Literaturkapelle mit Hendrik Otremba
Shownotes
Mit dieser Folge starten wir unsere neue Literaturreihe „Literaturkapelle“. Zum Auftakt ist Hendrik Otremba zu Gast – Schriftsteller, bildender Künstler und Sänger der Band Messer.
Hendrik Otremba liest aus seinem neuen Roman „Der Gräber“ und spricht mit tipBerlin-Literaturredakteur Erik Heier über sein Schreiben, seine künstlerische Arbeit und die Rolle Berlins in seinem Werk. Ein Gespräch über Endzeitstimmung und Zuversicht, über Kunst und Stadt, Vergangenheit und Zukunft – live aus der Kapelle 99 in Friedrichshain.
Otrembas Roman entwirft eine düstere und zugleich hoffnungsvolle Vision der Zukunft: Im Jahr 2196 streift Oswalth Kerzenrauch durch ein vom Dritten Weltkrieg gezeichnetes Berlin. Als „der Gräber“ ist er dazu verdammt, nicht sterben zu können – und bewegt sich dabei zwischen verblassenden Erinnerungen und den Ruinen einer fast verlassenen Welt.
Die Literaturkapelle ist eine neue Lesereihe, die einmal im Monat in der Kapelle99 in Friedrichshain stattfindet. Tickets für die nächste Literaturkapelle am 29. April 2026 mit Alena Schröder gibt’s hier: https://www.tip-berlin.de/service/tip-events/literaturkapelle-mit-alena-schroeder/
Du willst immer wissen, was in Berlin los ist? Programm, Kultur, Stadtleben und vieles mehr gibt’s täglich auf www.tip-berlin.de und jeden Monat in unserem Heft am Kiosk. Folge uns auf Instagram (@tipberlin) und TikTok (@tip_berlin).
Eine Produktion von tipBerlin in Kooperation mit Studio36.
Cover Art: Jonas Schulte.
Transkript anzeigen
00:00:00: Den Begriff Abenteuerspielplatz merken wir jetzt mal für später.
00:00:03: Gehen wir noch auf einen Abenteuerspielplatz?
00:00:05: Wir gehen auf ein Abenteurspielplatz!
00:00:13: Die TIP Berlin Literaturkapelle, der literarische Berlin-Podcast jeden Monat aus der Kapelle neunundneinzig in Friedrichshain.
00:00:25: Herzlich willkommen zur TIP berlin Literatur kapelle.
00:00:28: die allererste Auflage der literarische Berlintalk aus der Kappele Neuneinundneinsig in Friedrichshain, die Merzausgabe mit dem Schriftsteller Musiker, Maler, Fotografen, Dozenten und ich habe wahrscheinlich noch ganz viele Sachen vergessen.
00:00:49: Henry Gotrenba macht mal Lärm!
00:00:59: Und das liebe Freunde ist eine echte Berlin-Buchprämiere.
00:01:01: was freut uns besonders bei unserer Premiere?
00:01:04: Ich bin Erik Heier der Kappellmeister für heute und Literaturredakteur beim Tipp Berlin.
00:01:10: Wir haben uns so ein paar Rubriken überlegt.
00:01:17: Die Kapelle beginnt immer mit dem allerersten Satz im Roman, Henrico Trember.
00:01:22: Da saß er nun also am Rand des Kraters still und ganz in sich
00:01:27: gekehrt,
00:01:28: saß da wie versteinert und aufgelöst in endloser Demut vor einer heillosen Welt.
00:01:34: Henrik, bei dem ersten Satz steckst du grandios kondensiert schon die Stimmung das Roman zu deiner Hauptfigur Oswald Kerzenrauch ab.
00:01:43: Wann entsteht so ein erster Satz?
00:01:46: Im Auto ist der erste
00:01:48: Satz entstanden.
00:01:50: Der ist natürlich gestohlen, weil beim ersten Satz kann man eigentlich nur scheitern.
00:01:54: deshalb es immer eine gute Idee sich denn irgendwo wegzuschnappen wo das niemand rausfindet.
00:01:59: deswegen müssten sie das bitte für sich
00:02:02: behalten.
00:02:04: Genau und ich habe irgendwie einen sehr schönen Radiobeitrag von WDR drei gehört und war mit meiner Freundin auf der Autobahn.
00:02:12: Unsere Tochter hat hinten geschlafen im Kindersitz und es ging, ich weiß nicht mehr worum's ging.
00:02:17: Und ist viel so ein ähnlicher Satz wie dieser erste.
00:02:20: Der war natürlich nicht identisch.
00:02:22: Da war der Roman auch schon sehr weit fortgeschritten.
00:02:25: Er dachte, ja, so kanns gehen!
00:02:29: Halt der ersten Satz für dich so eine Bedeutung?
00:02:31: Wie viele andere?
00:02:31: Es gibt den berühmten Satz von Ritter Gras Isabel, sagst du nach?
00:02:35: Wo ich sagen würde...
00:02:42: auf jeden Fall sagen, dass man mit dem Satz je nachdem wie man es machen will entweder die Tür eintreten muss oder sanft öffnen können muss.
00:02:51: Also das hängt natürlich dann immer auch vom
00:02:55: Wesen des Textes ab.
00:02:56: aber
00:02:57: ja da sitzt man
00:02:58: schon
00:03:00: lange dran und feilt dran rum.
00:03:02: Und
00:03:03: da war's aber
00:03:03: so.
00:03:03: ich habe mir den dann aufgeschrieben.
00:03:05: natürlich nicht beim Autofahren sondern
00:03:08: an einer Raststätte
00:03:12: habe ich auch noch an dem bisschen rumgeschmiegelt.
00:03:15: Aber das war dann irgendwie
00:03:17: klar.
00:03:17: und das ist meistens so, irgendwann gibt es diesen
00:03:20: Satz der
00:03:20: kommt meistens.
00:03:21: also in meinem Fall ist nicht der Satz mit dem es losgeht sondern da steht erst mal etwas Nicht platzhalterartiges aber was die Bereitschaft behält ersetzt zu werden oder noch was vorangestellt
00:03:36: zu bekommen.
00:03:37: Und so war das da auch.
00:03:38: Das ist dann ein schöner Moment, wenn der Satz da ist von dem man weiß, dass es nun damit am Ende beginnen wird... ...dann
00:03:47: ist das ein Satz bei
00:03:48: dem man schon bestimmtes Gefühl hat.
00:03:51: und ja also ich mag die ersten Sätze gerne leiden.
00:03:55: Ein anderer Satz, bei dem ich ein bestimmtes Gefühle habe, ist der Satze Berlin is over!
00:03:59: Das ist so in Burscht-Bingo des Berlin-Baschings ein Greatest Hit von den Berliner Seiten der FAZ vor.
00:04:10: Aber so over war Berlin noch nie wie in deinem neuen Roman der Gräber.
00:04:15: Deswegen, nimm uns doch mal rein in deinen Buch mit der ersten Lesestelle.
00:04:19: Alles klar!
00:04:20: Ach ich lese es
00:04:21: die erste Berliner
00:04:22: Lesung und ich lehse auch noch
00:04:24: ganz vom Anfang.
00:04:25: Auch alle Motty usw.
00:04:28: zu viel Zeit haben
00:04:29: wir.
00:04:30: Also am Anfang
00:04:31: steht
00:04:32: da endlich
00:04:33: lange
00:04:34: Weile... Das ist eine Wandmalerei.
00:04:36: gesehen am XXIII.
00:04:37: Oktober, two-tausend-einhundertsechsen-neunzig in Berlin.
00:04:41: Erster Teil ein Spatenstich an Kraterrand.
00:04:45: Wer sich der eigenen verschütteten
00:04:47: Vergangenheit
00:04:47: zu nähern
00:04:48: trachtet muss
00:04:49: sich verhalten wie einen Mann, der gräbt Walter Benjamin irgendwann zwischen neunzehn-zwei-dreißig und neunzin- achten dreißig.
00:04:56: Wir haben uns die Welt vorgestellt.
00:04:58: was
00:04:58: sonst kann man sich noch
00:04:59: vorstellen wenn nicht den eigenen Tod?
00:05:01: Ein Glockengeleute und alles ist vorbei, Flöer Yegi, Ninzeneunundachtzig.
00:05:07: Who will you be laughing when it's over?
00:05:09: Will you be Laughing, Laughing When It's Over?
00:05:13: Y-Pass, Ninzenhunderteinundachtzig.
00:05:17: Da saß er nun also am Rand des Kraters still und ganz in sich gekehrt, saß David versteinert und aufgelöst in endloser Demut vor einer heilosen Welt.
00:05:27: Der Gräber
00:05:28: befand sich nicht zum
00:05:29: ersten Mal an diesem Punkt.
00:05:30: gewiss nicht.
00:05:31: schon oft hatte er so die Trümmer betrachtet.
00:05:33: Den Verfall, den Staub und mit jeder dieser Beobachtung jede Erfahrung des vergehens aller Dinge verstand er weniger wurde ihm unwirklicher lehrte sich sein Geist.
00:05:43: was wenn das alles nur ein langer endloser Traum war in denen er eingesperrt sein mochte einen Traum der nun schon mehr wog als sein Leben?
00:05:52: aber nein er schmeckte ja den staub auf der zunge roch das zurückgebliebene Ein Loch im Boden weit und tief.
00:06:00: Fronau Dieser Stadtteil hatte einmal Fronau geheißen.
00:06:05: Tagelang war er danach hier umhergeirrt mit nur einem Schuh an den Füßen zerrissener Kleidung versenkter Haut, hatte es nicht glauben können.
00:06:13: Er war durch ein fege Feuer geschritten als ewiger Zeuge und klaffte dort einen gewaltigen Krater bis tief in den Booten.
00:06:22: So glich der Krater einem Tunnel, einem Ort der nur existierte weil etwas anderes nicht mehr da war.
00:06:28: dunkel und kühl erst ein Berg, in den ein Schacht getrieben dessen Inneres mit Gewalt zur Seite geschaffen
00:06:33: wird bis schließlich
00:06:34: am anderen Ende des ausgeschapten
00:06:36: Körpers
00:06:36: wieder Licht einfällt.
00:06:38: Zunächst noch zarkhaft einen Strahl bröckeln Rieseln, noch ein Strahl nur dass dieser Tunnel nicht aufhörte.
00:06:45: er war ein bloßer Endpunkt der nicht mehr zum Tage führte.
00:06:50: Das Licht hat die Herdunkelheit gebracht, war umgekehrt, hatte auf diesem berauschten Weg tonlos alles und jeden verschluckt dem es begegnet war so
00:06:57: dass ich nicht mehr
00:06:58: erkennen
00:06:59: ließ
00:06:59: wo nun also tatsächlich ein Ende wartete.
00:07:03: Nur eine taubstumme Düsternis war zurück geblieben auch an den Tagen danach in den Jahren Jahrzehnten.
00:07:09: Ein Tunnel der zu einem unsichtbaren Ende führte nicht weiter Resigenation Verheerung Loch Zerstörung Staub Alles staub.
00:07:22: Und da saß er nun, Oswald Kerzenrauch am Rande eines tiefen Abgrunds und schweifte ab in die Gegenrichtung des unbeeindruckten Fortlaufens der Zeit ohne dabei noch sagen zu können, woran er eigentlich dachte.
00:07:36: Trotz der sichtbaren Gewalt, die die Erdoberfläche erfahren
00:07:39: hatte, schien
00:07:39: ihm der Krater etwas durchaus Friedliches auszustrahlen.
00:07:43: Wie auch Anderorts hatte
00:07:44: sich
00:07:45: in der letzten Zeit eine unscheinbare neue Flora entwickelt.
00:07:48: neben all den Todgeburten der einst lebendigen Pflanzenwelt die sich bislang bloß noch in moderigen Stängeln dem Boden austrieb, sich als Schwarze schon in der Blüte verdorhte Malformationen empor schoben.
00:08:00: Für eine Zeit war es nur noch derart gewachsen – totgewachsen wie ein Verweigerung im Protest!
00:08:08: Pflanzen dikrepierten sobald sie
00:08:09: das Unlicht
00:08:10: der Welt erblickten oder die bereits im Erdboden verreckten.
00:08:14: Wer weiß das schon?
00:08:15: Doch seit kurzer Zeit sah der Gräber etwas auftauchen, dass er nicht zuordnen konnte und nicht erkannte etwas, das er in all der Zeit nie gesehen hatte.
00:08:25: Zarkhaft wuchs es, schob
00:08:27: sich in einem eigentümlichen neuartigen Grün wie ein fahler Bartschatten über die Trimmer.
00:08:32: Ein lebendiger Florr, der sich aus der Todesbrache löste und Stück für Stück eine Oberfläche
00:08:37: besiedelte,
00:08:38: die nach der Selbstauslöschung ihres parasitären Befalls verweist zurückgelassen worden war.
00:08:44: Zarte Flechten, die sich überall dort absetzten, wo doch kaum noch Nährboden existierte, aus dem sie hätten zähren können.
00:08:51: Doch es wuchs, war lebendig.
00:08:54: Wie Mosiger Raureif sah's aus oder ein feiner Schimmelfilm nur trocken und beständig.
00:09:01: Der Gräber meinte von dieser unbekannten Flora bemerkt zu werden ja dass sie ihn taxierte sich zu ihm verhielt.
00:09:08: Sie wirkte auf ihnen zugleich idyllisch und gefährlich.
00:09:13: Für diesen Wuchs
00:09:14: gab es
00:09:14: keinen Namen zumindest keinen der irgendwo aufgeschrieben stand war er doch erst aufgekommen, als kein Mensch mehr Interesse daran gehabt hatte die Dinge zu erforschen und zu benennen.
00:09:23: Als kein Mensch da gewesen war der sich damit hätte befassen können Und so würde niemand mehr herausfinden ob in diesem Grün ein Neuanfang zu Schlummern vermochte.
00:09:34: Es spielte ohnehin keine Rolle was mit der Erde noch geschah Und so fand der Gräber seine eigenen Begriffe für das, was er da registrierte, ordnete den Phänomenen einer neuen
00:09:44: und ungewissen
00:09:45: Naturworte zu.
00:09:46: Die Tief in ihm verborgen lagen
00:09:48: und die
00:09:48: nun zur neuen Verknüpfung fanden.
00:09:50: Den grünen Wuchs etwa nannte er Trauerflor.
00:09:54: Jetzt schläft
00:09:55: er kurz.
00:09:55: Man ruht sich aus
00:09:56: – ich mache einen kleinen Sprung!
00:09:59: Als er erwachte, graute bereits der neue Tag wieder ein Tag.
00:10:05: Oswald Kerzenrauch richtete sich auf, streckte sich der Körper Krachte und ein Laut entfuhr seiner Kähle.
00:10:11: Er erschrak davor.
00:10:13: Seit ein paar Tagen hatte er nicht
00:10:14: gesprochen,
00:10:15: hatte derart auf sich selbst zurückgeworfen den Mund kaum geöffnet.
00:10:19: Weiter streifte er nun durch das karge Brachland, dass Menschen leer da lag.
00:10:23: Streifte durch eine verherrmte Landschaft die sich in Schattierung
00:10:26: von schwarz
00:10:26: zu grau dahin zog allenfalls von resten trockenen
00:10:29: Gestrips getüngt es hier und
00:10:31: da lustlos aus der Erde starke und gleich wieder verändete.
00:10:35: Auch hier breitete sich der Mathe Trauerflor aus Patina auf einer alten Fotografie.
00:10:41: Die Natur erschien ihm heute wie eine Kulisse, wie ein Filmset bedacht von einem ungewöhnlichen Lichteinfall.
00:10:47: der Tief unter dem Pastell des Himmels wäre Schattenwarf.
00:10:51: Die Ereignislosigkeit
00:10:52: die diese
00:10:53: Landschaft ausstrahlte machte ihn ruhig noch ruhiger ließ ihn langsamer laufen immer wieder innehalten schauen.
00:11:00: niemand war hier der ihm zur Gefahr werden würde.
00:11:03: mehr noch keine Menschen waren hier der würde verlieren können.
00:11:09: Dabei hatte er sie doch schon alle verloren, alle die er wirklich liebte geliebt hatte.
00:11:13: Er war ein Mensch, war dazu in der Lage.
00:11:16: nur die Fähigkeit zu lieben birgt die Möglichkeit des Verlusts.
00:11:20: Er hatte das erfunden.
00:11:22: Sein Atem ging gleichmäßig.
00:11:25: Leise hörte er den Wind über die Ebene flüstern.
00:11:28: Die Schönheit liegt in der Präsenz der Ruhe Der Schrecken im Hallraum der Stille.
00:11:34: Je tiefer er nun in die eins dicht bebaute Stadt fordrang, desto häufiger musste er über die Trümmer eingestürzter Gebäude steigen.
00:11:41: Musterisse und Krater umgehen, die sich hier und da zu silberig
00:11:45: schimmernden
00:11:45: Teichen aufgefüllt hatten.
00:11:47: Kletterte durch Ruinen und Über Dünen hinweg.
00:11:50: Häuser,die sich in ihren Einzelteilen hingelegt hatten den einst flachen Boden bedeckt hielten so lag ihm die ganze Welt zu Füßen.
00:11:59: Fahrzeugfracks dabten am Boden kauerten ausgestreckt an den Bürgersteigen, als ruhten sie erschöpft an einem ausgetrockneten Flussbett verrostet ausgebrannt.
00:12:09: Manche waren regelrecht zusammengeschmolzen.
00:12:12: unter ihren schwarz verkohlten Körpern lugten Brandflecken hervor auch einige der schwarzen und rostbrauen.
00:12:18: Autos waren hier und da schon von jempelzigen grün des Trauerflors befallen.
00:12:23: in kleinen Straßen, in Winkeln und Sackkassen Türmten sich graue Sanddünen auf, verdeckten dort den rissigen Asphalt.
00:12:31: Der Gräber fand sich zu Recht, wusste wo er entlang gehen musste wenn sich durch den fortschreitenden Verfall und die stürmischen Winde auch immer wieder etwas verschob.
00:12:39: ein hauseinstürzte den bekannten Weg unbegebar oder nur noch mit Mühe passierbar machte.
00:12:45: Verrücktes Labyrinth!
00:12:48: In der Residenzstraße kletterte er in den U-Bahnhof hinab, er kannte den Tunnel oft war hier durchgefahren.
00:12:55: Wie lange hatte er nicht mehr daran gedacht?
00:12:57: Er hörte das hektische Rattern
00:12:59: der Vagans
00:13:00: aus einer lang vergangenen Zeit.
00:13:03: Aus dem dunklen Tunnel strömte ihm kalter Grabgeruch entgegen, die Geräusche von aufkommenden Wassertropfen fanden in diesem Gang einen unwirklichen Hall.
00:13:13: Schwarzer Schimmel fraß sich an den feuchten Wänden entlang, hörte niemals auf zu fressen – aus Wald fröstelte und er zog den Mantel enger um sich zusammen, öffnete den Seesack, tränkte mit dem Öl ein Lappen um sein Brecheisen, entzündete
00:13:29: die Fackel.
00:13:30: So liefer in den Tunnel.
00:13:32: Balancierte über die Gleise an Pfützen und Einstürzen vorbei, kletterte überschutthaufen.
00:13:38: Er versuchte nicht auf die Skelette zu blicken, die links- und rechts am Boden kauerten aus hohen Augenhöhlen in die Dunkelheit starten.
00:13:45: Große Skelette, kleine zarte Tierknochen menschliche Gebeine!
00:13:50: Der Gräber stolperte, trat auf einen dünnwandigen ausgehöhlten Schädel der krachend nachgab.
00:13:56: Er blieb stehen, blickte sich um.
00:13:59: Niemand hatte es bemerkt.
00:14:01: Diese toten Ruhe war nicht zu zerstören – sie herrschte tief
00:14:05: und
00:14:06: ewig.".
00:14:08: Nun schaute er sie doch an die am Boden zurückgebliebenen, leuchtete mit der Fackel in ihre Richtung.
00:14:14: An der linken Tunnelwand registrierte er mit dem Rücken dort angelehnt zwei erwachsenes Gelette.
00:14:19: Zwischen ihnen im Orangen Scheinen ein Kind über das sie schützend die Arme hielten.
00:14:24: Er schloss die Augen ging immer tiefer in den Tunnel.
00:14:29: Als die Fackel erloscht, strengte er den Lappen erneut, entzündete ihn – sei jetzt wieder mehr!
00:14:34: Malereien an den Tunnel wenden zittrige Worte mit den Fingernägeln in die Schimmelfläche gekratzt.
00:14:40: Wir verrecken hier unlesbare Zeichen Anrufe an tatenlose Götter Erlass inschriften dir nicht Verstand, deren Worte ihm nie begegnet waren Worte, die aus einer Sprache stammen mussten, die es nicht gab, nie gegeben hatte.
00:14:55: Er richtete die Fackel zum Boden, schirmte mit der Hand das Licht von sich
00:14:59: ab so dass
00:14:59: es den Bereich zu seinen Füßen erleuchtete.
00:15:02: Er dort sehen konnte wo er mit den Füssen an kleine Widerstände anstieß Feuerstellen umgrenzt von Stein dicht gefüllt mit tief grauer
00:15:10: Asche
00:15:11: aus der sich vorwurfsvoll verkohlte Tierknochen empor hoben
00:15:14: Katzen
00:15:15: Hunde.
00:15:17: hielte er die Flamme der Fackel nicht am Leben.
00:15:19: er würde endlich verschwinden.
00:15:21: War das nicht verheißungsvoll?
00:15:24: Er würde hier unter der Erde zwischen zwei Bahnhöfen in der tiefen Dunkelheit verweilen, bis sein Name irgendwann ganz vergessen wäre.
00:15:31: Bis auch die ihn bezeichnenden Worte einer unbekannten Sprache an Heim fielen, die keine Sprecher mehr bräuchte.
00:15:39: Doch er konnte nicht sterben!
00:15:41: Quellen den Laune einer unbergreiflichen Natur Der Menschheitstraum Sein Fluch Ein Albtraum Sein Albtraum.
00:15:53: Das ist
00:16:00: also das Ostwald-Kerzenrauch, der Gräber.
00:16:03: Im Film würde man sagen Spielalter Mitte viertig oder Anfang vierzig und sterblich unterlag gefragt zu haben was für ein eigentümlicher Held wieder willen?
00:16:14: Wie ist er zu dir gekommen?
00:16:15: Ostwald Kerzenrauchen!
00:16:17: Wie ist der
00:16:18: zu mir gekommen?
00:16:22: Also es gab einen Roman von mir der hieß Kachelbatts
00:16:24: Erbe
00:16:27: ging es um Menschen, die sich einfrieren lassen wollten nach ihrem Tod und das hat mich damals wahnsinnig interessiert warum Leute das machen.
00:16:34: Und das ist dann natürlich auch erstmal irgendwie ein Roman übers Leben geworden und auch über das Leben dieser Menschen.
00:16:41: Da fing ich damit an darüber nachzudenken wie interessant es eigentlich wäre wenn jemand
00:16:47: länger leben würde als wir das so
00:16:49: für gewöhnlich tun und was für einen Wissen zu dieser Person kommen könnte und was die erfahren könnte.
00:16:56: Und wie sie vielleicht
00:16:57: auch
00:16:58: mehr verstehen könnte über das Leben, über die Menschen.
00:17:03: Das war damit irgendwie
00:17:04: gesetzt
00:17:04: und es waren aber
00:17:05: eher
00:17:05: Fragen, die dazu mir kamen.
00:17:11: Es
00:17:12: blieb aber bei
00:17:12: mir dieses Nachdenken über jemandem der
00:17:15: zeitreisend
00:17:16: ist oder der lange lebt, der die Möglichkeit hat viel
00:17:20: zu erfahren.
00:17:23: Dann war es wie so
00:17:24: oft
00:17:24: erstmal eigentlich ein Gedicht und ein Song.
00:17:28: Ich habe
00:17:30: vor einigen Jahren,
00:17:34: oder so muss das gewesen sein mit zwei Freunden Fabian Altstädter und Philipp Hülsenbeck bei Das Musikschaffen immer in Leipzig überlegt eine neue Band zu machen Und die wollten wir damals kachelbar
00:17:47: als Erben
00:17:48: nennen Bevor dann aber der Roman kam, also es muss noch früher
00:17:52: gewesen sein.
00:17:53: Naja und da war's dann ganz plötzlich irgendwie so in dem Moment das mir so ein Gedicht einfiel wo diese Figur der Gräber zum ersten Mal auftauchte.
00:18:02: Das hieß
00:18:02: auch der Græber dieses
00:18:03: Gedicht
00:18:05: Und das ist dann später
00:18:07: die Figur, die sowas ist wie einen Zeitreisender Die Möglichkeit hat einfach viel zu sehen und er aber irgendwie auch in einer Art danach
00:18:15: auf der Erde ist
00:18:16: und Dinge ausgräbt.
00:18:18: Der ist bei mir geblieben und dann habe ich irgendwann mein erstes Solo-Album produziert.
00:18:23: Und dieses Stück der Gräber... Reskantes
00:18:26: Manöver?
00:18:26: Wie bitte?
00:18:27: Reskante es manöver!
00:18:28: Genau, resskantes Manøver hieß das.
00:18:31: Da ist dann der Græber als Song
00:18:33: drauf aufgetaucht
00:18:34: und da war ich das maskiert, hatte so eine Kunstfigur erfunden wie eine Art Erzählstimme des Albums.
00:18:42: Es gab ein sehr schönes Musikvideo wo auch jemand durch die zerstörte Welt schreitet, dass wir da gemacht haben und so.
00:18:49: Und dann hat sich das irgendwie so verdichtet... ...und ich merkte die Figur will mehr, die transformiert sich,...
00:18:55: ...und irgendwann...
00:18:56: ...zack bumm stand der Oswald Kerzenrauch da... ...dann ging es los mit dem Roman.
00:19:04: Also über die Figuren, die nicht nur einen Buch lang bei dir bleiben oder nicht nur ein Song lang, darauf kommen wir noch zu
00:19:09: sprechen...,
00:19:10: aber lass uns kurz bei dem Thema Unsterblichkeit bleiben!
00:19:12: Das ist ja... Du hast ja gesagt, so ein Menschheitstraum.
00:19:15: Mir war das beim... Bevor ich dein Buch gelesen habe, nicht klar was dabei eigentlich einhergeht?
00:19:20: Du siehst alle Sterben mit denen du warst und du begrebst die, die du liebst.
00:19:26: Welchen Sinn macht da noch Liebe?
00:19:29: Naja also das stimmt schon es ist natürlich auch schrecklich.
00:19:34: gleichzeitig steckt natürlich die Chance darin
00:19:39: auch lange
00:19:39: bei Menschen zu sein und zu bleiben die man liebt und auch viel Zeit mit denen verbringen zu können, mehr Zeit als das sonst so geht.
00:19:51: Und es ist
00:19:52: natürlich auch ganz furchtbar weil sie dann irgendwann gehen und das macht den Oswald Kerzenrauch auch zu einem
00:19:58: einsamen Menschen
00:19:59: und auch zu jemanden der schon auch traurig ist auf eine Art Ja.
00:20:04: aber ich glaube was eben auch da drin steckt und was sich einfach sehr schön finde was ich auch sehr schön zu erzählen fand, in diesem schon irgendwie auch düsteren Ding dieses Romans ist das da eben auch jemand bleiben kann.
00:20:22: Und er zum Beispiel
00:20:26: begleitet seine
00:20:27: Tochter Lucy bis ins hohe Alter von sieben Achtzig Jahren – es hat glaube ich noch keinen Förder geschafft!
00:20:36: Wir gehen mit Oswald durch das zerstörte Berlin.
00:20:40: Also wir müssen gehen, weil U-Bahn fährt ja nicht mehr.
00:20:43: Das ist quasi BVG-Streik nur sehr viel längerfristiger.
00:20:48: Personalmangel könnte man sagen?
00:20:50: Personalmangeldramatisch.
00:20:51: auch Wagenmangel glaube ich da.
00:20:53: die wäre fast ein bisschen neidisch.
00:20:54: Nee wahrscheinlich nicht!
00:20:55: Du steckst die Stadt sehr gut ab.
00:20:57: das heißt man könnte begründe mit deinem Buch in der Hand durch die Stadt laufen und nach dem Motto besuchen sie Berlin solange es noch steht sich das alles angucken.
00:21:06: Vielleicht könnte man mit dem Tipp Magazin mal irgendwie so eine Reihe machen.
00:21:10: ... für Touristen.
00:21:12: Ja, letzte Chance oder so.
00:21:14: Ja ja.
00:21:15: Doomstay-Führung oder sowas?
00:21:16: Ja!
00:21:18: Als Kerne klar.
00:21:20: Bist du dafür die Stadt abgeschritten... ... oder ist du lebst jetzt seit zehn Jahren in Berlin?
00:21:25: Ziemlich genau seit zehn Jahre.
00:21:27: Oder steckt die Stadt so tief in dir drin,... ... dass du nicht nochmal dir die Orte ansehen musstest?
00:21:32: Also der Gräber wohnt zum Beispiel in der Oranienstraße.
00:21:35: In einer ganz großen Wohnung glaube ich.
00:21:39: Ja, die Wohnung ist super.
00:21:40: Da hätte er
00:21:41: wahrscheinlich nie einziehen können wenn nicht alle Menschen weg gewesen wären.
00:21:46: Da hat er sich dann reingestohlen als niemand mehr da war.
00:21:49: Es gibt eine Apokalyptor-Vorteile also es gibt keine Vermieter mehr... Die Wohnungen sind alle leer
00:21:53: und gut.
00:21:54: die Bahn fährt nicht mehr aber das kennen wir in Berlin.
00:21:57: Man kann auch Fahrrad fahren in Berlin ist auch gut!
00:22:01: Wie war noch mal die Frage?
00:22:03: Hast du Berlin nochmal abgeschrieben was du im Geist habt geschrieben?
00:22:05: hast du dir überlegt?
00:22:06: Total ja.
00:22:07: Also ich bin an die Orte ganz oft gegangen.
00:22:12: Viele davon lagen auch auf meinen Routen, das war für mich auch das Schreiben des Romans ein Versuch, für mich mal Berlin irgendwie zu fassen und zu greifen weil es natürlich auch eine mich überfordernde Stadt ist.
00:22:22: Und ich wollte schon einfach meine Nachbarschaft
00:22:26: erzählen
00:22:27: oder nacherzählen oder wie auch immer.
00:22:28: also bin schon dahin gegangen habe auch Sachen entdeckt und hab auch Sachen erst zum ersten Mal so richtig gesehen und betrachtet stand mir aber zur Verfügung auch in der Fantasie, in Erinnerung und so.
00:22:42: Es gab aber wirklich absurde Ereignisse auch in diesem Schreibprozess, was mir oft passiert – ich bin jetzt nicht irgendwie wahnsinnig spirituell veranlagt oder so – es gab eine Situation, da habe ich geschrieben, dass der Oswald Kerzenrauch vom Cottbus Haddam ungefähr Richtung Schönleinstraße und so, da langläuft über die Brücke.
00:23:07: Und da ist die Erde eingestürzt also two-tausend-einhundertsechsundneinzig und das klafft ein riesen Loch im Boden und man sieht unten die Gleise und dass da irgendwie früher die U-Bahnen langgefahren sind.
00:23:19: Ich habe das geschrieben, hab da auch niemand von erzählt, es hat ja auch noch niemand gelesen.
00:23:24: und dann bin ich mit meiner Tochter, die war da so vier ungefähr, bin ich da lang gefahren Und dann sagt die so Papa,
00:23:31: weißt du was lustig wäre?
00:23:32: Ein
00:23:33: Loch im Boden und man sieht die U-Bahn.
00:23:36: Es war genau an der Stelle wo ich mir das vorgestellt hatte dass es sein wird.
00:23:41: Das sind dann so Sachen... Mir ist richtig Gänsehaut bekommen weil mich total irgendwie verblüfft.
00:23:48: Weil damit rechnet ja niemand, der sowas geschieht.
00:23:51: Und das war natürlich auch schön Und ein lustiger Moment und ich habe mir das nicht so richtig erzählt, weil es hätte sie glaube auch überfordert zu dem Zeitpunkt.
00:24:01: Ja aber solche Sachen sind häufiger passiert also...
00:24:05: Also ich bin ja mit der U-Bahn gefahren als ich dich vor ein paar Wochen interviewt habe.
00:24:08: Das waren diese Tage als Berlin komplett unter einer Eisschicht lag und wir haben uns einen Kaffee getroffen.
00:24:14: Ich bin nach Neukölln gelaufen und es war wirklich lebensgefährlich im weitesten Sinne, weil man brach sich relativ schnell irgendwas da.
00:24:22: Aber ich habe gerade die letzten Seiten eines Romans gelesen und dachte mir, so schlimm ist es nun auch wieder nicht.
00:24:28: Das ist
00:24:29: gut!
00:24:32: Literatur kannst du Berlin-Demut erziehen?
00:24:35: Das war natürlich der Plan.
00:24:38: Ich finde aber auch dass Berlin das in dem Roman erzählt wird und das sozusagen nach der Menschheit stattfindet irgendwie ganz reizvoll und idyllisch.
00:24:47: also ich wünsche mir natürlich eine Welt mit Menschen.
00:24:50: Aber dieses Gedankenspiel, damit was auch eine Ruhe
00:24:54: bedeutet
00:24:55: die so absolut ist weil eigentlich niemand mehr da ist.
00:24:57: Das hat mir im Schreiben als so ein rein fiktiver Ort oft auch irgendwie was geschenkt.
00:25:05: Mir ist gerade noch etwas zu den Orten eingefallen.
00:25:07: es gab vorhin in dem Stück das ich gelesen habe diese Stelle wo jemand mit den Fingern reingekratzt hat wir verrecken
00:25:14: hier
00:25:16: Und das ist mir gerade wieder eingefallen, weil da bin ich nicht hingegangen.
00:25:19: Da haben wir das allererste Messeralbum aufgenommen damals... Messer
00:25:22: ist die Band von Hannick O'Tremper?
00:25:23: Genau!
00:25:23: Das sind meine Band und da haben wir... ...zweitausend elf oder zwölf muss es gewesen sein.
00:25:31: Elf unser allererstes Album aufgenommen im Schwindel mit Christoph
00:25:34: Bartelt
00:25:37: im Wedding in so einem siffigen Keller.
00:25:40: Und da hat war das so in die Tür gekratzt.
00:25:42: Wir verrecken hier.
00:25:44: Das habe ich wieder ausgegraben.
00:25:46: Also wir hatten das nicht da reingekratzt.
00:25:49: Wir sind ja nicht verreckt!
00:25:51: Die Szenerie ist, dass es gibt den im Flughafen Tempelhof... ...gibt's einen Raumbahnhof?
00:25:59: Also ich weiß nicht genau was aus dem Volkswirtschaft... ...Tempelhof nicht bebauen geworden ist aber oft mal... Der wird
00:26:04: irgendwie gekippt.
00:26:05: Irgendwas wird er gekippte irgendwann.
00:26:06: und dann gibt es die letzten Bewohner... ...die noch evokiert werden zu einem fernen Planeten Und in der Stadt selber gibts neben dem Gräber Ein paar Versprengte, die aushalten und nicht wegwollen.
00:26:20: Warum?
00:26:22: Also sie wollen zum Teil nicht weg weil die auch irgendwie an der Erde
00:26:27: hängen
00:26:29: Und
00:26:31: ein Stück weit
00:26:33: verachten, die weggehen Weil dieses Die Erdeverlassen natürlich auch Resultat eines ganz schrecklichen Prozesses ist, weil am Ende es konnten nicht alle Menschen die Erde verlassen mussten, als sie nicht mehr bewohnbar war.
00:26:47: Und so sind natürlich nur die weggegangen, die sich das so gesehen leisten konnten – also eine Art Klassenfrage!
00:26:56: Es gab dann auch einfach nicht mehr viele Menschen, als diese dreißig Jahre während der Evakuierung losging nach Nectar II.
00:27:04: und die Menschen, die da zurückgeblieben sind, sind zum Teil erst innerhalb dieses Evakuierungsprozesses geboren worden.
00:27:13: Es gab dann irgendwie irgendwann keine Menschen mehr, die geboren werden.
00:27:17: Also das hat auch das Ende der Menschheit hier besiegelt
00:27:21: und die, die da
00:27:22: bleiben, bleiben zum einen da weil sie wollen aber auch weil sie gar nicht mit durften.
00:27:27: Die waren irgendwie nicht vorgesehen.
00:27:29: Die sind irgendwie aussätzlich zurückgeblieben, die sind verstoßen genau und es mischt sich bei denen so ein bisschen.
00:27:38: Und die sind inspiriert von von so einer Zeit in Berlin, in den Achtzigerjahren.
00:27:45: Als es hier irgendwie eine starke Hausbesetzer Szene gab und so einstürzende Neubauten die habe ich mir immer so vorgestellt
00:27:52: wie
00:27:52: die das so ganz ausgemergelt aussahen und uns in so engen Lederklamotten und die Wangenknochen stehen so hervor und die Augenringe und die wirren Haare und so... Wir wissen alle von wem ich rede.
00:28:04: Das waren so Figuren die ich irgendwie spannend fand weil die sahen ... da in den Achtzigerjahren nicht so aus wie Leute, die... ... also die sahen aus wie Menschen aus der Zukunft,... ... die nach dem Ende der Menschheit... ... da sind.
00:28:19: und das war so.
00:28:20: Das waren für mich so Inspirationen!
00:28:23: Wenn du Zeit reisen könntest,... ... ich habe mittlerweile eine gewisse Idee, wohin du reisen wollen würdest?
00:28:29: Aha!
00:28:30: Ja!
00:28:31: Erzähl!
00:28:31: Klingt so nach ein Achtzehren oder neunzehr vielleicht auch?
00:28:35: Weil es...
00:28:38: Ja, warum eigentlich nicht?
00:28:40: Also ich würde mir ganz viele Bands, glaube ich, gerne mal angucken und Leute treffen die es nicht mehr gibt.
00:28:46: Ich stell' mich ja auch...ich hab's ja leider nicht erlebt!
00:28:48: Ich bin in den Vierundachtzig erst geboren.
00:28:51: Ich hätte schon gerne so das Berlin der Achtziger Jahre kennengelernt.
00:28:54: Ich romantisiere das wahrscheinlich ein Stück weit auch.
00:28:57: Es war bestimmt nicht immer so doll wie ich mir das vorstelle Aber ich glaube schon, dass das ein Abenteuerspielplatz sein konnte und dass da tolle Sachen passiert sind.
00:29:06: Und dass es große Freiräume gab und dass es irgendwie ein spannendes Leben gab und das noch nicht alles so verkauft und delegiert und festgelegt und strukturiert war wie das mir heute oft vorkommt.
00:29:21: also Ich will jetzt gar nicht auf Berlin schimpfen weil ich habe sie hier ganz wunderbar und bin auch gerne hier
00:29:29: oft.
00:29:31: Mit unter?
00:29:32: Meistens, aber ich hätte schon gern auch dieses alte Berlin kennengelernt.
00:29:39: und ein Stück weit waren diese Ruinen durch die da in dem Roman geschritten wird vielleicht auch so eine Sehnsucht nach so einer Stadt wo sich was Neues auch formiert und verändert und wo ganz viel irgendwie drin stattfindet, wo
00:29:53: klar ist das wird weiter
00:29:54: reichen, dass wird irgendwie... Da wird etwas mit weitergeschehen.
00:29:59: Es gibt so eine ganz tolle Dokumentation, die ich neulich zum Wiederholten male dann wieder geguckt habe.
00:30:05: Die heißt Lichter aus dem Hintergrund wenn ich gerade richtig liege.
00:30:10: Vielleicht kennt ihr jemand es über einen Fotografen.
00:30:14: Paris heißt er mit Nachnamen, Mutter auch Fotografin gewesen.
00:30:21: Der spricht also toll drüber, was auch so der Mauerfall für ihn bedeutet hat.
00:30:25: Weil dann auf einmal klar wurde, jetzt verändert sich die Stadt
00:30:28: wieder.
00:30:29: aber all das, was für ihn der Abenteuerspielplatz war und diese ganzen Ruinen, die für ihn auch ästhetisch etwas bedeutete haben und wo auch eine Geschichte drin steckt und so... Das wird verschwinden!
00:30:38: Und er ist ganz melancholisch und fotografiert das alles.
00:30:41: Das hat mich so gepackt.
00:30:43: Er ist natürlich nicht gegen ... den Mauerfall und der sieht auch, dass irgendwie ganz viel Positives... ... dadurch passiert.
00:30:55: Aber er betraut das Dinge verschwinden genau.
00:30:59: Das kann ich irgendwie gut verstehen.
00:31:01: Den Begriff Abenteuerspielplatz merken wir jetzt mal für später?
00:31:04: Gehen wir noch auf ein Abenteuer-Spielplatz!
00:31:09: Und kommt zu einer weiteren Rubrik.
00:31:10: Sätze bitte des Schreibrituals.
00:31:13: Wie schreibt Henrik Otrembe?
00:31:16: Ah ja, Schreibritual.
00:31:19: Also ich bin schon so... Ich stehe morgens auf, bringe meine Tochter zur Kita-Fahr in mein Büro.
00:31:26: Ich habe so ein Schreibzimmer, Atelierzimmer was nicht in unserer Wohnung ist und da setze ich mich schon an den Schreibtisch und dann mache ich mir meistens Musik an.
00:31:35: Ich höre sehr gerne auch
00:31:36: Sachen die
00:31:37: jetzt nicht sehr textlästig sind chronig oder
00:31:41: so Jazz-Sachen,
00:31:43: also Sachen die eher eine Stimmung erzeugen.
00:31:46: Ich trink schon auch immer noch irgendwie einen Kaffee vorher und so.
00:31:49: Na ja ich frühstücke auch dann noch davor.
00:31:54: Wie genau willst du es wissen?
00:31:55: Ich putze mir unter anderem die Zehen.
00:31:59: Und dann sitze ich irgendwann da.
00:32:01: Ganz oft ist es so, dass ich dann erst mal auch wieder lese was ich schon geschrieben habe und versuche da irgendwie noch dran zu schmürgeln bis sich das Gefühl hab' Ich glaube jetzt so sehr daran, dass in den nächsten Satz komme.
00:32:13: Aber ja, ich brauche
00:32:14: Musik, ich brauch auch irgendwie Abschottung.
00:32:16: Also ich kann nicht im Café oder so schreiben.
00:32:18: Das halte ich für grobem
00:32:20: Unfug.
00:32:20: Und fährst du irgendwo hin?
00:32:22: Einsamer als Hienda
00:32:23: oder sowas In meinem Schreibzimmer, da verstecke ich mich schon so ein bisschen.
00:32:33: Da kann niemand reingucken.
00:32:36: Natürlich bin ich oft auch unterwegs weil ich Unterrichte in Zürich bin dann auch wegen der Band oder Lesungen oder Lehraufträgen oder was auch immer auch oft unterwegs und ich schreibe auch sehr gerne im Zug.
00:32:49: Ich würde sagen so vierzig Prozent von allem, was ich sehr geschrieben habe ist bei der Deutschen Bahn entstanden.
00:32:57: Wenn es dann auch länger dauert, das ist eigentlich auch geil!
00:32:59: Also ich freue mich immer über jede... wenn nicht irgendwie länger im Zug sitzen, schaffe ich das Kapitel noch oder so.
00:33:07: und ja.
00:33:09: also es gibt auf jeden Fall schon so kleine Rituale.
00:33:11: aber ich hab mir schon angewöhnt dass ich ziemlich ad hoc ins Schreiben kommen kann.
00:33:16: Du schreibst mit der Hand oder schreibt verschiedene Computer auf die Hände, du lässt schreiben und diktierst.
00:33:22: Ich schreibe mit der hand mit dem Füller ins Notizbuch erstmal eine ganze Weile im Fall von der Gräber wenn das auch mehrere Jahre wo ich erst mal wirklich notiert hab
00:33:33: manchmal auch schon
00:33:34: kleine Vignetten geschrieben habe.
00:33:36: Das war auch neu.
00:33:37: Bei dem Roman gab es das erste Mal so ein Prozess, wo ich mit dem ganzen Material was in den Jahren der Recherche und des Auslotens entstanden ist dann so umgegangen bin dass sich mir alles kopiert und ausgeschnitten habe und in einem riesigen Arbeitsbuch arrangiert habe sodass es wirklich irgendwie sowas gab wie eine Grundlage für den Roman ... war dann oft eine Transkription von dem, was ich handschriftlich geschrieben hatte am Computer.
00:34:06: Und das meiste schreibe ich dann aber am Computer... Ich habe
00:34:09: so einen großen alten
00:34:12: iMac-Mirma gekauft für mein Büro,... ... wo ich dann auch wirklich nichts anderes sehe.
00:34:17: Das ist dann alles so vor mir und ich hab aber auch ein Laptop mit dem ich wenn ich unterwegs bin oder wenn ich mal zu Hause bleibe schrei be.
00:34:26: Also der überwiegende Teil entsteht schon an einer... herkömmlichen Tastatur.
00:34:32: Machen wir noch eine Rubrik Literatur-Bubblegum über die Literatur Szene, bei der Gelegenheit erzähle ich mal kurz ein bisschen was über dich, Hanniko Trömer stammt aus Recklingenhausen, das ist im Ruhrgebiet, hat es seit Jahrzehnten in Münster die Avogadpostpunkband Messer.
00:34:48: Das klingt gut hier!
00:34:49: Bitt begründet, deren Cover du auch gestaltest und bist auch bildender Künstler.
00:34:54: Da könnten wir jetzt noch ganz lange drüber reden.
00:34:57: Du hast neben Roman Kürzig auch essays über die Band Cannes herausgegeben und lebst seit zehn Jahren in Berlin das Viertausend Siebsten beim Verbrecherverlag der ersten Roman, über uns ja Schaum veröffentlicht.
00:35:08: Auch schon eine Dystopie?
00:35:09: Auch schon... Ja, ja.
00:35:11: Ja, genau.
00:35:13: Bist du im Berlin zum Schriftsteller geworden?
00:35:16: Ja stimmt glaube ich schon!
00:35:18: Ja, also da hatte ich dann auf jeden Fall... Da ging es los.
00:35:21: Also warum
00:35:22: Berlin und nicht Münster?
00:35:23: Ich will jetzt kein Münsters Aufer machen!
00:35:25: Genau, ich habe dann noch in Münster gelebt und war aber schon als ich mit dem Roman
00:35:29: anfing.
00:35:30: mit dem
00:35:30: Ersten war ich schon sehr oft hier in der Stadt weil meine Freundin hier lebte und ich die einfach oft besucht habe.
00:35:40: Aber ich hab in Münstern angefangen zu schreiben.
00:35:45: Das werde ich auch nie vergessen.
00:35:48: Es gab in Münster meine ganz schreckliche Überschwemmung.
00:35:54: Da gibt es sogar eine WDR-Dokumentation drüber und so, das ist irgendwie viel verarbeitet worden.
00:36:00: da sind auch Menschen bei uns leben gekommen Und ich war damals in ne neue Wohnung gezogen auf der Kanalstraße.
00:36:06: Ich hätte's ahnen können
00:36:08: als dieser krasse
00:36:09: Regen anfing und ich habe mir das dann mit dem Schreiben damals auch romantisch vorgestellt.
00:36:13: Das muss so im Jahr zweitausendfünfzehn sein Und ich hatte mir tatsächlich so ein Glas Rotwein eingeschüttet, hätte mich in meiner neuen Wohnung an meinen Schreibtisch gesetzt und wollte jetzt irgendwie anfangen mit dem Roman.
00:36:24: Der
00:36:25: fängt
00:36:25: auch im Regen an der erste Roman und es regnete und das passte so gut.
00:36:30: Und irgendwann guckte ich so raus und dachte, das riecht
00:36:32: ganz schön doll!
00:36:34: Und irgendwie diert der Bürgersteg ist schon nicht mehr zu sehen und so... naja und das lief darauf hinaus dass wir dann mit der versammelten Nachbarschaft eine ältere Dame, die im Haus wohnte aus dem Keller retten mussten.
00:36:45: Dass ich meine ganzen Sachen verloren habe, die noch im Keller irgendwie schlummerten und nicht ausgepackt waren.
00:36:50: Und es war wirklich ein krasser Roman-Schreibbeginn.
00:36:57: Kein gutes Omen eigentlich!
00:37:00: Jetzt hast du dein viertes Buch beim Großartigen Märzverlag gemacht?
00:37:04: Großartigem März...
00:37:06: Du musst immer noch die Geschichte erzählen, wie du eigentlich zum Märzverlack gekommen bist.
00:37:10: Es hatten mit der Fahimibar zu tun und am Ende hatten Leute Corona?
00:37:14: Ja beziehungsweise acht Millimeter.
00:37:17: war es glaube ich oder waren wir auch noch... Ich erinnere mich nicht mehr so gut an den Abend.
00:37:20: vielleicht waren wir irgendwann in der FAHIMIBAR.
00:37:22: Habe ich so ignoriert
00:37:24: aber?
00:37:24: Es
00:37:24: war mitten in der Pandemie Und man durfte
00:37:30: aber das erste Mal
00:37:31: wieder offiziell in den Clubs gehen.
00:37:34: Das Wetter
00:37:35: wurde irgendwie ein bisschen besser und wärmer, die Zahlen gingen zurück und so... Mein lieber Freund Thorsten Nagelschmidt, der, den ich entschuldigen musste, er wollte heute kommen, der
00:37:43: krenkelt leider
00:37:46: Der und seine Partnerin Julia Krumhauer und Verena Brüning, eine Freundin von mir.
00:37:51: Und ich, wir waren bei der Märzgesellschaft eingeladen worden bzw.
00:37:55: Nagel hat er, also Thorsten Nagelschmidt hat da gelesen aus seinem Buch Arbeit glaube ich.
00:38:01: Die März-Gesellschaft ist so ein Zusammenschluss von exzentrischen Kunstschaffenden Literatur schaffenden von intellektuellen von wahnsinnig netten lustigen
00:38:15: Menschen
00:38:16: Und Nagel hat mich gefragt, ob ich mitkommen will und ich bin damit hin.
00:38:20: Ich hatte
00:38:20: mich gerade mit meinem Verlag Hoffmann & Kampel überworfen damals, hatte mich von meiner Agentin Elisabeth Ruge im guten Getrennt aber getrennt, hatte den Manuskript von Benito damals in der Tasche an das sich irgendwie grade so fast den Glauben
00:38:36: verloren
00:38:36: hatte, war durch eine schwere Krise irgendwie durchgeschritten... ...und hatte mir die Fassung des Romans am Tag ausdrucken lassen und binden lassen.
00:38:45: Vielleicht dachte ich, sei fertig!
00:38:47: Das ist immer so ein Ritual.
00:38:50: Und bin dann mit Nagel & Julia zur Märzgesellschaft.
00:38:54: Nagel hat da gelesen...
00:38:56: ...und dann
00:38:57: habe ich Barbara-Kalender
00:38:59: kennen
00:38:59: und lieben gelernt die heute auch hier ist.
00:39:01: Da vorne sitzt sie.
00:39:03: Genau, und die kamen zu mir wie Barbara das macht noch.
00:39:06: Wer bist du?
00:39:07: Und dann habe ich ihr Kachelbatzerbe als kleines Gastgeschenk mitgebracht und dann haben wir uns unterhalten.
00:39:14: Ich hab ja auch erzählt von dem Roman, den ich in der Tasche hatte – also wirklich in der Tasche hatte.
00:39:20: Ohne Hintergedanken!
00:39:21: Ich wollte...ich hatte gar nicht den Plan, den bei März irgendwie zu platzieren.
00:39:26: Es war nur wirklich so, dass ich den gerade dabei hatte und mir den irgendwie ausgedruckt und hatte binden lassen.
00:39:31: Genau.
00:39:35: war die Lesung von Nagel ganz toll und dann sind wir noch alle zusammen in der Acht Millimeter-Bar.
00:39:40: Das war damals noch Friedrichstraße, die Ecke in der alten Redaktion des Magazins das Magazin.
00:39:47: Und dann haben wir uns alle Corona geholt in der acht Millimeter Bar.
00:39:51: Ich glaube es war ziemlich genau um sechs Uhr für den dreißig Morgens.
00:39:54: Oder ist
00:39:56: auch nachverfolgt damals oder?
00:39:58: Ja!
00:39:59: Also ich will sagen, das war irgendwie eine lange Nacht und es klingt vielleicht zynisch.
00:40:06: Aber es hat sich gelohnt.
00:40:07: Ich habe es dann gut überstanden zum Glück.
00:40:09: Ich war am nächsten Tag noch in diesem neuen Batman-Film – ich hoffe, ich hab niemanden angesteckt!
00:40:13: Da wusste ich ja noch nicht, dass ich Corona habe.
00:40:15: Ich dachte, ich sei nur verkartert.
00:40:16: Und dann rief mich
00:40:19: an dem Tag,
00:40:20: glaube ich, noch Barbara Kalender an und sagte «Du, Kachelbeitz Erber habe ich heute Nacht durchgelesen.
00:40:27: Das gefällt mir wirklich super».
00:40:29: Und möchtest du nicht mal mit dem Richard, dem neuen Verleger sprechen?
00:40:33: Du hast doch gestern von diesem Roman erzählt.
00:40:35: Und dann haben wir eine Woche später den Vertrag unterschrieben und fünf Monate später kam der Roman im Märzverlag raus.
00:40:43: Ja genau so war das!
00:40:45: Da bin ich immer noch aus vollster Überzeugung und mit großem Glück.
00:40:48: Das ist nämlich wirklich ein ganz hervorragender Roman und es sind vor allem auch zwei wahnsinnig tolle Menschen die sich was trauen so viel auch tun für einen und für die Literatur.
00:41:00: Und das sind meine Helden, Barbara und Richard.
00:41:10: Wir beide sehen uns ja mindestens einmal im Jahr im literarischen Köln-Lockmann in meinem Sommer fest.
00:41:14: Wir sehen uns zum Glück
00:41:16: häufiger?
00:41:16: Ja!
00:41:16: Aber auch
00:41:17: wenn wir... Auch da!
00:41:19: Genau.
00:41:20: Was sind denn so Orte wo du Literatur Rezipierst, wo du hingehst oder bist du eher der, der nur für sich ist und nichts hören will was die anderen so machen?
00:41:28: Ich muss sagen dass ich schon mich stark zurückziehe und auch ehrlich gesagt nicht viel
00:41:36: zeitgenössische
00:41:37: deutschsprachige Literatur lese, was überhaupt kein Werturteil ist.
00:41:41: Und immer wieder packt es mich doch – ich finde an Sachen so spannend oder auch Menschen die schreiben so reizvoll, dass sich doch etwas lesen, aber ich habe mir das ein bisschen verpflichtet.
00:41:51: Ich lese sehr viel, nicht das, was gerade irgendwie so angesagt ist und irgendwie so Thema ist.
00:41:58: Weil ich mich ein bisschen davor auch schützen will für mein eigenes Schreiben weil ich irgendwie daran glaube dass man besser zu einer eigenen Stimme findet wenn man unbeeindruckt durch die Zeit irgendwie geht.
00:42:11: Deshalb gehe ich meistens wirklich nur auf so Lesungen oder so wenn es Menschen sind mit denen ich eng befreundet bin und die ich irgendwie gut kenne also bei Nagel zum Beispiel wenn der liest dann komme ich immer klar oder so, von Marius Goldhorn.
00:42:26: den letzten Roman mochte ich sehr gerne Dorothea Elminger und so.
00:42:29: Also es gibt Sachen die finde ich einfach gut und die sind dann so gut dass sich da auch irgendwie keine Angst habe.
00:42:35: irgendwie.
00:42:38: also ja ich lese schon so Sachen
00:42:39: aber
00:42:40: so
00:42:40: die Orte
00:42:41: gibts deshalb für mich nicht so wirklich.
00:42:43: also ich
00:42:43: gehe gerne
00:42:43: zur Merzgesellschaft die im Buchhandlungskeller im neuen Tagt und so da begegne mit einem natürlich immer mal wieder was.
00:42:52: Ich lasse mich auch wahnsinnig gern von Barbara und Richard mitschleifen zur Veranstaltung.
00:42:58: Und es gibt jetzt seit
00:42:58: Kurzem
00:43:00: auf der reichen Bergerstraße Hundertfünfzig die neuen Räumlichkeiten des Märzverlags, die wunderschön sind.
00:43:07: Die werden immer noch nicht ganz fertig, wenn immer noch renoviert aber Barbara sitzt da schon, Richard sitzt da Glück und werden wahrscheinlich dann bald mit den Augen rollen, aber das ist ein literarischer Ort an dem ich in Zukunft häufiger pilgern werde.
00:43:24: Genau!
00:43:25: Und
00:43:25: wenn ihr keine Zeit habt, könnt ihr mir das
00:43:27: auch mal sagen?
00:43:28: Dann setze ich mich
00:43:29: allein dahin.
00:43:32: Dann lass uns doch zur zweiten Lesestelle kommen weil das wie du mir vorhin sagtest eine der Lieblingsstellen von Richard ist.
00:43:38: Ja genau also Richard hat gesagt dass er die beste Stelle im Romanien dachte ich misst was es mit den ganzen anderen stellen Und die lese ich total gerne, weil das ist auch meine Lieblingsstelle oder mit einer meiner Lieblungsstellen.
00:43:52: Das traf sich einfach gut, dass du sie auch magst, Richard.
00:43:56: Es ist eh gut wenn der Lektor und Verleger dem Obanen
00:43:59: mag.
00:44:00: Kann man als Autor Lieblingstellen haben?
00:44:02: Ist es nicht so...
00:44:02: Ja, kann man.
00:44:03: Ich liebe das Kind mehr als ein anderes Kind.
00:44:04: Auf
00:44:05: jeden Fall!
00:44:05: Also ist er bei Familien auch oft so.
00:44:12: Meine Tochter ist Einzelkind.
00:44:14: Deshalb sage ich das jetzt mal so frech.
00:44:16: Ich finde, ein Roman ist nur gelungen und ich gebe auch einen Roman nur ins Lektorat.
00:44:21: Und trenn mich nur von dem Text wenn ich das Gefühl habe alle Stellen sind gleich gut.
00:44:27: Also ich würde nicht irgendwas abgeben wo ich noch irgendwo
00:44:30: Zweifel
00:44:31: hab und so.
00:44:32: Ich bin sehr streng und habe dann sehr hohen Anspruch an mich.
00:44:37: aber es gibt definitiv Stellen die an Dinge geknüpft sind die man gesehen hat oder in diesem Fall, was ich gleich vorlesen nicht erlebt habe.
00:44:47: Denken Sie nichts Falsches von mir?
00:44:50: Es gibt so Stellen da ist irgendwas oft eingefangen, das für einen in irgendeiner Art leuchtet oder besonders ist wo man vielleicht auch eine Erinnerung mit verknüpft und das sind dann manchmal Sachen die lesen sich dann für einen genauso schön wie alles andere.
00:45:05: aber da ist das Gefühl irgendwie noch mal anders Genau.
00:45:09: Und die Stelle, die ich jetzt lese... Das ist so eine Stelle aber nicht weil ich das erlebt habe.
00:45:14: Das möchte ich jetzt nochmal kurz einmal hier sagen falls auch vielleicht irgendwie Leute die beim Jugendamt arbeiten anwesend sind oder so.
00:45:21: Das ist nicht autobiografisch
00:45:23: okay?
00:45:24: Gut!
00:45:26: Du setzt die Erwartung heute ganz hoch ne?
00:45:29: Ja,
00:45:32: will nur nichts riskieren.
00:45:34: So, soll ich lesen?
00:45:36: Unbedingt
00:45:37: Blitze, Donnergrollen.
00:45:39: Die Jahre mit Charlotte
00:45:40: und Lucy.
00:45:41: Mit Charlotte bevor sie weggelaufen ist weil er nicht alt hat und sie das nicht ertragen konnte,
00:45:46: nicht
00:45:46: erteagen wollte und wegen anderer
00:45:48: Dinge einer
00:45:48: ganzen Reihe anderer Sachen
00:45:50: alles ziemlich
00:45:50: verworren verfahren und sie da schon nicht mehr in der Lage Lucie mitzunehmen.
00:45:54: Lucie die dann aber ohnehin beim Vater bleiben wollte die jetzt auf seinen Schultern sitzt Da ist die Mutter seit zwei Jahren fort Jetzt ist sie zwei Jahre fort Schreibt ab und an Aber
00:46:04: sie
00:46:04: ist weg.
00:46:05: Und dass es schwer Postkarten.
00:46:07: Und Oswald, der ist betrunken und Lucif verliert die ersten Milchzähne und sitzt auf seinen Schultern und schläft ständig ein denn es ist mitten in der Nacht.
00:46:15: und Oswald er ist richtig betrunken total betrunkem Der torkelt mit dem Schlafenden Kind auf den Schultern das aber so weiß er ja doch eigentlich im Bett liegen sollte schlafen sollte um diese Uhrzeit und Er meint wieder die Flugzeuge zu hören Die verdammten Flugzeug Aber die kann er ja gar nicht hören Nicht jetzt.
00:46:31: Was ist das für ein
00:46:32: Geräusch?
00:46:33: Oswald Kerzenrauch, der sich aufopfernde Rabenvater Saufkopf und Verlierer ist mit seinem Kind in der Kneipe gewesen.
00:46:40: Bis gerade eben bis er wird ihm gesagt hat dass er jetzt gehen muss.
00:46:43: und da hat er die schlafende Lucy auf den Arm genommen und die Zigarette brennt im Ascher gelassen und hat auch sein schmieriges Glas stehen lassen und ist mit ihr auf die Straße hat sie sich auf die Schultern gesetzt und ist losgetorkelt.
00:46:55: Und da ist er jetzt, auf der Straße schläft bald im Gehen das mehr ein Kampf nach vorne ist.
00:47:00: Ein Stolpern Schritt für Schritt mit der wunderschönen Lucie auf den Schultern und erschämt sich und weiß dass er versagt hat.
00:47:05: Und Lucie sitzt schwer auf seinen Schultern!
00:47:08: Und er hält ihre Füße ganz fest um greift ihre Fußgelenke passt auf... ...dass sie nicht aus ihren viel zu großen Winterstiefeln rutscht und ihm entgleitet so dass ihr runterfällt sich verletzt Das wäre das Schlimmste.
00:47:18: aber er weiß auch nicht weiter.
00:47:20: Sie müssen jetzt einfach nach Hause.
00:47:22: ein Polizeiauto fährt vorbei.
00:47:25: Er will weg, muss weg in die Wohnung, muss nur zurück in die Wohnung und morgen macht er ihr Frühstück und macht es wieder gut.
00:47:32: und dann unternehmen sie was und gehen in den verdammten Zoo oder schwimmen oder in die Bücherhalle.
00:47:37: aber erst schlafen sie aus und dann trinkt er nicht mehr.
00:47:39: und dann wird er wieder älter.
00:47:41: und dann kommt Charlotte zurück und sie leben wieder zu dritt und kriegen ihr Leben wieder in den Griff.
00:47:46: Ein Hund bellt aus einem Hinterhof.
00:47:50: Oswald hebt das schlafende Kind auf ein Verteilerkasten.
00:47:53: Ein Stromkasten fischt sich eine Zigarette aus der fleckigen Jacke, zündet sie umständlich an, hustet, spuckt.
00:47:59: Lucy kippt langsam zur Seite, er packt sie am Anurack.
00:48:01: gerade eben noch belegt sich mit einem Fluch.
00:48:04: Flucht entschuldigt sich bei ihr und Gott und der Welt und verflucht Charlotte.
00:48:08: Schmeißt die Zigarette weg schaut Lucy an dieses Wunder.
00:48:11: Sie reibt sich die Augen zu müde zum Wein mehr in Trance zwischen Schlaf- und Wachzustand.
00:48:16: Oswald schämt sich.
00:48:19: Er atmet ein paar Züge der kalten Winterluft ein, ist jetzt klarer, hebt Blut sie wieder auf die Schultern und sie gehen weiter.
00:48:26: Sie hält sich an seinen Haaren fest,
00:48:28: Papa sagt sie, Papa
00:48:30: ich bin so müde!
00:48:31: Er fasst
00:48:32: sich an den
00:48:32: Kopf, wo ist die Mütze in der Jackentasche?
00:48:36: Gut Er hat nur die eine und am Montag, wenn sie im Kinderladen ist muss er raus und Geld besorgen.
00:48:41: Und dann braucht er die Mütze denn es ist richtig kalt und der will sich nicht bestrafen Denn wenn er sich bestraft, dann belohnt er sich auch wieder und dann macht da wieder Unsinn und trinkt.
00:48:49: und das darf
00:48:49: nicht mehr passieren Weil er dann nicht richtig
00:48:51: auf Sie aufpassen
00:48:52: kann und plötzlich
00:48:53: mitten in der Nacht mit ihr Auf dem Bürgersteig unterwegs ist wo sie nicht hingehört Nicht um diese Uhrzeit.
00:49:00: Und wie er damit hier lang
00:49:01: läuft
00:49:01: denkt er also an Charlotte An Ihr Lachen und Wie sie getanzt haben zu dritt In der Wohnung als Lucy gerade laufen konnte und wie sie dann zu zweit getanzt haben, als Lucy eingeschlafen ist.
00:49:12: Und das ist doch noch gar nicht lange her!
00:49:14: Das war doch grade eben.
00:49:15: da kommt er doch wieder hin kommen Sie doch wiederhin.
00:49:18: Er hat die Wohnung geliebt.
00:49:20: Die Wohnung im Keller dunkel und etwas feucht aber gemütlich und geschützt mit den Decken und dem alten grünstichigen Fernseher der quietschenden Couch.
00:49:29: Da wars gemütlig da unten im Keller wo sie ihre Kleider auf Wäscheleinen spannen Kreuz und quer durchs ganze Zimmer.
00:49:36: Wenn er nur wieder dort sein
00:49:37: könnte, sie
00:49:37: nur wieder da sein könnten.
00:49:39: Dort wo es tropft, wo es riecht in Armut aber zu dritt.
00:49:43: Das war doch das Glück.
00:49:44: ein paar Jahre Glück und nun noch ärmer zu zweit.
00:49:48: Und jetzt ist der besoffen und Charlotte ist weg und Lucy sitzt auf seinen Schultern und erschämt sich vor ihr vor Lucy vor Charlotte vor der Welt.
00:49:55: Es is vollmund.
00:49:56: Jetzt fährt keine Bahn mehr kein Bus und für einen Taxi reicht das Geld nicht.
00:50:02: Sie kommen vorbei an Imbissbuden, an Spetis.
00:50:04: An Geschäften, deren Fenster unentwegt erleuchtet sind aus denen es flackert schieben sich entlang an verrammelten Läden, an eingeworfenen Scheiben und ausgebrannten Laden lokal in Brachflächen zwischen zwei Häusern an Unkraut gesättigt und voller Müll und Unrat.
00:50:18: der Fahren bewegt sich wenn er doch sein Fahrrad dabei hätte.
00:50:21: aber Das Fahrrad ist auch weg.
00:50:23: Ist kaputt, steht irgendwo abgeschlossen und verrottet.
00:50:26: das Fahrrad mit dem er sie immer rumgefahren hat Sie vorne im Korb juchzend aber dafür ist es jetzt zu schwer, zu groß Und der könnte eh nicht mehr fahren.
00:50:35: in diesem Zustand also muss er laufen, muss er sie schleppen und wenn er langsam macht dann geht's ja auch Nicht mehr weitern sind
00:50:41: sie Zuhause
00:50:42: oben Endlich in der Wohnung wo er auch Wäscheleinen aufgehängt hat Kreuz- und Quer wie das Charlotte gemacht hat
00:50:49: nur nicht so
00:50:50: gut.
00:50:51: Nichts gelingt ohne sie.
00:50:53: Ach, Charlotte!
00:50:54: Warum hast du uns verlassen?
00:50:57: Wenn er an Sie denkt, denkt er an ihr Lachen und an den
00:51:00: Klang ihrer Stimme
00:51:01: Und wie sie ihm über den Kopf streicht als sei ein kleiner Junge.
00:51:04: und er denkt daran Wie sich Ihr grauer Pullover anfühlt, den er so mag Wer sich angefühlt hat und wie sie manchmal stundenlang dargesessen ist und aus dem Fenster gestarrt hat und ihr Blick aber eigentlich ganz woanders hinging in eine ferne Welt zu der er keinen Zutritt hat der bis heute nicht kennt und in der sie alleine ist, und er ein Außenstehender.
00:51:24: Er will jetzt nach Hause kommen durch das tropfende Treppenhaus in den Keller steigen Sie liegt im Bett und sie legen
00:51:30: sich dazu aber sie müssen die Treppe
00:51:33: hoch müssen jetzt die endlose Treppe
00:51:35: Hoch.
00:51:46: Also einer der vielen Sachen die ich an deinem Roman beeindruckend fand war dass du einerseits dieses Bild eines zerstörten Berlins zeichnest Aber andererseits überall auch wieder Moment der Hoffnung, der emotionalen Zärtlichkeit, der näherfindest.
00:52:02: Wusstest du dass du diese Elemente brauchst um die Finsternis des Daseins im Jahr ein bisschen zu erhellen?
00:52:13: Nee das war anders.
00:52:17: also eigentlich wollte ich gar nicht so einen düsteren Roman schreiben.
00:52:22: eigentlich wollte auch viel mehr Licht und Und schön ist und so.
00:52:28: Mir liegt das einfach nicht, ich kriege das nicht so gut hin.
00:52:32: Das ist auch so schnell auserzählt, dass Schöne
00:52:34: und Gute.
00:52:36: Ich glaube schon – und das meine ich jetzt
00:52:40: als Fan
00:52:40: von Sachen, von Musik, von Literatur, von Film –
00:52:44: dass da wo
00:52:45: was düster ist die Chance besteht, dass die Sachen, die sehr schön sind dann umso mehr
00:52:51: strahlen
00:52:51: können und dass auch die Intensität des Schönen, des Glücklichen und des behaglichen intensiver sein kann.
00:53:01: Zumindest geht mir das so wenn ich Sachen mir mal so angucke, die ich einfach gut finde, dass oft da wo auch
00:53:08: andere Sachen
00:53:09: erzählt werden und wo auch irgendwie Dunkelheit zu spüren ist, dass sich da auch immer ein wahnsinnig positives Gefühl finden kann weil eben
00:53:17: das was
00:53:18: gut ist umso stärker erscheint.
00:53:21: Wenn
00:53:21: alles dunkel ist, dann ist dies eine Lichtstrahlung heller?
00:53:24: So ja und das ist irgendwie bei dem Roman dann auch immer mehr so gekommen dass diese Sachen zum einen irgendwie ein Kontrast gebildet haben und dann aber irgendwann auch uneindeutig
00:53:36: wurden.
00:53:37: also es gibt
00:53:37: Stellen in diesen Vignetten die
00:53:39: über den ganzen Roman verstreut sind die chaotisch aus der Vergangenheit kommen und Erinnerungen des Oswald-Kerzenrauchs sind.
00:53:45: Die Tiefenbohrung
00:53:47: oder?
00:53:47: Das sind ganz oft auch Stellen wo es kippt oder nicht mehr klar ist, auch mal ins Gute wiederkippt und so die irgendwie auch Ambivalenzen in sich tragen.
00:53:58: Und dann gibt's auch ganz viele Sachen in diesem schrecklichen zerstörten ruinierten Berlin, die ich ganz idyllisch und angenehm finde und die ich als Bilder wenn ich die vor mir sehe auch ganz behaglich finde.
00:54:09: Es gibt so eine Vignette da ist eigentlich schon alles vorbei und zerstört Da gibt es noch Wiesen und so, das ist noch bevor alles ganz schlimm wird.
00:54:20: Und da steht ein verrostetes Auto.
00:54:25: Das ist für mich wie so einen Sehnsuchtsort.
00:54:27: Wenn ich gestresst bin, stelle ich mir das vor.
00:54:31: Auch in diesem Schrecken decken dann irgendwie Dinge die ich auch schön finde.
00:54:35: Also es ging nicht strategisch darum diese Dinge zu erzählen um dem Dunkeln Licht zu geben sondern das sind Dinge die gehören eben zusammen.
00:54:44: Es ist eins.
00:54:46: So wie es jetzt auch
00:54:47: eins ist.
00:54:49: Hast du weniger Angst vor der Zukunft, weil die Gegenwart gerade schon so schwierig ist?
00:54:54: Hast Du Angst für die Zukunft überhaupt?
00:54:56: Ja also ich denke schon manchmal Gott Wie soll das alles werden?
00:55:01: und natürlich Also wir leben ja auch einfach in einer krassen Zeit wo diese Fragen die ganze Zeit da sind.
00:55:15: Ja, also ich habe für mich auch Strategien gefunden damit umzugehen.
00:55:20: Ich weiß nicht was mit mir wäre wenn ich jetzt nicht so das schreiben und das Musik machen und all das hätte
00:55:25: wo man es auch hinschaffen
00:55:26: kann und wo ich auch für mich überhaupt eine Möglichkeit finde mich mit Dingen auseinander zu setzen Und auch das Gefühl hab daraus irgendwie zu schöpfen und etwas zu machen Was sich dann anfassen kann und Wo ich weiß ich habe vielleicht Für mich auch Ängste gebändigt oder so.
00:55:41: Also das spielt auf jeden Fall eine Rolle, ja und ich versuch aber schon irgendwie auch so in meinem Alltag mich dem zuzuwenden was auch irgendwie schön und glücklich ist ohne Sachen irgendwie zu ignorieren oder zu leugnen.
00:56:03: Ich lache es schon sehr, sehr viel und auch ernst gemeint nicht jetzt so sadonisch oder sarkastisch.
00:56:11: also Ich lache
00:56:14: gerne, ja.
00:56:15: Kann ich total bestätigen?
00:56:17: Da komme ich jetzt wieder mit der kitchenschiologischen Frage um die Ecke.
00:56:21: Lagerst du deine dunkle Seite in deiner Kunst aus?
00:56:23: Ja schon glaubt, glaube schon!
00:56:25: Also wenn
00:56:28: nicht schreiben würde
00:56:29: wäre ich wahrscheinlich auch ein gefährlicher Psychopath.
00:56:33: Vielleicht,
00:56:34: ich weiß es ja nicht
00:56:35: zum Glück.
00:56:37: Schreibt bitte weiter.
00:56:40: Weiter schreiben und nett bleiben.
00:56:41: Genau Wie sehr leidet Oswald an der Unsterblichkeit?
00:56:45: Also, er spielt ja auch mit ihr.
00:56:48: Er springt einmal kopfüber in so eine Champagnerpyramide...
00:56:52: Ja!
00:56:53: Das will ich auch mal gerne
00:56:54: machen.
00:56:55: Das würde ich mir gern als Film sehen möglicherweise.
00:56:56: Er trinkt zu viel aber was stört ein unsterblichende Leber zur Rose und überlebt seine eigene Hinrichtung.
00:57:05: Willst du dir das Schicksal herausfordern oder ist es schon langeweile?
00:57:08: oder was ist es?
00:57:10: Also an dem Punkt Der Hinrichtung ist es schon auch der Versuch aus einer lange, währenden Gefangenschaft zu entfliehen.
00:57:19: Also er wird hingerichtet ohne sich das auszusuchen aber das ist für ihn dann auch so eine Art Entkommen.
00:57:27: Genau und ja...
00:57:31: Aber er sucht doch die Gewalt gegen sich?
00:57:32: Er sucht schon ne Gewaltgegen sich zumindest in gewissen Lebensphasen In der Hauptebene des Romans im Jahr two-tausend-einhundertsechsenneunzig er sehr ruhig geworden, sehr gemäßigt geworden.
00:57:45: Trinkt auch nicht mehr so arg und ist irgendwie schon ... Er wird auch von den zurückgebliebenen die noch da sind, schon als eine Art Weiser empfunden, auch wenn er das nicht sein will.
00:57:58: Und er bleibt auch irgendwie ein ganz einfacher Mensch aber... Da ist er schon irgendwie leise geworden.
00:58:05: und der hat aber ne Phase
00:58:07: im Leben, die in diesen Vignetten
00:58:09: auch erzählt wird.
00:58:09: Die schon ziemlich
00:58:11: wild ist und
00:58:11: die auch fast was sehr selbstzerstürerisch Autoaggressives
00:58:15: hat.
00:58:16: Ja genau das ist kein Punk-Roman aber man könnte schon auch sagen dass er in dieser Zeit irgendwie ein...
00:58:22: auch so etwas wie ein
00:58:23: Punk ist.
00:58:25: Du hast eine Poetik, du hast eine Tour an der Uni Münster gehabt.
00:58:29: daraus ist das Buch das Dronische Schreiben, die erzählen entstanden?
00:58:35: Auch erschienen
00:58:35: im Märzfall
00:58:36: Auch im März-Vertag erschienen?
00:58:38: Was so dein künstlerisches Prinzip beschreibt, wo du
00:58:40: es für dich,
00:58:41: so ob ichs verstanden selber geahndet hast.
00:58:44: Erklär das mal!
00:58:44: Es hat ja mit dem Wort Drohnen zu tun was gerade auch ein komisch klang hat.
00:58:48: Ja, das stimmt aber vor bedrohlichen und merkwürdigen Klängen habe ich nicht so Berührungsängste... Das
00:58:59: ist mich schon aufgefallen.
00:59:02: Also eine Poetikdutzentur ist einfach sozusagen die Aufforderung eines germanistischen Instituts einer Uni.
00:59:10: Es gibt es an verschiedenen Unis in Deutschland, das wird meistens alle zwei Jahre verliehen.
00:59:16: Die sprechen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Dramaturgen, wen auch immer an Leute, die irgendwie schreiben, dass man in drei Vorlesungen meist öffentlich über sein schaffen Auskunft.
00:59:28: gibt.
00:59:28: und ich habe das sehr ernst genommen, aber einfach erzählt wie ich arbeite.
00:59:32: Und auch so ein bisschen Revue passieren lassen, wie ich gearbeitet hab und hat mir das dafür zum ersten Mal selber eigentlich so richtig angeguckt.
00:59:40: Vorher dachte ich immer naja läuft ja irgendwie warum soll ich jetzt darüber nachdenken wie es funktioniert?
00:59:45: Ich hatte auch Angst dass es so ein bißchen versiegen könnte wenn ich zu gut verstehe wie's funktioniert.
00:59:51: Und dann habe ich das aber gemacht, weil ich das auch als Wagnis
00:59:55: interessant
00:59:56: fand.
00:59:56: Weil so eine Poetik-Duzentur
00:59:58: sich glaube ich in der Karriere eines Schriftstellers nicht schlecht macht und es war sehr gut bezahlt muss ich auch zugeben ja.
01:00:06: Und ich fand's irgendwie auch gut, weil Ich hab da auch studiert wo ich die Poetic Duzenture gehalten habe um dass so die ganzen Professorinnen und Professoren dann mal da saßen und mir zuhören mussten, neunzig Minuten, das fäll' ich auch irgendwie ganz gut.
01:00:18: Aber erklärst du mal mit der Drohne?
01:00:20: Das
01:00:20: Drohnen schälen!
01:00:21: war für mich so eine Art Hilfskonstruktion, um das was ich letztlich er mache.
01:00:28: Also mich möglichst flexibel und möglichst unvereingenommen in verschiedenen Disziplinen
01:00:36: bewegen,
01:00:38: was sich damit verbildlichen wollte und die Drohne als ein Objekt dass sich bewegen kann, dass nah ran gehen kann, was nicht von einem Menschen besetzt ist aber irgendwie menschlich gesteuert ist was nicht bemerkt werden kann, was gefährlich sein kann oder hilfreich.
01:01:01: Eine Drohne ist ja auch wenn es dieser Tage anders erscheint, das ist ja nicht per se etwas schlechtes.
01:01:06: sie kann auch jemanden der verschüttet wurde in den Bergen ausfindig machen oder was weiß ich?
01:01:12: Die Hälfte der ZDF-Filme, irgendwie Film von Oma.
01:01:18: Also das ist ja... ZDf.
01:01:21: Zuschauer jetzt?
01:01:22: Ja, ich liebe das ZD F und das sagen wir Musikvideos oder keine Ahnung?
01:01:31: auf jeden Fall habe ich die Dastronische erzählen so genannt weil es für mich einfach als Bild gut funktioniert hat um deutlich zu machen wie Ich vorhin
01:01:42: geschildert
01:01:43: habe etwas mit einem Gedicht anfängt, das zu einem Musikvideo, zu einem Song einer Solo-Platte wird und sich dann in eine Romanfigur transferiert.
01:01:51: Wenn man das erklären soll... So war mein Eindruck, braucht man etwas an dem man es irgendwie festmachen kann?
01:01:58: Das fiktiv ist auch wiederum!
01:01:59: Und so hab ich das als ne Art erzählerische Instanz ... mir damals ausgedacht.
01:02:05: Und es war aber tatsächlich wie so oft, dass ich überlegt habe... ...wie mache ich das jetzt da in Münster an der Uni?
01:02:11: Ich hab durch mein Notizbuch geblättert und habe einfach einen Manifest des Dronischen Erzählens wiedergefunden,... ...dass ich mal irgendwann aufgeschrieben hatte.
01:02:20: Das erinnerte ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr.
01:02:22: Da dachte ich, na das kommt mir gerade wie gerufen.
01:02:25: Dann habe ich das ausgearbeitet und durch diese drei Vorlesungen gemacht.
01:02:31: Ja und ich bin sehr glücklich, dass der Merzverlag... dieses Wagnesaufsicht genommen hat, die Poetik zu Centur zu publizieren.
01:02:38: Weil es ist jetzt nicht ein Buch wo irgendwie die ganze Welt Schlange steht um das zu lesen.
01:02:44: Wir haben
01:02:45: ja vorhin schon mal über den Songtext, das Gedicht der Gräber gesprochen.
01:02:49: Ich will noch ein paar von den Querverweisen, die ich mir aufgeschrieben habe, mal kurz zitieren.
01:02:53: Auf der letzten Messer-CD oder Jüngsten von hier ist Kratermusik Krater, haben wir hier.
01:03:00: Gibt's einen Song namens Oswald und ein Song namen Kerzenraubers.
01:03:03: letzte Nacht auf deinen Solo Album die schon erwähnten apokalyptisch-hypnotischen und skandierende Zungen der Gräber Und ein Song Nectar.
01:03:11: Necta Die auf Nectars zwei verweist den Planeten auf denen die Menschen die es denn wollen emigrieren.
01:03:17: Du hast dich selbst als Leichenverbrenner in der Græber reingeschrieben und ich glaube Barbara Kalender hat einen Kurzauftritt in Benito
01:03:24: Aber der ist historisch quasi,
01:03:26: da wird einfach der März verlagert.
01:03:28: Ja ja
01:03:28: ich weiß aber es ist... Ich weiß gar nicht was das für diesen Hypertext Romanen der Nuller Jahre geworden ist, aber so mit Link und Tiefenburg, aber ist das sowas?
01:03:36: Machst du das auch für dich?
01:03:38: also war das schon immer deinem Prinzip?
01:03:40: Ist es Spaß um den Otremma Ultras ein bisschen Zucker zu geben?
01:03:44: Das ist das einzige Ziel!
01:03:47: Ich will einen Kult erschaffen.
01:03:49: Nee, ich arbeite einfach so.
01:03:53: Da taucht etwas auf Und das gefällt mir und ich merke, dass es irgendwie aufgeladen ist.
01:03:59: Das taugt mir gut und dann kann ich mitarbeiten.
01:04:03: Ich bin da... Mir gehört's dann ja auch.
01:04:07: Wer will mir das verbieten?
01:04:08: Dann denk' ich super!
01:04:11: Komm doch wieder rein.
01:04:12: Ich brauch dich gerade aus Wald oder so.
01:04:15: So läuft das.
01:04:17: Ich hab das große Glück viel ... machen zu können, was ich möchte und mir Sachen ausdenken zu können.
01:04:25: Und mit meiner Vorstellungskraft zu arbeiten – das ist ein großes Glück für mich!
01:04:30: Ich habe auch fast so etwas wie eine Demut vor den Sachen die ich mir ausdenke und habe auch irgendwie einen Verhältnis zu denen.
01:04:37: Und ich greife sie auch gerne wieder auf um den wieder näher zu sein.
01:04:41: kachelbart hagi kachelbad aus meinem zweiten roman kachelbars erbe.
01:04:44: den treff ich immer noch regelmäßig obwohl ich mir denn ausgedacht habe und das sind schöne begegnungen.
01:04:49: Und so ist es in meiner ausgedachten welt.
01:04:53: also die sachen kommen wieder Und dann denke ich nicht darüber nach, ist das jetzt?
01:04:57: irgendwie wird es als referenziell begriffen.
01:05:01: Könnte das interpretiert werden als irgendwie ein Gesamtwerk mit einem Verweissystem oder so?
01:05:06: Das muss ja glücklicherweise für mich keine Rolle spielen!
01:05:09: Ich freue mich immer riesig wenn ich mitbekomme.
01:05:11: Es gibt irgendwie Dissertation Bachelor Master Arbeiten Oder Menschen melden sich bei mir ob sie mich befragen dürfen.
01:05:17: Also finde ich ganz wunderbar und für mich dann auch spannend.
01:05:22: aber das ist ja nichts was was ich so plane oder so, das ist einfach meine Arbeitsweise über die wir gerade gesprochen haben.
01:05:29: Die das auch provoziert und hervorbringt und das hat für mich einfach den schönen Effekt dass es eine Abwechslung gibt, dass es irgendwie auch ne Treue gibt gegenüber dem Ausgedachten.
01:05:45: Wahnsinnig wichtig ist, mir wird dann nicht langweilig.
01:05:47: Ich gerate nicht so schnell in Blockaden oder Krisen weil ich kann auch immer noch mal weggehen und dann male ich halt ein Bild.
01:05:55: Und dann kommt in den Bild etwas was vielleicht wieder zu einem Song führt und in dem Song entsteht etwas das mir wieder hilft bei etwas wo ich im literarischen Schreiben irgendwie feststeckte also Ich habe das irgendwann festgestellt, dass es gut funktioniert.
01:06:08: Dass ich irgendwie immer in Bewegung bin und dass das eine Welt ist, die könnte ich jetzt so beschreiben oder hab' ich ja auch beschrieben?
01:06:14: Das ist da für mich – in meiner Fantasie!
01:06:17: Und das ist gut, weil da habe ich auch einen Ort der für mich gut ist.
01:06:23: Ich frage mich gerade wie man sich so uns zusammentreffend der Tremba-Figuren vorstellen muss als Gelager, als Orgier, als Yoga Retreat... Was ist es?
01:06:35: Ich hätte schon mal Lust eine Geburtstagsparty zu geben, wo die alle vorbeikommen und dann so meine Freundinnen und Freunde und meine Leute in meiner Familie uns kennenlernen.
01:06:48: Wie groß wird denn das Venue werden?
01:06:51: Das müssten wir hier machen.
01:06:54: Geht es?
01:06:55: Wir blocken schon meinen Termin!
01:06:57: Ihr seid alle eingeladen.
01:07:00: Die Vorstellung hatte ich noch nie.
01:07:02: Das finde ich richtig gut.
01:07:05: Kommen wir zu einer anderen Rubrik an der Seitenlinie, sondern anschließend eine liebste Nebenfigur.
01:07:11: Schabbatz-Krekow ist Triffteller über Lebenskünstler und taucht bereits in einem allerersten Roman als vorgeschättes Zitat aufbildig mir ein.
01:07:20: Ja das stimmt!
01:07:21: Und hier in dem erster Karabats Erbe wird er eingefroren, stürbt vorher schon mal vermeintlich und taucht jetzt hier wieder auf.
01:07:33: Ja ja, das war dann sozusagen der Trick um dieses was ich gerade beschrieben habe den Figuren treu zu bleiben.
01:07:39: Das muss natürlich sich schon irgendwie logisch erklären lassen und da war ich ganz froh dass ich den noch im Tiefkühlfach hatte so zu sagen.
01:07:46: Den Schabbatz Kräkoff.
01:07:49: Ich weiß gar nicht wer das ist und wo er her kommt Und der hat das irgendwie in meinem schaffen die größte Konstante und mir gleichzeitig aber auch immer noch der Fremdeste und irgendwie auch manchmal unbehaglichste.
01:08:03: Irgendwo habe ich mal gelesen, ich sei das.
01:08:05: Weiß nicht!
01:08:06: Aber so irgendwas hat er wahrscheinlich auch schon von mir.
01:08:10: Er ist Schriftsteller?
01:08:11: Ja der ist genauso wie ich ein unerfolgreicher gescheiteter Schriftställer, der dann im hohen Alter irgendwann kultisch verehrt wird.
01:08:19: Das ist mein großes Ziel und...
01:08:22: Er ist dreiundachtig ne?
01:08:23: Genau.
01:08:26: Der Schabbatz Krikow ja ... Das sind so Momente, wo ich bin.
01:08:31: Ich bin rückblickend froh, dass ich da einfach aufmerksam war und mir das direkt aufgeschrieben habe und bei der Sache war und irgendwie geistesgegenwärtig genug war.
01:08:39: Ich weiß noch,
01:08:41: wir waren mit meiner Band Messer auf Tour in einem schäbigen Van und ich saß mit unserem Schlagzeuger Philipp Wulff hinten auf Verbank und hab in meinem Notizbuch irgendwie – und ich wusste schon, ich will einen Roman schreiben und hatte schon auch viel darüber nachgedacht – dann kam dieser Satz in den Sinn Als die Wellen in der Atmosphäre veräppt waren, lag der Planet für einen Moment ganz still.
01:09:04: Schabatz-Kräkow dich da verschollen
01:09:07: und das war
01:09:08: der erste Satz des ersten Romans.
01:09:13: Und dann habe ich Philipp das vorgelesen und gesagt ist es ein guter Anfang für einen Roman?
01:09:17: Dann hat er so gesagt
01:09:19: ja!
01:09:23: Genau.
01:09:24: Und das ist irgendwie... Ist es dann dabei geblieben, dass dieser Schabatz-Krikow dauernd wieder auftaucht und irgendwas wilder von mir?
01:09:31: Ich habe mit Richard Stäuber zusammen auch seinen Gesamtwerk jetzt editiert und einen wissenschaftlichen Apparat geschaffen und so genau.
01:09:41: Dann machen wir gleich weiter mit der Rubikstreichkonzert über das Lektorat.
01:09:45: Ich muss dazu sagen ich hab den Rubrikennamen geändert bevor die Rubrik auch wie erste ... Aufhöhung erlebt hat, weil ich was eigentlich nennen aus dem Giftschrank ein Satz, den ich gestrichen habe.
01:09:54: Aber Herr Neck hat mir dann geschrieben er würde lieber über das Lektorat mit Richard drehen, ... ... war sich auch spannend fand, weil Ich darüber auch immer gerne mehr wüsste.
01:10:01: Deswegen
01:10:02: glaube... Mir ist im Nachhinein auch noch mal klar geworden als du das fragst, ... ....ich glaub da bin ich schon so'n bisschen abergläubig,... ...ich glaub Sätze die ich gestrichen hab die sind halt, die sind aus Gründen gestrichene.
01:10:15: Sieht ja gut aus für die Rubrik fürs nächste Mal!
01:10:18: Deshalb habe ich schon Ich wollte das nicht so gern und habe eigentlich Lust, kurz übers Lektorat zu sprechen.
01:10:30: Weil ich wusste ja dass heute Richard auch hier sein wird weil es eine wahnsinnig schöne Erfahrung ist ein Lektorit.
01:10:37: Nicht immer!
01:10:39: Also ich hab auch schon Lekturate in anderen Kontexten erlebt wo es ganz schrecklich war und ganz furchtbar und ich auch mit den Leuten nie wieder was zu tun haben will.
01:10:51: Mit
01:10:51: anderen Rubrik, glaube
01:10:52: ich?
01:10:52: Ja!
01:10:54: Und mit Richard Stäuber sind die Lektorate aber so wahnsinnig gut weil der ist einfach ein brillanter Lector, der einem irgendwie den Rücken stärkt und mit dem das so eine große Freude ist.
01:11:07: Da habe ich dann auch richtig mal gemerkt dass so'n Lektorit wenn es gut
01:11:11: läuft...
01:11:12: Wenn man sich vertraut Wenn man ein gutes Verhältnis zueinander hat, wenn man
01:11:17: weiß der andere glaubt
01:11:18: an einen und an den Text.
01:11:20: Das kann dann so eine tolle Zeit sein weil man so konzentriert zusammen an einer Sache ist die meistens noch niemand sonst kennt
01:11:27: Und man dann
01:11:27: ja auch die ersten Hallräume erfährt und merkt da brennt jemand dafür und sagt einem irgendwie auch was er denkt und empfindet.
01:11:35: und das macht mir irgendwie Spaß.
01:11:37: Es ist auch anstrengend und kann auch stressig sein und man kann auch manchmal frustriert sein.
01:11:44: Allein, dass jemand sich so konzentriert einem zuwendet und der Sache die man sich da ausgedacht hat.
01:11:48: Das finde ich irgendwie ganz toll und großartig und ist eine große Freude für mich.
01:11:55: Und wie sehr atmet sowas aus?
01:11:56: in Länge, Intensität?
01:11:58: Dass die Tage auch lange dauern oder
01:12:01: Kämpfe
01:12:01: und Fächste... Also
01:12:02: mit Richard weil er einfach so ein Profi ist und das so gut kann und wir da glaube ich aber auch ... Wir wissen meistens dann schon also wir haben uns nicht jetzt um Dinge arg streiten müssen.
01:12:16: Ich sehe dann auch Sinn und Zweck, ich sehe auch irgendwie Argumente und bin dann ganz oft froh wo ich vielleicht doch noch irgendwo in Zweifel hatte zu merken.
01:12:27: ja das muss ich nur.
01:12:29: also ich fand es mal wieder eine ganz tolle gewinnbringende Erfahrung an der man auch reifen kann.
01:12:39: genau Wie lange das dann so dauert, ist irgendwie auch unterschiedlich.
01:12:46: Und bis wie kurz vor dem Druck dauert's?
01:12:50: Das war ziemlich knapp.
01:12:51: oder Richard?
01:12:58: Es war sehr knapp!
01:12:59: Ne wir haben schon noch bis zum Schluss irgendwie geackert.
01:13:05: Bei dem
01:13:06: vorherigen Roman Benito der autobiografischer war als alles was du früher gemacht hast und da geht es unter anderem an meine Fahrtfindergruppe die auf einem Fluss Das Herz der Finsternis.
01:13:17: Da hattest du dann einen Punkt, wo du nicht weiterkamst?
01:13:22: Benito
01:13:23: war ein Roman, in dem ich arg ins Straucheln geraten bin an einem Punkt noch vor dem Lektorat.
01:13:30: Da kannte ich Richard noch gar nicht sonst, wäre das natürlich gar nicht passiert!
01:13:34: Aber da bin ich irgendwie ganz schön in Stolpern geraten am Punkt Und ich glaube, das passiert einfach und ich glaube auch dass es gut ist, dass sich die Erfahrung gemacht habe.
01:13:44: Weil ich auch gelernt hab man kommt da auch irgendwie wieder raus und so.
01:13:48: Selbst wenn's mal passiert, dass irgendwas nicht funktioniert oder abricht oder so.
01:13:53: denn also weiter schreiben werde ich eh.
01:13:56: Da war es so, dass ich irgendwie
01:13:59: dann
01:14:00: auch wieder auf eine Idee zurückgegriffen hatte, die ich ganz am Anfang mal gehabt hätte als ich mit dem Roman begonnen hatte Und einfach so eine Art Experiment unternommen habe und dann festgestellt hab, ich kam da irgendwie raus.
01:14:12: Also das ist auch das was ich im Schreiben irgendwie so wichtig finde dass man sich auf den Zufall und auf Unfälle und auf Sachen die man nicht planen kann ein Stück weit verlässt
01:14:24: weil
01:14:24: sie kommen wenn man da hellhörig ist.
01:14:26: Ich habe mich gefragt ob das autobiografisch wirklich eine größere Barriere war als der Weltuntergang jetzt?
01:14:31: Das ist auf jeden Fall so gewesen.
01:14:33: ja Schau, ja.
01:14:36: Das ist auf jeden Fall schwieriger über meine eigene Familie zu schreiben
01:14:43: als ich bei den Weltwunscher
01:14:44: kann.
01:14:47: Bevor wir noch eine Passage lesen kommen wir zur letzten Rubrik ein fremdes... Also sie heißt könnte das von mir sein?
01:14:54: Ein fremtes Buch dass ich gern geschrieben hätte oder dass ich ihn gelesen habe?
01:14:58: Ja
01:14:58: Du hast dir ein besonderes Buch ausgesucht.
01:15:01: Ja
01:15:02: Ich lese gerade nach irgendwie zum zweiten Mal Umberto Equus, der Name der Rose.
01:15:11: Und das macht mir gerade so eine riesengroße Freude.
01:15:14: Deshalb dachte ich ... Das bringe ich sozusagen mit als Titel auf die Rubrik hin und auf die Frage hin.
01:15:25: Es gibt dieses Lesen, dass sich auch dadurch, dass ich selber schreibe, vermisst habe oder ich finde einfach nicht oft genug die wirklich guten Sachen.
01:15:37: Aber es gibt dieses Lesen, das sich so aus meiner Kindheit und aus den ersten Leseerfahrungen
01:15:42: kenne
01:15:43: wo man wirklich in einen Soggerät abtaucht und man hat Sehnsucht in dieser Welt des Buches zu sein.
01:15:52: und diese wahnsinnige Intensität, die ich irgendwie zu erzeugen natürlich auch mir erhoffe großartiger am Lesen ist, dass was das alles dann mit einem anrichtet und macht.
01:16:07: Und
01:16:07: einen ins Denken
01:16:08: und Reflektieren bringt und einen einfühlsamen Macht und so klar aber dieses Erlebnis erstmal einfach so
01:16:15: krass
01:16:16: in etwas drin zu sein.
01:16:18: Das habe ich immer mal wieder bei Roman und irgendwie hab' ich das Gefühl es wird seltener und ich hoffe nicht, dass sich irgendwie abnutzt.
01:16:25: Ich komme auf jeden Fall dahin, dass ich die Romane bei denen ich das hätte Wieder und wieder lese.
01:16:31: Ich habe das bei ein paar Romanen von Roberto Bolanio, Comic McCarthy... Und es gibt so Leute die ich einfach brillant finde, wo ich merke, dass lässt sich wieder anschmeißen.
01:16:44: Silvia Platt.
01:16:47: Bei Echo merke ich das gerade auch, da freue mich schon wieder auf heute Abend!
01:16:54: Der hat ja auch wahnsinnig viele Exkurse und taucht in die sozialen Schichten ein.
01:16:59: Ich meine,
01:17:00: es gibt so ein rühmtes Bild von ihm in seiner Bibliothek... ...die so riesengroß.
01:17:04: also wenn Berlin die renovieren müsste das würde ja Tete dauern.
01:17:09: Das ist auch diese Komplexität vom Schreiben bei dir durchaus als gerade bei diesen Normalen ja auch da ist.
01:17:16: Ja aber... Die legen
01:17:17: netten Stehner dafür?
01:17:19: Bei Echo habe ich aber finde ich einfach so krass, wie viel man lernt ohne so ein Didaktik-Gefühl zu haben.
01:17:31: Ich habe nicht das Gefühl der will mir was beibringen aber der schafft so ein weites Panorama auf dem dann irgendwie eine Handlungsstadt findet dass auch den Kontext so stark verdichtet und jetzt nicht im Sinne von historischer Roman.
01:17:45: Geschichte wird erzählt und es gibt noch eine Handlung.
01:17:47: Und so, nee ich bin da total bei den beiden
01:17:49: Mönchen...
01:17:51: ...und an diesen Todesfällen und an den Ermittlungen und so.
01:17:54: aber... Ich sehe das!
01:17:55: Ich weiß jetzt irgendwie wie's im Mittelalter aussah und Umberto Eco hat nicht im Mittelalter gelebt.
01:18:01: Wie hat er das gemacht?
01:18:02: Also das ist faszinierend.
01:18:05: Man lernt ganz viel darüber Und man wird aber auch irgendwie in eine Atmosphäre gezogen und wird aber wieder an ganz existenzielle Fragestellungen herangefühlen.
01:18:15: Unser unfassbar toller Roman!
01:18:18: Gut, du hast auch nicht im Jahr ein- zwanzig sechsund neunzig gelebt soweit ich bisher weiß... ...und kriegst trotzdem wahnsinnig gut hin uns damit reinzuleben.
01:18:27: Ja wer weiß?
01:18:27: Es gibt von einem Freund von mir Philipp Thyson erzählt er scheint jetzt bald einen Buch.
01:18:32: das heißt Zukunftserinnerung.
01:18:35: der Begriff ist bei mir hängen
01:18:36: geblieben.
01:18:36: Okay Dann lass doch die dritte Lesung noch machen, die Trichstelle.
01:18:41: Okay!
01:18:42: Ich lese... das war jetzt alles irgendwie so
01:18:45: düster und
01:18:46: traurig und so.
01:18:47: jetzt lese ich noch was, obwohl es eigentlich
01:18:49: auch ein bisschen düster ist.
01:18:51: Aber
01:18:54: wir haben ja zwischendurch
01:18:56: gelacht, Quote stimmt.
01:18:58: Genau, ich lese noch etwas aus der Ebene two-tausend-einhundertsechstenneunzig eher vom Ende des Romans
01:19:05: oder zumindest weiter hinten.
01:19:08: Ah ja, jetzt weiß ich auch was du mit Abenteuerspielplatz meintest.
01:19:13: Da ist Schabbatz Krikow über den wir gerade sprachen – auch wieder da!
01:19:16: Der ist mittlerweile aufgetaut und wieder auf der Erde.
01:19:20: Krikoff und die anderen Verrückten waren in den Weddinge pilgert an den alten Bahngleisen entlang um Häuser zu sprengen.
01:19:27: Eigentlich sprengten sie Blindgänger, die eben am ehesten dort zu finden waren wo die Häuser noch standen.
01:19:32: Häuser, die dann einstürzten.
01:19:34: Häusersprengen... Das war seit der Abreise der
01:19:37: letzten
01:19:37: Exzellanten zur allseits beliebten Beschäftigung der Abenteuerlustigen zurückgebliebenen geworden.
01:19:43: Sie versuchten, möglichst spektakuläre Explosionen herbeizuführen, Kettenreaktion und wärmende erhellende Feuerwalzen.
01:19:51: Freizeitbeschäftigungen kann man nicht sagen – es gab ja nichts außer Freizeiten!
01:19:56: Kunst wars auch nicht.
01:19:57: trotz des kollektiven Gestaltungswillens der Neigung zum Fanal.
01:20:01: Es war ja keine Gesellschaft mehr vorhanden, zu der sich die Kunst verhielt oder auf die sie einwirkte.
01:20:06: So gesehen war alles Kunst, reine Kunst aber unschuldig und unmotiviert – bloß um ihrer Selbstwillung!
01:20:12: Weil die zurückgebliebenen aus Freude handelten etwas stattfinden lassen wollten, dass darüber hinaus über das bloße Ereignis keinen Zweck
01:20:19: hatte.
01:20:20: Und darin waren diese Sprengungen
01:20:22: des Hochjagens
01:20:23: der letalen Kriegsreste, die Vollendung einer eines ganz anders motivierten Zerstörung, die heute jedoch ebenso sinnlos nur dass sie niemandem mehr schadete, kunstvoll.
01:20:33: Sie suchten nach Blindgängern die im gesamten Berliner Stadtgebiet verteilt vorkamen und sprengten sie – ein Spiel das nicht ungefährlich war!
01:20:46: hatte eine ganz simple Apparatur entwickelt, technologisch vorzeitig und daher auch jetzt noch einsetzbar in einem Zeitalter nach der Elektrizität.
01:20:54: Ein elektronischer Impuls, der jedoch Handbetrieben über eine Kurbel erzeugt und mit Spulen verstärkt durch einen ausreichend langen Draht geschickt wurde den sie auf eine Trommel gedreht dorthin schafften wo sie eben eine Zündschnur wie Sie das nannten zu legen gedacht haben.
01:21:09: es klappte nicht immer Manche Zünder funktionierten nicht mehr oder aber die Apparatur lieferte keinen ausreichend starken Impuls.
01:21:16: So war es auch ein Glücksspiel!
01:21:18: Doch ein paar kleinere Blindgänger hatten sie in den letzten Wochen bereits mit einigem Sicherheitsabstand in die Luft gesprengt, hatten laut gejubelt und begeistert geschrien wenn das was von den Menschen zurückgelassen worden war prunkvolle Monumente glanzvolle Symbole kostspielige Altersvorsorge mannigfaltige Objekte zivilisatorischen Größenwands Durch die Luftflog ineinander krachte auf dem Boden Aufschlug, wo die gewaltigen Trümmerteile Häuser und Ruinen einrissen- und Autowrax unter sich begruben den Bodenlöcherten.
01:21:48: Die Detonationen waren gewaltig!
01:21:50: Es war wirklich ein großer Spaß!
01:21:52: Als spielten sie eine lebensgroße Version.
01:21:54: Schiffe versenken mit den Resten von Berlin.
01:21:57: Wenn es dann laut geknallt hatte, die Brocken wie in Zeitlupe durch die Luft trudelten wenn Staub aufstieg und zu ihnen herüber rieselte.
01:22:04: Wenn daten nach das Licht an einer Stelle wieder durchfiel, die vorher verdeckt gewesen war und die Schatten sich verschoben hatten jubelten sie und beglückwünschten sich zu diesen kleinen Spektaklen ganz ohne Wettbewerb in purer Freude.
01:22:18: Und nun waren Sie auf ein Blindgänger eines deutlich größeren Kalibers gestoßen.
01:22:23: Der Bewiss der über militärisches Wissen verfügte Beteuerte mit der zu erwartenden Explosion sei wenigstens ein Häuserblock einzureißen, vielleicht sogar mehr und dass eine tiefe Kraterbildung wahrscheinlich sei.
01:22:34: Mustafa und Salome waren auf den monströsen Blindgänger gestoßen als sie in den Tagen um ihren einzwanzigsten Hochzeitstag einen Ausflug in den fernen Wedding unternommen hatten.
01:22:45: Eine gewaltige Kugel mit drei Metern Durchmesser, die inmitten eines Spielplatzes gelandet war halb in die Erde eingesunken aber unversehrt.
01:22:53: Staunend hatten sie den Koloss betrachtet waren dann den langen Weg zurück marschiert um nun am folgetag mit der ganzen Gruppe erneut hier aufzutauchen.
01:23:01: Wir müssen den verdammten Draht verlängern.
01:23:04: bei der Explosion sollten wir auf jeden Fall wenigstens drei Häuserblocks entfernt Entdeckung gehen vielleicht sogar vier.
01:23:09: das wird heftig meinte Bohr sich in strengem Ton.
01:23:13: Sonst fetzt uns das Ding die Ohren weg.
01:23:16: Die anderen stimmten zu und er bewusste, wie sie alle schwer traumatisiert war von den vernichtenden Detonationen der Vergangenheit, die Berlin im Zerstörungsrausch heimgesucht hat und traumatisiert aus einer Zeit also als die Sprengkraft noch nicht Teil eines Spiels gewesen war stand neben ihm und sein Atem ging heftig weil er wusste dass die Leidenschaft und Begeisterung für ihre Obsession aus dem Wunden ihrer Seelen tranken
01:23:39: sich
01:23:39: Sie sich diesem Schrecken zuwandten, weil sie ihn erlebt hatten und nun beherrschen wollten und ihr Trauma darin wieder zu durchleben suchten.
01:23:46: Weil es sie überstieg und diese Erfahrung nachjaggen,
01:23:49: weil er noch nicht
01:23:50: abgeschlossen war, nie abgeschlossen sein würde – kein Krieg ist je vorbei!
01:23:56: Das wird heftig werden.
01:23:58: Heftig wird das werden.
01:23:59: Wird das heftig werde?
01:24:00: Häftig werden wird.
01:24:01: das Brabbelte der Bewusst und schlug mit der flachen Hand auf den Körper des Blindgängers als sei der ein dicker ihm zugewandter hintern, der sich ein paar Hibe abholen
01:24:09: wollte.".
01:24:10: Sie schafften also eine zweite Drahtspule heran und legten die Zündschnur entlang der zertrümmerten Gassen und Straßen auf einen Platz etwa drei Blocks entfernt vom Blindgänger, einst ein Marktplatz, auf dem man an bestimmten Wochentagen einmal Kaffee hatte kaufen können.
01:24:24: Stoffe, Fleisch, Blumen, Gösleme, Melonen... Die zurückgebliebenen Tranken, Tranken weiter waren schon ziemlich besoffen angekommen, hatten in den Schweißtreibenden Vorbereitung dann ein wenig ausgenüchtert, legten nun umso mehr nach.
01:24:37: Kräkow ebenfalls angetrunken, beobachtete
01:24:40: schweigsam
01:24:40: die Regungen seiner Jünger.
01:24:42: Nickte ihn immer wieder lächeln zu, blickte sie voller Verständnis an als wollte er sagen ja ich weiß warum ihr das tut
01:24:49: und es ist gut.
01:24:51: Erschaute ihnen zu als wären sie die Kinder die er nie hatte halbstarke pubertäre Größenwahnsinnige.
01:24:59: Es war dunkel geworden und neblich wie daneblich als wolle die sichtbare Veränderung der Umgebung etwas ankündigen.
01:25:06: Der Bewusst war ganz außer sich.
01:25:08: Seine Augen leuchteten und erschmatzte, wendete und drehte die Sätze in seinem Mund als wüsste er nicht ganz wer sie zu den anderen tragen sollte.
01:25:16: aber die hörten eh nichts zu waren vertieft in die Arbeit schichteten auf einer durchschutt entstandenen Erhöhung
01:25:21: eine
01:25:22: Art improvisierte Sprengzentrale auf einen schützenden Unterstand schoben ein paar Autowachs ineinander bauten mit dem was sie fanden eine Dämmwand mit ausreichend Kucklöchern versehen um das Spektakel gleich angemessen
01:25:34: zu betrachten.
01:25:35: Schließlich waren sie zufrieden mit ihrem Werk und auch der Blindgänger war fachmännisch verkabelt.
01:25:41: Boah, sich kniete Volltrunken über der Spule!
01:25:43: Sind alle soweit?
01:25:45: Lautes Gebrüll, Gejubel.
01:25:47: Der Bewusst hatte die Arme ausgestreckt Und trat von einem Fuß auf den anderen Als müsse er auf die Toilette.
01:25:53: Die Fratze kurbelte Was das Zeug hielt Wechselte
01:25:56: sich
01:25:56: Mit ein paar willigen Helfern ab Bis er schließlich In einen feierlichen Moment als die Spannung Seinem Ermassen nach Ausrichte Ausreichte Auf den Auslöser drückte.
01:26:06: Nichts geschah.
01:26:08: Stille,
01:26:09: vollkommene
01:26:10: Stille!
01:26:11: Man meinte sogar die Bewegung bis Nebels zu hören der sich in dicken Schwaden durch die Dunkelheit schob.
01:26:17: Nein nein nein nicht darf das sein, dass darf nicht sein, das darf das nicht sein nichts darf sein.
01:26:22: Der Bewusstrichtete sich auftrat vor den Schützenden Unterstand.
01:26:26: Die anderen riefen tut das nicht warte er kann doch noch es kann doch auch dauern bleibt hier aber er hört sie nicht auf Sie.
01:26:33: Er wollte jetzt den großen Knall, wollte es sehen.
01:26:36: Wollte jetzt genau das am ganzen Körper spüren was einst sein Leben für immer verändert.
01:26:40: Sein altes Ich fragmentiert und in die Vergangenheit... ...und die Verganganheit in ihm ausgelöscht hatte um ihn in einer verrückten Zukunft wieder völlig durcheinander
01:26:48: zusammenzusetzen.
01:26:50: Mit Tränen in den Augen schritt er nun flehend und jammant über
01:26:53: die brüchige Straße
01:26:54: noch immer mit ausgebreiteten Armen.
01:26:56: Komm schon bitte!
01:26:57: Komm schon!
01:27:00: Da meinte er einen Flüstern zu hören Das nicht von den anderen kam, nicht aus seinem Rücken zu ihm herüberdrangen.
01:27:06: Ein ganz ohne Zweifel!
01:27:07: Es kam von vorne – aus Richtung des Blindgängers.
01:27:11: Das flüstern Sprach zu ihm in einer Sprache die er nicht kannte und die er aber nicht verstand in einer Sprechweise, die ihm vertraut schien.
01:27:20: Seine Freunde starten ihm nach bewegungslos und hochkonzentriert.
01:27:24: wie Erdmännchen standen sie da.
01:27:27: Da plötzlich sahen Sie ein helles blendendes Licht und Schutt flogen ihnen um die Ohren.
01:27:33: Und dann, fast im selben Augenblick nur einen winzigen Moment Zeit versetzt, vernahmen sie den lautesten Knall, den Sie in Ihrem Leben provoziert hatten.
01:27:40: Die steifen fettigen Haare flogen Ihnen nach hinten, die Mäntel flatterten, Ihre Gesichter schlackerten und die Augen weiteten sich – und sie wurden von der Explosion auf den staubigen Boden zurückgeworfen, dem Sie entstammten!
01:27:53: Als ich der aufgewirbelte Staub etwas zu legen begann, sahen Sie, dass sich die Landschaft vor Ihnen verändert hatte.
01:28:00: Nichts stand mehr wo es gerade noch gestanden hatte.
01:28:04: Die Häuser und Ruinen waren weggefegt, ein tiefes Loch klaffte im Boden.
01:28:09: Auf dem Weg dorthin stand der Bewusst.
01:28:11: Ein riesiger Körper, noch immer die Arme ausgestreckt Stand da wie ein wankender Turm.
01:28:16: Er lächelte.
01:28:18: Blut lief aus seiner Nase, aus seinen Ohren Seinen Augen seinem Mund.
01:28:22: Er lachte kurz auf, sagte sowas wie Haiaiai.
01:28:26: Dann kippte er auf die Knie Und fiel langsam von über erst wie in Zeitlupe und dann ganz schnell.
01:28:33: Die anderen zurückgebliebenen Randen zu ihrem Freund betteten ihn zwischen sich, strichen ihm durch das entstellte Gesicht hielten seine Hände liebkosten ihnen redeten ihm gut zu verwischten ungewollt sein Blut und waren bald ganz damit verschmiert sah er aus Wie wilde die sich in Trance bereits mitten im Trauerritual befanden.
01:28:50: Der Bewusst aber blickte da schon in eine andere Welt.
01:28:54: Er sagte bringt mich heim Mich heimbringt Zerteilt mich zäh mich teilt.
01:29:00: Äst mich auf, mich auf.
01:29:02: Macht euch
01:29:02: Satzatatat.".
01:29:03: Das war sein letzter Wille!
01:29:06: Dann starb er glücklich und zufrieden im Staub.
01:29:08: Und seine Freunde die Hinterbliebenen Die zurückgelassene, die trauernden?
01:29:12: Sie schlossen ihre Geister zusammen Zu einem kollektiven Bewusstsein ihres geteilten Schmerzes Am leichtsinnigen Verlust eines geliebten Menschen.
01:29:19: Und sie empfanden dasselbe Und waren in Tränen vereint In einem Bund der sich nicht auflösen lässt.
01:29:26: So jetzt reicht's mal.
01:29:38: So Heinrich, letzte Frage.
01:29:39: Nachdem du jetzt mit Exzess und Liebe, mit Party auch bei Ihnen abgefackelt hast, entschuldet, arschgewegt hast – what's next?
01:29:48: What's Next?
01:29:49: Also wir machen mit Messer weiter.
01:29:51: Wir sind jetzt im Mai zusammen Unterwegs in einem alten Rittergut, wo wir schon unser drittes Album damals Schalosie aufgenommen haben.
01:30:01: Zwischen Münster
01:30:01: und Bielefeld ist das und arbeiten
01:30:04: an neuen Songs.
01:30:05: Ich darf jetzt
01:30:05: Saxophon spielen in der Band.
01:30:09: Da freue ich mich sehr drauf.
01:30:11: Dann habe ich gerade mit der Arbeit an dem Buch begonnen.
01:30:15: da darf ich noch nichts darüber verraten.
01:30:17: Das wird auch wieder ein
01:30:18: Sachbuch
01:30:19: den Geschichte von einem Musikschaffenden.
01:30:23: Dann habe ich einen neuen Roman begonnen, an dem ich schon jetzt eine Weile rumdenke und da wird es aber glaube ich
01:30:29: diesmal ein bisschen länger dauern.
01:30:31: Der wird umfangreicher.
01:30:34: Ja also das geht irgendwie alles weiter.
01:30:36: Morgen früh muss ich nach Zürich.
01:30:37: Da freue mich auch drauf und so...
01:30:41: Also nicht dass ich entfernt auf die Idee gekommen wäre, aber du langweist dich nicht?
01:30:44: Nee!
01:30:45: Ich hab mich noch nie gelangweilt.
01:30:47: Vielen Dank an euch, dass ihr alle da wart.
01:30:48: Das war der erste tipp Berlin Literaturkapelle mit Henrico Tremmer.
01:31:06: Ich will auch noch ganz schnell Danke sagen.
01:31:08: Mach das?
01:31:09: Ich sag da noch
01:31:10: Dank!
01:31:12: Danke, dass ihr euch getraut habt mit mir den Auftakt zu machen und mich eingeladen habt.
01:31:18: Das war eine große Freude.
01:31:19: Danke dir für die Moderation und dass der Gräber an diesem sehr schönen Ort mit euch heute seine Berlin-Premiere feiern durfte – obwohl ich die Stadt in Schutt und Asche
01:31:29: gelegt habe.
01:31:31: Danke an Barbara und Richard und alle, die uns
01:31:33: helfen und uns
01:31:34: unterstützen Und an euch alle, die ihr hier seid.
01:31:38: Das bedeutet mir was und ich freue mich sehr darüber.
01:31:41: vielen Dank.
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