feinen Herrn die passende Kuhmilch-Alternative zu besorgen.

00:40:26: Das wäre schon wieder eine sehr gute Anekdote für ihren Therapeuten gewesen, zudem sie eine Weile gegangen

00:40:32: war.".

00:40:33: Jedes Mal vor der wöchentlichen Sitzung hatte sie sich ein paar gute Geschichten bereitgelegt, so typische Hanna-Stories vom Nicht-Nein sagen können.

00:40:40: Sie wollte den Mann nicht langweilen, der sonst sicher tragischeres aufregenderes Geboten bekam – was hatte sie da schon vorzuweisen außer einer Mutter die an Krebs gestorben war als Hannah gerade Abi gemacht hatte?

00:40:51: Einem Vater, der nichts weiter als ein Erzeuger gewesen war?

00:40:55: Einer toten Großmutter, ein paar verkorksten Beziehungen und Affären ab und zu einer depressiven

00:41:00: Verstimmung?".

00:41:01: Aber eine Kindheit hatte nun mal jeder.

00:41:03: Jeder verliert seine Eltern irgendwann, die Großeltern sowieso.

00:41:06: und was die Liebe anging waren alle ihre Erfahrungen vermutlich recht durchschnittlich, durchschnittlich gut und durchsnittlich schlecht.

00:41:13: nichts Traumatisches.

00:41:14: sie hatte ein Dach über dem Kopf keine Geld sorgen einen Job der sinnvoll war und Spaß machte.

00:41:19: da gab es doch wirklich keinen Grund für diese Lehre in ihr.

00:41:23: komm mal klar Hanna.

00:41:23: kommen doch endlich endlich mal klar.

00:41:26: im Supermarkt kaufte sie Hafermilch ein eingeschweißtes Steak Ketchup und eine Tüte geriffelte Backofen-Pommes.

00:41:32: Seit Ruby ausgezogen war, hatte sie keine Lust mehr auf aufwendiges veganes Kochen – dafür richtig Appetit auf Kinder essen!

00:41:40: Pommes, Hamburger, Fischstäbchen mit Kartoffelbrei... Für Justus mit zu kochen, würde ihr nicht im Traum einfallen.

00:41:45: Schlimm genug, dass sie ihm gleich seine Hafermilch credenzen würde.

00:41:49: Den ganzen Weg zurück in ihre Wohnung fehlte Hannah im Kopf an einer kleinen Ansprache die sie Justus halten wollte.

00:41:55: Dass er sich nicht einzubilden brauche, sie würde jetzt immer springen wenn er irgendwas wolle.

00:41:59: Dass ich ihn nicht vorhabe hinter ihm herzuräumen.

00:42:02: Sie sei hier nicht die Herrbergs-Mutter!

00:42:04: dass er sich seine verdammte Hafer mich selber besorgen und seinen Kram selber aufräumen solle, das dies wirklich nur eine Übergangslösung sei.

00:42:11: Ein Gefallen den sie einer Kollegen tue ein gefallen den Sie im Grunde schon

00:42:15: bereute.".

00:42:17: Hannah schloss die Wohnungstür auf und hörte durch die geschlossene Tür von Rubies Zimmer –das nun Justuszimmer war– lautes Gekicher untermalt vom schmalzigen Gitarrenpop Ah, Justi das Kitzelt!

00:42:28: kwiegte eine Frauenstimme und Hannah zog sich geräuschvoll die Schuhe aus, marschierte in die Küche und machte die Tür etwas laut dazu als nötig gewesen wäre.

00:42:37: Justi?

00:42:38: Du lieber Himmel.

00:42:39: Wenn doch nur Ruby jetzt hier am Küchentisch sitzen würde und sie gemeinsam darüber lachen

00:42:43: könnten.".

00:42:44: Je länger sie an ihre Freundin dachte, desto klarer hörte Hannah Rubie Stimme in ihrem Kopf.

00:42:49: Sie wusste genau was Ruby zu all dem sagen würde – sie würde sagen, warum hast du nicht nein gesagt,

00:42:54: Hannah?!

00:42:55: Du bist selber schuld.

00:42:57: Und jetzt mach halt das Beste draus, für die paar Wochen, die dieser Justus bei dir wohnt.

00:43:01: und wenn du ganz ehrlich bist, Hannah hat dich diese Justi gar nicht zum Milch holen geschickt!

00:43:05: Du hast es ihm selber angeboten, du hast es ihn geradezu aufgedrängt.

00:43:09: also keinen Grund hier so eine Hasskappe zu schieben... ...und schau mal der riesengroße Blumenstrauß den er dir hier auf dem Küchentisch gestellt hat Das ist schon nett oder?

00:43:18: Ich meine wann habt ihr das letzte Mal irgendwer Blumen gekauft?

00:43:21: Hey da bist du ja voll lieb von dir mit der Hafermilch.

00:43:24: Das is mir Mir, das ist Hannah.

00:43:26: Meine Mitbewohnerin.

00:43:27: Justus und seine Freundin standen eng um Schlungen in der Küchentür Beide in Boxershorts beide mit rotem Wangen und verwuschelt im Haar.

00:43:37: Machst du mir einen Kaffee Justi?

00:43:39: fragte Mia mit einer Baby-Stimme die Hannah sofort Gänsehaut bescherte.

00:43:44: Mache ich Babe?

00:43:45: Justus gab Mia einen Kuss auf den Scheitel Und schaute Hannah fragend an Siebträger hast Du nicht oder?

00:43:51: Eine French Press vielleicht?

00:43:55: «Ne, hab nur die hier», sagte Hannah und zeigte auf die Espressokanne, die seit Jahren auf ihrem Herd stand.

00:44:00: Und danke für die Blumen habt ihr gerade erst gesehen!

00:44:03: Der Blumestraus auf dem Küchentisch war gigantisch – richtige Wetten.

00:44:07: das.

00:44:07: Blumen hatte ihre Großmutter Evelyn dazu gesagt, halb anerkennend, halbs spöttisch… viel zu groß.

00:44:13: Hannah hatte gar keine passende Vase deshalb hatte Justus sie in den blauen Putzeimer gestellt.

00:44:18: Die?

00:44:18: Die sind nicht von mir, sagte Justus, während er Hannas Espressokane auseinanderschraubte.

00:44:23: Ich kaufe keine Schnittblumen, sind halt sterbende Pflanzen aus Qualzucht.

00:44:27: Der hat so ein Typ hier

00:44:28: abgegeben.".

00:44:29: Was für'n Typ!

00:44:30: Keine Ahnung bis hin älter vielleicht?

00:44:32: Also pff no Judgment.

00:44:33: von meiner Seite ist ja nichts einzuwenden gegen so einen Altersunterschied.

00:44:36: You do you.

00:44:37: Hat er seinen Namen

00:44:39: gesagt?".

00:44:40: Ne, er hat nach dir gefragt sich hier kurz umgesehen und nen Zettel für dich geschrieben liegt da unterm Eimer glaub ich.

00:44:46: Justi machst du mir n Schaumie?

00:44:48: fragte mir wieder mit Babystimme, Schmollmund und Hundeblick.

00:44:53: Justus sah Hannah fragend an.

00:44:55: Milchschäumer?

00:44:56: Hab ich nicht, sagte Hannah tonlos.

00:44:59: Die Espressokanne auf dem Herd röchelte den Kaffee hoch und Hannah sah wie Versteiner zu als Justus zwei Tassen aus dem Küchenschrank nahm ihre und Rubies Lieblingstassen die mit dem dünnen Rand eine Rosa, eine Gelb.

00:45:12: Sie sah zu, wie Justus den Kühlschrank öffnete.

00:45:14: Hafermilch und Kaffee in beide Tassen schüttete und dabei kleckerte sie bis sich auf die Lippen als ihr klar wurde dass er nicht vor hatte die verschütteten Milch von der Arbeitsplatte zu wischen.

00:45:24: Und als Justus und Mia mit ihrem Kaffe ohne Schaumie wieder in Justus Zimmer verschwunden waren gingen sie zum Tisch hobt den Eimer mit dem viel zu großen Angeberblumenstrauß an.

00:45:35: da lag tatsächlich ein zusammen gefalteter Zettel.

00:45:38: Hallo Hanna!

00:45:39: Da fehlte ein Haar.

00:45:41: Schade, dass wir uns verpasst haben.

00:45:43: Ich komme einfach nochmal vorbei oder du meldest dich würde mich freuen.

00:45:47: hier meine Nummer Dann eine Telefonnummer und darunter die Unterschrift Martin in Klammern Papa.

00:45:55: Also ich habe ja vorhin das Zitat der Literatur über Frauen etwas provokativ reingeschmissen.

00:46:03: Jetzt kommen die Männer ins Spiel.

00:46:05: Ja

00:46:05: Beginnen wir mit Justi?

00:46:07: Ja

00:46:09: Was hat sich denn da bei dir ausgetobt?

00:46:11: Ach, ich wollte schon immer mal so ein ... Es bietet sich halt einfach total an.

00:46:15: So einen performativen Malefeminist irgendwie so ein bisschen parodistisch da auftauchen zu lassen.

00:46:22: Ich find's immer gut wenn es so Männer gibt die Hannah total auf den Geist gehen weil das ... Es gibt ja auch eine ganze Menge wirklich schwierige und tragische Seiten in diesem Buch Und das ist dann halt so'n bisschen Comic Relief der nervt halt wie Sau und kriegt er dann am Ende kriegt aber schon noch so'ne bisschen die Kurve.

00:46:39: Nein, nein.

00:46:41: Aber der hat schon auch so seine Aufgabe in dem Buch.

00:46:44: Insofern ich habe den schon auch lieb!

00:46:47: Wir haben uns mal darüber unterhalten dass die erst gesagt wird... ...in deinem Buch handelt von Frauen, die die Handlung vorantreiben und die Männer sind entweder Idioten oder Krimsachen nicht gebacken?

00:46:58: Ja der Vorwurf ist eigentlich das eigentlich keine Männer vorkommen Und das stimmt halt definitiv nicht.

00:47:02: Ich habe wirklich durchgezählt und es sind genauso viele Männer wie Frauen in dem Buch, aber die Männer stehen nicht im Zentrum der Geschichte.

00:47:08: also die kommen vor und es gibt ganz ganz tolle Männer in meinen Büchern.

00:47:12: Fantastische Kerle!

00:47:14: Es gibt ein paar schreckliche Männer in meinem Bücheren wie im echten Leben halt auch.

00:47:18: Ihr schaut ja ab und zu mal Nachrichten, ihr habt's vielleicht mitbekommen... Aber ich glaube dass unsere Lesegewohnheiten so sind bei mir ja auch, dass wir so daran gewöhnt sind, dass Männer im Zentrum von der Geschichte stehen oder halt als sozusagen als Retter in Erscheinung treten.

00:47:35: Oder auf jeden Fall die Handlungen in die entscheidende Richtung biegen und so weiter.

00:47:40: Wenn das nicht der Fall ist und wenn es einfach eine Geschichte ist, in der Frauen im Zentren stehen und die Handlung vorantreiben, dass gleich den Eindruck kamen, die Männer kommen gar nicht vor?

00:47:50: In deinem Buch ist es so und in deinen Büchern, dass die Frauen so eine Art Lebensergeiz haben häufig.

00:47:55: Also will man die Malerin Marlene Silvia?

00:47:59: Die Mutter von Hannah auch, die auch sehr spannender Charakter ist.

00:48:03: Nur Hannah ist irgendwie eine, der eher das Leben so passiert.

00:48:06: Ja, Hannah ist ein bisschen verloren.

00:48:08: Das stimmt.

00:48:09: Schöne Beobachtung!

00:48:10: Hannah ist so ein bisschen verlorend und sucht glaub ich... Ist

00:48:12: die Hauptfigur?

00:48:15: Ja klar.

00:48:17: Sie ist die Hauptfigur und hat aber einfach ihren Platz noch nicht so richtig gefunden Und all diese Frauen in ihrem Leben sind ja auch alle nicht mehr da.

00:48:25: Also sozusagen ihre Mutter hat sich früh verloren.

00:48:27: Die Großmutter, die auch ne wichtige Figur für sie war, ist eben auch gestorben Und sie selber hat einfach noch nicht so richtig das gefunden, was sie wirklich umtreibt.

00:48:36: Aber ich glaube weil da eben auch so wenig Halt ist für Sie.

00:48:39: Deswegen sucht sie ja so dringend nach der Geschichte dieser Frauen Nach diesen verlorenen Bildern, nach Zugehörigkeit, nach Familie.

00:48:46: Jetzt taucht hier plötzlich der Vater wieder auf Der eigentlich all die Jahre überhaupt nichts von ihr wissen wollte.

00:48:50: und sie muss sich halt fragen Was will er jetzt plötzlich?

00:48:53: Und will ich das eigentlich?

00:48:56: Also das sind halt die Gedanken, die sie sich so macht.

00:48:58: Und sie ist tatsächlich vielleicht von allen Frauen... ...die traurigste und verlorenste.

00:49:04: Aber ich glaube, die kriegt in dem Buch auch noch fast die Kurve.

00:49:09: Sucht Sie in der Vergangenheit Dinge, die Sie da gegenwarten?

00:49:11: Ich finde es.

00:49:12: Sie arbeitet bei der NGO und hat mal eine ziemlich desaströses Date an der Anker-Klausel.

00:49:17: Wer kennt's nicht!

00:49:21: Also ist Hannah ne Frau, die irgendwie nach Berlin

00:49:22: gehört?!

00:49:24: Ah ja, gute Idee.

00:49:25: Gute Frage!

00:49:27: Also ich... Ja vielleicht schon.

00:49:29: Ich glaube das ist eine ganze Menge Frauen, wie Hannah in Berlin gibt und ich bin auch ein bisschen wie Hannah an meinen schlechten Tagen.

00:49:38: Also dieses Nicht-Nein sagen können und gleichzeitig sich aber auch nirgendwo so richtig committen können uns ein bisschen durch diese Stadt getrieben sein ohne so richtig irgendwo anzukommen.

00:49:53: gingen mir auch eine ganze Weile so, also jetzt nicht mehr.

00:49:56: Aber ich kann dieses Lebensgefühl und gerade dieses Einsteigen in den Beruf noch nicht so richtig wissen.

00:50:03: wo geht es eigentlich hin?

00:50:03: Was ist mit der Beziehung, will ich eigentlich Kinder oder nicht?

00:50:06: Das ist ja ein Thema... Ich habe das Gefühl vor allem in Berlin junge Frauen und junge Männer bis weit in die späten Fünfziger umtreibt!

00:50:16: Und dann

00:50:19: wird es schwierig erst.

00:50:20: Ja,

00:50:21: für die einen ja, für den anderen nicht.

00:50:23: Wann hast du begonnen dich selbst als Schriftstellerin zu fühlen?

00:50:27: Ich sage mal ich bin Autorin weil Schriftstellerin immer so hochgestochen, obwohl es eigentlich viel handwerklicher klingt aber es klingt irgendwie so aufgeladen und manchmal übe ich das beim Arzt wenn ich gefragt werde was ich beruflich mache.

00:50:46: Aber ich würde immer sagen, ich bin Autorin.

00:50:47: Wann habe ich mich das erste Mal so gefühlt?

00:50:49: Keine Ahnung.

00:50:51: Ja vielleicht wirklich mit dem ersten Roman tatsächlich und dass der irgendwie erfolgreich war und Leuten gefallen hat da vielleicht.

00:51:00: Hast du Lampenfieber?

00:51:03: Ich hab immer Lampenfieber.

00:51:04: Meinst du wenn die Bücher erscheinen oder auf der Bühne?

00:51:07: Ich meine eigentlich ja auch die Bühnen aber wo sind beides?

00:51:09: Also bevor die Bücher erscheinen, habe ich irres Lampenfieber und hab auch richtig Angst.

00:51:14: Also so Ängste dass es alles doof ist oder das ich total dumme Fehler gemacht habe und mich dann keiner mehr liebt hat und wenn sie da sind... dann geht das relativ schnell weg.

00:51:26: und auf der Bühne habe ich so bei den ersten zwei, drei Lesungen die ich alleine mache ohne einen charmanten Moderator wie dich jetzt an meiner Seite.

00:51:33: Da hab' ich überhaupt keinen Lampenfieber!

00:51:35: Aber also die erste Mal wenn ich ganz allein auf der bühne sitze und verantwortlich bin dass Menschen eine Stunde lang irgendwie Spaß haben.

00:51:41: da hab' Ich Lampenfieber aber danach zum dritten und vierten mal auch nicht mehr.

00:51:45: Im ersten Roman gibt es ein Germanistik-Professor Andreas Onthausen mit dem handelnde Affärat Der gegen Lampfiebers den Trick bekommt Anführungszeichen, sich das Publikum nackt vorzustellen.

00:51:58: Ist

00:51:59: in seinem Fall halt doof weil da sitzen immer junge Frauen und er ist halt ein geiler alter Sack so insofern.

00:52:06: Seine Attattive ist dann sich seine Eltern zwischen den Schlitten vorzustellend?

00:52:09: Ja

00:52:09: genau.

00:52:10: Irgenden Trick von denen die du für dich angenommen hättest?

00:52:14: Nee also es mit dem Nackt vorstellen.

00:52:18: Das mache ich nicht!

00:52:19: Wir sehen nicht so viel, es ist relativ dunkel von uns aus gesehen.

00:52:22: Ach ich glaube mein Trick ist dass ich mich immer daran erinnere das die Leute die zu so einer Lesung kommen die wollen mich ja nicht scheitern sehen also sie kommen hier nicht um mich auszulachen sondern die wollen ja dass wir das alle zusammen irgendwie gut über die Bühne kriegen und die sind ja da.

00:52:35: also und wir machen das ja irgendwie zusammen.

00:52:37: und ich glaube wenn ich daran denke dass ja niemand kommt der mir böses will dann geht's eigentlich meistens und gute Vorbereitung.

00:52:43: als ich versuche gut wie möglich vorbereitet sein.

00:52:47: Kommen wir zur nächsten Rubrik.

00:52:48: ... an der Seitenlinie eine liebste Nebenfigur.

00:52:51: Ja.

00:52:52: Über wen möchtest du reden?

00:52:53: Ich habe einen Wunsch gehabt, aber gut.

00:52:54: Ja, ne sag' du!

00:52:55: Also die Haushälterin Brügel, die hält in der ... ... frühendseitebene dieses Forsthaus zusammen sorgt dafür das Essen auf den Tisch ist... Sie war das Kindermädchen von dem Maler John,... ... der, können wir es verraten?

00:53:11: Ja, er kommt zurück aus dem Krieg und das macht natürlich Ärger.

00:53:14: Genau.

00:53:15: Und sie hat die Eigenschaft dass sie mit Bäumen spricht und auch mit dem Haus spricht.

00:53:20: Und das Haus spricht durch sie, sowieso wird das Haus zu einem Akteur ein sehr interessanten Dreh fand.

00:53:27: Ja danke, freut mich!

00:53:28: Das ist eigentlich meine Lieblingsfigur in diesem Buch.

00:53:32: Ich habe ganz oft so Nebenfiguren die dann so ein bisschen meiner heimlichen Hauptfiguren sind... Gut ist, weil die müssen ... Die haben nicht so viel Plottverantwortung.

00:53:40: Die können einfach nur irgendwie interessant sein.

00:53:42: Ja, die alte Haushälterin Burgel und das ist eine Frau, die ist halt ein bisschen im Dazwischen unterwegs also die hat so ganz feine Antennen.

00:53:50: Und die weiß immer Dinge bevor alle anderen sie wissen, die versteht Dinge, die alle andere nicht verstehen, die hat einen guten Kontakt zu den Geistern und zu den Tieren und zum Wald und zur Natur und eben auch zu dem Haus dass sie, weil sie die Haushältern ist in wahrsten Sinne des Wortes hält also zusammenhält.

00:54:08: Wie gesagt, ich fand dieses Haus selber zum Leben erwacht als es im Haus Spannungen gibt diese Spannung durch Klänge dann zum Ausdruck bringt.

00:54:20: das war sich eine starke Figur eigentlich.

00:54:23: wie kamst du dazu?

00:54:25: Oder einfach bei dir in der Altbau?

00:54:28: Ich weiß nicht so genau, aber wenn ich das immer so genau wüsste wie ich dazu komme dann wird es beim nächsten Mal viel leichter werden.

00:54:35: Ich weiß es auch nicht so genauso.

00:54:36: Es passt sehr gut zu dieser Figur die halt sozusagen diese Atmosphäre so gut lesen kann.

00:54:46: und wenn in einem Haus in dem Menschen aus unterschiedlichen Gründen zusammenleben müssen, auch wenn es untereinander große Spannungen gibt und Ängste- und Schuldgefühle.

00:54:58: Und auch Wut und Hass

00:54:59: usw.,

00:54:59: dass das in diesem Haus eine bestimmte Vibration auslöst und dass jemand der so feine Antennen hat wie die Burgel – obwohl sie eine ganz ungebildete Frau eigentlich ist -, dass dieses quasi spürt, dass dieses Haus unter Spannung steht wortwörtlich.

00:55:15: Das fand ich irgendwie sehr plausibel!

00:55:17: Es gibt ja solche Menschen, also viele von uns sind vielleicht mal solchen Leuten begegnet wo man das Gefühl hat oh die wissen ein bisschen mehr als andere.

00:55:25: Die werden oft unterschätzt solche Leute und ich glaube es gibt auch solche Orte die so eine Atmosphäre haben, die man spüren kann.

00:55:32: Dieses Forsthausen-Güsteroß spielt ja schon im ersten Moment eine Rolle.

00:55:36: Ist es eigentlich ein Zufall dass dieses Haus mit den seismografischen Antennen dies für Beziehungen hat adoptiv Muttertochterbeziehung hervorbringt die auf einer Art zu funktionieren scheinen?

00:55:47: Also im ersten Roman ist es Trude, die Schwererin von Hannas Urus-Urusbutter Senter.

00:55:52: Die mit Senders Tochter Evelyn dort lebt und gut zusammenlebt.

00:55:56: Und dem neuen Roman will man mit die Marlene aufnimmt, die auch lange Zeit ein produktives Verhältnis zueinander haben und auch eine Zuneigung haben während Muttertochterverhältnisse also biologische Linie oft eher... Fragier sie, nicht funktionieren.

00:56:12: Was macht dieses Haus

00:56:13: so besonders?

00:56:14: Also ich will deine These nicht zerstören aber es sind tatsächlich zwei unterschiedliche Häuser.

00:56:19: Das macht aber nichts!

00:56:20: Aber das war hier die Frage ein bisschen nach der sozusagen den Mutter-Tochter Beziehung.

00:56:25: Ich glaube dass die immer kompliziert sind weil es besonders nahe Beziehungen sind und die sind besonders... also Mutter und Tochter Beziehungen sind immer mit besonders viel Erwartung, gegenseitigen Erwartungen aufgeladen und deswegen finde ich die so spannend und so interessant.

00:56:42: Und manchmal ist es eine leibliche Verwandtschaft, das ist tatsächlich Mutter und Tochter.

00:56:48: Manchmal ist es ne Art von Wahlverwandtschaft oder ne Tante und Nichte, die dann wie so einer Art Mutter-Tochter gespannt werden.

00:56:54: also... Das ist dann vielleicht gar nicht so wichtig, aber ich glaube diese gleiche Spannung kann sich genauso gut zwischen einer Adoptiv-Mutter und einem Adoptivekind entwickeln wie zwischen leiblichen Geschwistern.

00:57:07: Ich glaube das Grundproblem in Anführungsstrichen ist immer da.

00:57:12: Und Familie ist ja nie einfach?

00:57:14: Familie ist nicht einfach her, das stimmt wohl!

00:57:15: Bist

00:57:16: du eigentlich froh, dass du zwei Söhne hast?

00:57:18: Sehr, ja, die sind toll...

00:57:21: Die haben noch

00:57:23: nichts mit Justi zu tun.

00:57:24: Ne, also performative Feministen sind ja nur nicht heimliche Feministinnen, hoffe ich.

00:57:30: Nee die sind super!

00:57:32: Dann lassen wir Justi jetzt in Ruhe oder wie ich ihn hatte, Yoga-Justi?

00:57:37: Und machen mal eine schnelle Rubrik fast Fifteen ganz kurze Fragen und ganz kurzen Antworten.

00:57:41: Ich probiere es jetzt zum ersten Mal aus beim letzten Mal wenn man andere Rubriken nicht funktioniert hat.

00:57:46: Mal gucken ob's dir jetzt ist.

00:57:48: Früher aufstehen oder spät liegen bleiben

00:57:50: Spätlingen bleiben.

00:57:51: Späteentwickler oder Wunderkind?

00:57:53: Spätenentwicklern.

00:57:54: Rutenplaner, oder einfach drauf los?

00:57:56: Ruten-Planer.

00:57:58: E-Roller oder Tretboot?

00:57:59: Tret-Boot.

00:58:00: Handybereich oder Ruhebereich?

00:58:02: Handybereich!

00:58:03: Jetzt müssen wir auf die Bahnkurs zu sprechen kommen.

00:58:05: du war das eine... Das hatte Anreise hast Du mir vorhin erzählt?

00:58:07: Ja also was heißt Anreize?

00:58:09: ich war gestern noch in Bielefeld und musste zurückkommen und habe von Bielefield hierher acht Stunden gebraucht mit der deutschen Bahn aber es hat doch gerade mal hinkauen.

00:58:16: ja

00:58:17: Passend dazu.

00:58:18: sechste Frage Schienersatzverkehr oder Umdrehen?

00:58:21: Ui.

00:58:22: Ach, Schiener Satzverkehr!

00:58:24: Was

00:58:24: soll's?!

00:58:25: Es hilft ja nix.

00:58:25: also wir müssen ja von... Wir müssen ja ankommen.

00:58:28: Mitschreiben oder merken?

00:58:30: Merken.

00:58:30: Weil?

00:58:31: Journalisten?

00:58:31: Ein

00:58:31: Thema-Notizbuch.

00:58:33: Ah stimmt.

00:58:34: Berlin oder Hamburg?

00:58:35: Berlin!

00:58:39: Lass kurz über Berlin reden.

00:58:41: Du wohnst jetzt schon eine ganze Weile hier.

00:58:43: es gibt ja Leute die auch über Berlin verzweifeln.

00:58:46: man hört das so manchmal in der Regierung nicht alles funktioniert.

00:58:50: Mit unseren Pferden muss es nicht.

00:58:52: Ja, aber wo nicht?

00:58:53: Also ich meine überall verzweifeln Leute an ihrer Regierung.

00:58:57: Ich finde Berlin immer noch die tollste Stadt, die wir hier haben in Deutschland.

00:59:01: Ich lebe total gerne hier.

00:59:03: Kai Wegner oder

00:59:03: K.I.?

00:59:05: Boah!

00:59:08: Kei Wegner...

00:59:13: Uckermark oder Unterberg?

00:59:19: Treffe ich gern mal am Tresen.

00:59:25: Heidi Hetzer, leider schon tot!

00:59:27: Riegt mich an Berlin an?

00:59:29: Riege mich an die vielen Möglichkeiten sich Kunst zu gucken und zuzuführen.

00:59:38: Der Siegeszug der System Gastronomie.

00:59:40: Wenn ich noch einmal Schnitzel riehe und Mann schieße... Ich krieg Kotze.

00:59:45: Zum Glück sind wir in Bezug, der sowas nicht kennt.

00:59:46: Ja ein Glück.

00:59:49: Warst der Witz über Berlin?

00:59:50: Ähm ... Der warst witz über berlin, ähm ... dass der Wedding kommt.

00:59:57: Ich meine wir haben da schon mal ein Titel zugemacht.

00:59:59: ich bin mir nicht ganz sicher.

01:00:00: Ja bestimmt!

01:00:01: Er kommt ja auch schon seit dreißig Jahren oder so.

01:00:04: Letzte Frage zur Überleitung Oliver Welke oder Oliver Kahn?

01:00:07: Äh Oliver Kahan...

01:00:09: Die Überleitung ist die das du vor gut zehn Jahren bei Werbung Millionär warst.

01:00:20: Mhm.

01:00:22: Du hast

01:00:25: ein bisschen Geld gewonnen?

01:00:34: Mhm ... und dann habe ich gesagt, so jemanden wie Oli Kahn.

01:00:44: Also bevor Oli-Kahn ein Golfer wurde... aktiver Fußballer war.

01:00:49: Und daraufhin hat am nächsten Tag die Bildzeitung auf bild.de getitelt, Kandidatin bei Jauch möchte von Oli Kahn angeschrien werden.

01:00:57: und dann hatte ich natürlich ein bisschen Angst dass Oli kahn sich wirklich meldet für unseren pr.

01:01:02: quatsch hat aber nicht gemacht.

01:01:04: Aber ich habe sehr viel post bekommen von Männern Die sich bereit erklärt haben sehr gerne anzuschreien beim sport.

01:01:12: Also, falls Oli Kahn unseren Podcast hört, der hier raus entsteht...

01:01:15: Nee, Olli.

01:01:16: Lass ruhig!

01:01:17: Das passt.

01:01:20: Kann man zu einer letzten Rubrik bevor wir zur letzten Lesestelle kommen?

01:01:23: Könnte da von mir sein ein Lieblingsbuch eines oder einer anderen?

01:01:27: Ja

01:01:28: ich habe das aktuelle Buch weil es ganz frisch ist von Thereta meinem Podcast-Kollegen und lieben Freund Theréta mitgebracht.

01:01:34: Es ist ein Thriller Meeresdunkel Und ich finde ihn richtig toll und er spielt auf Mallorca.

01:01:40: Und handelt davon, dass zwei Familien durch einen Zufall im selben Ferienhaus irgendwie eingebucht sind... ...und sich da jetzt irgendwie arrangieren müssen miteinander.

01:01:50: Dann zieht ein Sturm aufs und Leute gehen tot usw.. Also sozusagen das Setting.

01:01:56: Zwei Familien sind durch eine Doppelbuchung aus Versehen im selbe Ferienhaus ist ja schon im Grunde Füllerstoff genug.

01:02:03: Aber es passieren noch andere grauenhafte Dinge!

01:02:05: Ist sehr spannend und ganz toll.

01:02:07: Es ist ja sein erster Thriller, denkst du auch über ein anderes Budget für dein nächstes Buch nach?

01:02:14: Nee also definitiv kein Krimi weil ich mich eigentlich nicht so gerne grusel außer Till schreibt darüber.

01:02:20: und nee ich glaube ich bleibe schon wirklich bei den Unterhaltungsromanen in denen Frauen die entscheidenden Rollenspielen aber vielleicht mal was ohne Kriegs- und Nachkriegszeit.

01:02:33: das zumindest habe ich mir vorgenommen.

01:02:34: Haben wir gesagt, dass mir das Dunkel bei Rovalpolaris erschienen

01:02:37: ist?

01:02:37: Nee aber das sagen wir jetzt.

01:02:38: Ist bei Ro-Wald Polaris erschien.

01:02:40: Sieben

01:02:40: Sie es nach Vierter?

01:02:41: Genau!

01:02:42: Und es gibt ein Blöb von dir zum Buch...

01:02:44: Gibt's?

01:02:45: Ja.

01:02:45: Echt?!

01:02:46: Habe ich noch gar nicht gesehen?

01:02:47: Wo hast du denn gefunden?

01:02:49: Auf der Seite des Verlags.

01:02:50: Oh

01:02:50: echt?

01:02:50: Hab' ich noch garnicht gesehen?

01:02:51: Was sagst du denn da?

01:02:52: Wahnsinnig spannend, düster und dann doch wieder komisch.

01:02:55: Das alles in genauer Däberwerten und für mich unwiderstehlichem Rätelmische.

01:02:59: gönnt euch

01:03:01: Stimmt, ja das habe ich auf Instagram geschrieben.

01:03:03: Das haben wir einfach... Ich

01:03:04: wollte fragen wie entsteht denn so ein Blörb?

01:03:07: Also oftmals nicht dadurch dass du gefragt wirst.

01:03:09: Normalerweise fragt der Verlag an oder die Autoren wenn man sich kennt Fragen an.

01:03:15: Kannst du mir einen Blörbschreiben und ich hasse diese Blörbereiche finde es total beknackt.

01:03:19: also eigentlich finde ich es bescheuert

01:03:22: Wird man als bestele autoren öfter nach blöds gefragt

01:03:26: Ja, ich werde ab und zu gefragt.

01:03:27: Aber ich mache eine lange Blörpause, weil ich bin sehr oft gefragt worden... ...und ich will die Bücher dann schon auch lesen.

01:03:32: Und dazu habe ich oft nicht die Zeit, die ich dazu bräuchte.

01:03:36: Dann hab' ich das Gefühl, wenn ich beim einen Jahr sage und beim anderen nein, dann produziere ich Enttäuschungen.

01:03:41: Deswegen blöre ich gerade nix.

01:03:43: Außer die Büchter von Till offensichtlich!

01:03:46: Wie hoch ist ja Stapel der ungeblöbten Bücher?

01:03:50: Das geht dich gar nichts an.

01:03:55: Dann lass uns zur dritten Lesestelle kommen.

01:03:56: Ja,

01:03:58: sind die okay lang oder ist sie das zu lange?

01:04:00: Nein ich finde es gut.

01:04:01: Was sagt ihr?

01:04:03: Okay ihr haltet noch aus super.

01:04:05: also ihr habt ja schon mitbekommen.

01:04:07: hannas vater taucht wieder auf möchte wieder Kontakt zu ihr und Männer sind ja super pragmatisch manchmal in solchen Sachen.

01:04:13: Und er schlägt also vor ein Mensch komme einfach zu mir nach Hause auf so einen leichten lunch Lernst du auch gleich deine beiden halbbrüder kennen und meine frau wäre doch nett.

01:04:24: Hannah denkt sich, na gut, hab ja nichts zu verlieren.

01:04:27: Mach ich das halt und es läuft nicht so

01:04:29: gut.".

01:04:30: Da sind wir jetzt.

01:04:53: Sie sah aus, als hätte man sie direkt aus einer Douglas-Filiale entführt.

01:04:57: Markelos geschminkt, manikierte Fingernägel das Haar in einem perfekt geföhnten Longbob eine Bräune die nach Segelklub aussah und ein Outfit des sportlich und teuer wirkte.

01:05:08: Eine gepflegte Frau hätte Hannas Großmutter so jemanden genannt indem ihr eigenen Ton aus Herablassung und Bewunderungen Du musst Hannah sein!

01:05:16: Ich bin die Elisabeth aber du kannst gern Lulu zu mir sagen.

01:05:20: Dann drehte sich die Frau um und rief, Schatz!

01:05:22: Die Hannah ist da.

01:05:23: Lukas Konsti kommt dir auch und sagt mal guten Tag?

01:05:26: Elisabeth winkte Hannah herein in einen kleinen Flur Und dann standen sie in einem offenen Wohn- und Essbereich mit Blick auf einen großen Garten.

01:05:34: Geschmackvoll dachte Hannah und musste insgeheim über sich lachen was für ein beknacktes Wort.

01:05:40: Aber es stimmte.

01:05:41: Die Funderkampens lebten in genau der Mischung aus Designklassikern und ausgesuchten Antiquitäten, die auch ein Set-Designer für eine Tatortfolge aussuchen würde, in der einen erfolgreiche Anwalt in den Verdachtgerät seine missratende unehelige Tochter umgebracht zu haben.

01:05:57: Auf einem Sideboard standen Familienfotos in silbernen Rahmen.

01:06:00: Vater, Mutter zweig später schlacksiger werdende Jungs auf dem Segelboot am Strand in Tennis Outfits ordentlich aufgereiht beim Fotografen.

01:06:08: Es gab einen Kamin daneben ein Korb mit Feuerholz im genau der Ecke, in der an Heiligabend vermutlich der prächtige selbstgeschlagene Weihnachtsbaum stand – mit echten Kerzen natürlich!

01:06:19: Ein Bücherregal, ein Klavier an dessen Seite einen Cello-Koffer lehnte auf dem niedrigen Tisch vor der edlen Lederkauge ein Bildband mit Fotografien von Peter Lindberg.

01:06:28: Wie das alles passte, dachte Hannah – die verdammt gut dass alles zueinander passte und wie wenig sie in dieses Wohnzimmer passte.

01:06:37: »Hannah!

01:06:38: Endlich!

01:06:39: Mein Gott ich weiß gar nicht was ich sagen soll«.

01:06:41: Martin van Neckampen war die Treppe aus dem ersten Stock herunter gekommen und stand nun mit geöffneten Armen vor Hannah.

01:06:47: Er war kleiner, grauer und kaler als sie ihn sich vorgestellt hatte.

01:06:51: Auf jeden Fall sah er deutlich älter aus als auf dem Foto der Website seiner Kanzlei.

01:06:57: Hannah wusste auch nicht was sie sagen sollte.

01:06:59: Dachte er, sie würde ihm jetzt umarmen?

01:07:02: Vermutlich sollte sie zumindest mehr fühlen eine wage Vertrautheit oder einfach irgendwas... Aber da war nichts und ihr Vater ließ schließlich die Arme wieder sinken, als sei ihm selber klar geworden wie unangemessen die Vorstellung war.

01:07:15: Hannah würde ihm in die Armee fliegen wie ein kleines Kind.

01:07:18: Lulumaus hast den Cremor kalt.

01:07:20: vielleicht stoßen wir einfach mal an, sagte Martin nachdem er und Hannah einander Schweigen gegenüber gestanden hatten.

01:07:26: Gute Idee!

01:07:27: Und Schatz hol doch mal die Jungs dann können wir gleich mit dem Antipasti anfangen.

01:07:31: Martin sah Hannah entschuldigend an und federte nochmal die Treppe hoch, während seine Frau Lulu die Frischhaltefolie von zwei großen Platten mit gefüllten Tomaten wie Telotonato, Parmachinken, Salami-Scheiben und Käsewürfeln zog, die schon auf dem gedeckten Tisch bereit standen.

01:07:47: «Tuh!

01:07:47: Er ist sehr nervös dich endlich so richtig kennenzulernen.

01:07:50: Wir freuen uns alle so sehr, dass das jetzt geklappt hat», sagte sie zu Hannah, während sie Gläser für den Cremon bereit stellte.

01:07:57: Hannah lächelte freundlich.

01:07:59: Aus Lulu's Mund klang es so, als hätte es da einfach nur Schwierigkeiten bei der Terminfindung gegeben.

01:08:05: Ob Lulu Maus diese adrette Frau schon länger von ihrer Existenz wusste?

01:08:10: Ob sie hier am Familientisch schon öfter mal Thema gewesen war?

01:08:13: Wussten die beiden Jungs ihre Halbbrüder tatsächlich schon von klein auf dass sie eine Schwester hatten, die sogar in Berlin lebte?

01:08:21: Was glaubten die wohl, warum es all die Jahre keinen Kontakt gegeben

01:08:24: hatte?!

01:08:25: Martin kam die Treppe wieder herunter, hinter ihm die beiden Söhne.

01:08:28: Einer von ihnen offenbar der Ältere ging gleich auf Hannah zu, streckte ihr die Hand entgegen.

01:08:34: Hallo ich bin Konstantin freut mich.

01:08:36: Der andere Junge hatte sich direkt an den Tisch gesetzt.

01:08:39: Er war jünger vielleicht fünfzehn und anders als sein älterer Bruder schien er keine Lust zu haben bei dieser Familie in Zusammenführung mitzumachen.

01:08:46: Er hob kurz die Hand nuschelte Lukas In Hannes Richtung und begann damit Schinkenröhrchen, Salamischeiben und Käsewürfel auf seinen Teller zu laden.

01:08:55: »Luki wartest du bitte?

01:08:57: Wir trinken jetzt erstmal auf Hannah.

01:08:58: okay!

01:08:59: Du darfst auch einen ganz kleinen Schluck haben zum Anstoßen« sagte Lulu.

01:09:03: Sie hatte inzwischen fünf Gläser gefüllt und auch Lukas mit einem Finger breit bedacht.

01:09:07: – Oh Mama ich will das Zeug nicht.

01:09:10: hast du Cola Zero gekauft?

01:09:11: Nein Schatz sollste auch nicht trinken.

01:09:13: des weißt du ganz genau, trink Wasser.

01:09:14: – Digger stöhnte Lukas und verdrehte genervt die Augen.

01:09:19: Lukas das reicht, sagte Martin reist dich zusammen jetzt.

01:09:22: Ja ist gut chill!

01:09:24: Also dann, sagte Lulu die wieder ihr perfektes Lächeln angeknipst und als erste ihr Glas gehoben hatte.

01:09:29: Herzlich willkommen in der Familie lieber Hannah.

01:09:32: Da saßen sie nun alle um den Tisch.

01:09:34: ein Korb mit Baguette Scheiben wurde herumgereicht von denen nur Lukas nichts nahm.

01:09:38: Lulu verteilte Antipasti.

01:09:40: Carp an Hannah magst du die?

01:09:42: Und proschuto?

01:09:43: Ja komm denn doch gleich noch mehr davon.

01:09:45: Aus den Augenwinkeln sah Hannah, wie ihr Vater mehrmals tief Luft holte.

01:09:49: Wie um etwas zu sagen ist dann aber doch nicht Tat.

01:09:52: Offensichtlich hatte er sich das erste Zusammentreffen mit seiner erwachsenen Tochter nur bis zu diesem Punkt ausgemalt und jetzt fehlten ihm die Worte.

01:10:00: War er gerührt?

01:10:01: Verwirrt?

01:10:02: Beschämt oder einfach nur überfordert?

01:10:05: Und was machst du so beruflich meinig?

01:10:07: Es war Konstantin der die angespannte Stille durchbrach.

01:10:11: Ich arbeite für One Voice, sagte Hannah über ihr eigenes Aufstoßen hinweg.

01:10:15: Sie sollte dringend mehr von den Antipasti essen um den viel zu hastig getrunkenen Cremon in ihrem Magen zu

01:10:20: beruhigen.".

01:10:21: Konstantin sah sie fragend an.

01:10:23: Wir machen so Menschenrechtsarbeit also Protestaktionen für politische Gefangene zum Beispiel.

01:10:29: Ah!

01:10:29: Konstantinen schaute immer noch ratlos.

01:10:32: Ach ihr steht da immer mit eurem Stand vom U-Bahnhof in der Schlossstraße oder?

01:10:36: fragte Lulu.

01:10:37: ich werde da immer angesprochen aber wir haben ja schon das Patenkind in Vietnam.

01:10:41: Ja, also nein, stotterte Hannah.

01:10:44: Ich stehe da nicht am U-Bahnhof das sind Studenten die Spenden einwerben.

01:10:48: ich arbeite in der Zentrale und mache die Pressearbeit und entwickle Kampagnen und so.

01:10:52: Toll ja interessant!

01:10:54: Das ist doch interessant oder Lukas?

01:10:56: Martin knuffte seinen Sohn dem Ellenbogen in die Seite aber Lukas schien kein Interesse daran zu haben sich an diesem Gespräch zu beteiligen.

01:11:04: er starte vor sich auf den Teller und schob sich Salami Scheiben und Käsewürfel in den Mund.

01:11:08: Und davon kann man leben fragte Konstantin?

01:11:12: Ja, also es gibt sicher besser bezahlte Jobs.

01:11:14: Aber mir gefällt das und ich brauche nicht viel!

01:11:17: Hast du da Entwicklungsmöglichkeiten?

01:11:19: Personalverantwortung?

01:11:21: Nein, stotterte Hannah und ärgerte sich über ihre Verdruckstheit als müsste sie hier irgendwie im Etwas beweisen... Alter du bist so peinlich nur stellte Lukas in Richtung seines Bruders.

01:11:32: Lulu nahm noch einmal die Flasche und schenkte Cremon nach.

01:11:35: Lucky, vielleicht gehst du einfach nach oben und räumst dein Zimmer auf bevor Lucia morgen zum Saubermachen kommt?

01:11:40: Ja!

01:11:40: Hab eh keine Lust auf den verlogenen Scheiß

01:11:42: hier.".

01:11:44: Luca stand auf, zog sich die Kapuze seines Hoodies über den Kopf und trabte die Treppe nach oben.

01:11:49: Martin, Lulu und Konstantin wechselten wissende betretene Blicke.

01:11:54: Entschuldige er ist in einer schwierigen Phase.

01:11:56: das ist alles noch sehr neu und schwierig für ihn sagte Martin.

01:11:59: schließlich Pubertät, sagte Konstantin, schob sich noch einen Käsewürfel in den Mund und stand ebenfalls auf.

01:12:05: Ich muss dann zum Training!

01:12:06: Spielte zufällig Tennis?

01:12:08: Hannah schüttelte den Kopf.

01:12:10: Schade, sonst hätte ich dich mal herausgefordert.

01:12:12: Na dann – see you Schwesterherz.

01:12:15: SchwesterHerz Das fuhr Hannah unerwartet heftig in den Magen Und um dieses Gefühl gleich abzulöschen trank sie auch ihr zweites Glas Cremon in einem Zug leer.

01:12:24: Sie musste an ihre Mutter denken, an den Geruch nach Zigarettenrauch und Kerzenwachs, Räucherstäbchen und Vanilleté, denen sie mit ihrer Kindheit verbannt.

01:12:33: An Zelturlaub, an der Ostsee, an Demos auf den Schultern ihrer Mutter gegen den Irak Krieg oder für den Automausstieg... Und dann versuchte sie sich vorzustellen, wie das gewesen wäre sowie Konstantin und Lukas aufzuwachsen wenn Sie wirklich ihr Schwesterherz gewesen wären mit Klavier- und Tennisunterricht.

01:12:49: Sommerferien an der Côta Syre einem Internatia in England ein Weihnachten in die Kirche am Wochenende in den Segelklub.

01:12:57: Du hast ja sicher viele Fragen.

01:12:58: Hannah sagte Martin schließlich jetzt dass seine beiden Söhne nicht mehr mit am Tisch saßen und er lang genug darüber nachgedacht hatte wie er das offensichtliche ansprechen sollte.

01:13:07: Aber heute ist vielleicht noch nicht der Zeitpunkt dafür, unterbrach ihn Lulu die gerade dabei war eine weitere Cremon Flasche zu öffnen.

01:13:14: Ich denke für heute war es doch einfach nur wichtig dass die Jungs und Hannah sich mal begegnen ganz zwanglos!

01:13:20: Sie schenkte noch einmal nach.

01:13:22: Weißt du sie sind sehr sensibel also vor allem unser Lukas.

01:13:25: das ist nicht einfach für ihn.

01:13:27: er wirkt jetzt sicher sehr abweisend auf dich aber das wird sich finden.

01:13:30: Lucky ist sehr kreativ er liebt Tiere.

01:13:33: er is wirklich ein ganz lieber Kerl.

01:13:35: Er hat es ja gerade als Diabetiker oft nicht leicht.

01:13:38: und unser Konstantin, er ist ja nun bald aus dem Haus.

01:13:41: Er macht gerade sein Abitur und will danach auf Weltreise gehen.

01:13:44: Das wird für uns alle eine Umstellung.

01:13:46: Es war auch für uns nicht leicht den richtigen Zeitpunkt zu finden dich hier also dass wir uns mal... Hannah nahm noch einen großen Schluck Cremon, hörte sich – ja das war sicher auch für euch alles nicht einfach – und dann riss etwas in ihr irgendein Faden an dem sie sich gedanklich durch diesen absurden Nachmittag gehangelt hatte.

01:14:06: Und sie musste lachen!

01:14:08: So sehr dass ihr die Tränen kamen und sie nach Luft ringen musste.

01:14:11: Sie prustete über ihren Teller mit den Antipasti-Resten und konnte sich nicht beruhigen.

01:14:16: Sie rang nach Luft nur um von einer neuen Lachwelle geschüttelt zu werden.

01:14:19: Schließlich stand sie auf Ich muss gehen, jappste sie und taumelte zur Tür.

01:14:24: Sie wollte nur

01:14:25: weg.".

01:14:25: Und als sie gerade die Stufen zum Kiesvorplatz hinuntergelaufen war, hörte sie ihren Vater hinter sich rufen.

01:14:31: Warte, Hannah!

01:14:32: Bitte!".

01:14:42: So wie Ahn das hier der Faden des Buchs so lange nicht gerissen ist.

01:14:46: aber das müsst ihr dürft.

01:14:48: ihr sollt ihr dann selbst lesen?

01:14:52: Jetzt ist die Trilogie zu Ende.

01:14:55: In fünf Jahren sind diese Romane erschienen.

01:14:58: Wie fühlt sich das an, wenn du jetzt Hannah und Evelyn, Sylvia und Rüdiger und wie sie alle heißen, jetzt allein durch die Welt schreiten lässt?

01:15:06: Total gut!

01:15:07: Also erstens gehen die mir jetzt langsam auch echt auf den Geist.

01:15:10: Nein ich habe die alle lieb aber ich finde Sie haben jetzt wirklich alle quasi so das Schicksal bekommen dass ich mir für sie gewünscht habe mit diesem letzten Buch und die kommen jetzt ohne mich klar.

01:15:19: also ich würde sagen das ist jetzt fertig und es kommt was Neues.

01:15:23: Die Trilogie ist ebenso zu Ende wie eine Abschiedstour, ein Abschieds-Tour ist wo es nie endet neuer Abschiedtour

01:15:29: gibt.

01:15:29: Ich bin der Howard Carpendale des Literaturbetriebs.

01:15:31: genau!

01:15:34: Alles klar.

01:15:34: vielen Dank an Alina Schröder.

01:15:37: das war die zweite Tip Berlin

01:15:49: Literaturkapelle.

01:15:54: Die Folgen werden live aufgezeichnet an jedem letzten Mittwoch des Monats in der Kapelle neunundneinzig in

01:15:59: Friedrichshain.

01:16:00: Tickets unter www.tipp-berlin.de.

01:16:03: Neue Folgen gibt's immer am ersten Montag des Monads auf tipp minus berlin.DE und allen gängigen Podcastsportalen!

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